Zinsen und Dividenden Scholz prüft Ende der Abgeltungsteuer

Finanzminister Scholz lässt seine Beamten nach SPIEGEL-Informationen ausrechnen, ob die Abgeltungsteuer auf Zinsen und Dividenden fallen soll. Das aber würde die Unternehmensbesteuerung in Unordnung stürzen.

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) prüft die komplette Abschaffung der Abgeltungsteuer. Damit geht er weit über die Absprachen des Koalitionsvertrages hinaus. Scholz lässt seine Beamten untersuchen, ob der derzeit gültige Steuersatz von 25 Prozent für alle Kapitalerträge wegfallen kann. Dann müssten nicht nur, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, Zinseinnahmen zum meist höheren persönlichen Steuersatz veranlagt werden, sondern auch Dividenden und andere Ausschüttungen.

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Scholz und seine Beamten fürchten, dass die isolierte Abschaffung der Abgeltungsteuer ausschließlich für Zinsen eine neue Welle von Steuersparmodellen auslöst. Doch auch die Komplettabschaffung berge Risiken, warnen Fachleute im Finanzministerium. Die Abgeltungsteuer sorgt bislang mit Körperschaft- und Gewerbesteuer dafür, dass die Belastung von Ausschüttungen bei Aktiengesellschaften und GmbH ungefähr so hoch ausfällt, wie bei Personengesellschaften, die der Einkommensteuer unterliegen. Fiele die Abgeltungsteuer weg, müssten Anteilseigner von Kapitalgesellschaften mehr an den Fiskus abliefern als die von Personenunternehmen.

Die Höhe der Belastung hätte damit Einfluss darauf, welche Gesellschaftsform Eigentümer für ihr Unternehmen wählen. Die Rechtsformneutralität der Besteuerung wäre nicht mehr gewahrt.

Scholz könnte die Schieflage bereinigen, indem er die Körperschaftsteuer oder Gewerbesteuer senkt - was in seiner Partei allerdings nur schwer durchzusetzen wäre. Voraussetzung für die Abschaffung der Abgeltungsteuer ist, dass im Rahmen des internationalen Informationsaustauschs deutsche Finanzbehörden über Zinseinkünfte einheimischer Anleger im Ausland Bescheid wissen. 2020 soll es so weit sein.

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
quark2@mailinator.com 15.03.2019
1.
Jede Form von Einnahme sollte gleich besteuert werden. Egal ob Zinsen, Mieten, Lohn, Gehalt, Gewinnausschüttung. Am Besten sollte diese Steuer bereits mit der Auszahlung fällig werden, d.h. derjenige der überweist, überweist die 10% direkt an den Staat. Hinterher kann dann von mir aus nach irgendwelchen Regeln Förderung etc. ausgezahlt werden. Weg mit den ganzen Steuerberatern (außer von mir aus für größere Firmen), weg mit den Sonderregeln, Ausnahmen, etc.
Darwins Affe 15.03.2019
2. Leviathan
1) Immerhin hat es die EZB mit ihrer Nullzinspolitik geschafft, dass 10-jährige Bundesanleihen ca. 0,6 Prozent jährlichen Zinsertrag bringen – bei 1,6 Prozent (offizieller) Inflationsrate. 2) Es ist daher höchste Zeit, dass man von diesen 0,6 Prozent ein Maximum in den Staatssäckel transferiert – sorgt sicherlich für die private Altersvorsorge der Bevölkerung. 3) Sage keiner, dass Thomas Hobbes`Leviathan ein Albtraum sei.
dwg 15.03.2019
3.
Das hieße dann zurück zum alten Teileinkünfte- oder noch älterem Halbeinkünfteverfahren. Andernfalls wäre es mit dem Unternehmensstandort Deutschland vorbei. Das wird sogar Herr Scholz merken.
Theophanus 15.03.2019
4. Genau so...
...funktioniert ja die Abgeltungssteuer. Wieder will man Murks machen, wieder Verschlimmbessern, es ist zum Mäusemelken.
debitorenschreck. 15.03.2019
5.
Besser wäre es, man führt die einjährige Spekulationsfrist, die seit dem Jahr 2009 zugunsten der Abgeltungssteuer eingeführt wurde, wieder ein. Das könnte zu einer besseren Aktienkultur führen, vor allem aber könnte man sich effektiver der Altervorsorge widmen.
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