Steuererleichterung Finanzminister Scholz will Grundfreibetrag erhöhen

Die USA senken ihre Steuersätze massiv, doch auf einen Steuerwettlauf will sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz nicht einlassen. Kleine Verbesserungen soll es trotzdem geben.

Olaf Scholz
AP

Olaf Scholz

Von


Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will von Beginn nächsten Jahres an größere Teile des Einkommens steuerfrei stellen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 18/2018
Kopftuch, Kreuz, Kippa: Das deutsche Ringen um Identität - der Glaube und sein Missbrauch

Dafür soll der Grundfreibetrag für Erwachsene um rund 270 Euro steigen, der für Kinder um rund 130 Euro. Die Entlastung beträgt rund zwei Milliarden Euro. Einen entsprechenden Gesetzentwurf will Scholz nach SPIEGEL-Informationen bis Mitte Mai vorlegen. Damit nimmt der Finanzminister den Existenzminimumbericht vorweg, der für Oktober angekündigt ist. Er ist Grundlage für die regelmäßig stattfindende Anpassung des steuerfreien Existenzminimums an die Preissteigerung. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Eine Anhebung des Grundfreibetrags nützt allen Einkommensteuerzahlern - ob Gering- oder Besserverdiener. Denn alle müssen nur die Teile ihres Einkommens versteuern, die oberhalb dieser Grenze liegen.

Auch für Firmen plant Scholz einige Verbesserungen. So ist vorgesehen, Forschungsanstrengungen von Unternehmen künftig steuerlich besser zu fördern. Die Maßnahme soll auf kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten konzentriert werden. Auch günstigere Abschreibungsregeln für Unternehmen sind im Gespräch. So denken Experten im Finanzministerium darüber nach, die degressive Abschreibung wiederzubeleben. Sie gilt als Beschleuniger für Investitionen, weil Unternehmen Anschaffungskosten im Vergleich zur gegenwärtigen Regelung sehr schnell abschreiben und somit Steuern sparen können. Ihr Nachteil ist, dass sie besonders am Anfang sehr teuer für den Fiskus werden kann.

Die Maßnahmen gelten als Antwort auf den von den USA ausgelösten Steuerwettbewerb. Die Steuertarife bei der Unternehmensbesteuerung will Scholz hingegen unangetastet lassen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
apucher 28.04.2018
1. Kalte Progression
Wie wäre es denn, wenn endlich das Thema 'kalte Progression' angegangen würde? Es kann doch nicht sein, dass die Grenzen für den Spitzensteuersatz heute schon bei einem Durchschnittsverdiener zuschlagen, oder?
womo88 28.04.2018
2. Entlastung für die Reichen!
Bravo SPD! Von einer Erhöhung des Grundfreibetrags profitieren die Gutverdiener am meisten und die Geringverdiener am wenigsten und ALG 1 und ALG 2 Bezieher gar nicht. Das Geld kommt also von der SPD gesteuert dort an, wo es hinsoll: bei den Gutverdienern und Reichen! Bravo SPD!
womo88 28.04.2018
3. Die halbe Wahrheit
"Eine Anhebung des Grundfreibetrags nützt allen Einkommensteuerzahlern - ob Gering- oder Besserverdiener. Denn alle müssen nur die Teile ihres Einkommens versteuern, die oberhalb dieser Grenze liegen." Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Wer gut verdient und in einer höheren Progressionsstufe ist, wird steuerlich mehr entlastet als ein Geringverdiener, der in einer niedrigeren Progressionsstufe ist.
klausbrause 28.04.2018
4.
Wobei man durchaus überlegen sollte, ob man den Grundfreibetrag nicht ab einem Einkommen von ca 200 000 Euro/Jahr abschmelzen sollte. Es ist nicht einsehbar, daß der Grundkaviarbedarf für die oberen 10 % auch noch steuerlich begünstigt werden muß.
Raphael II 28.04.2018
5. Nasenwasser . . .
270 € Erhöhung des Grundfreibetrages, pro Erwachsenem un Jahr ?!? Das bedeutet eine Steuerersparnis von 4,05 € bis 10,80 € monatlich in der Spitze. Wem ist denn damit geholfen? Gerade wenn er nur knapp über dem Grundfreibetrag verdient und die Steuerentlastung nicht einmal 5 € im Monat beträgt? Diese geringfügige Erhöhung des Grundfreibetrages, diese kümmerliche Steuererspanis soll doch nur verhindern, daß die Bundesregierung den zu geringen Grundfreibetrag um die Ohren gehauen bekommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.