Oxfam-Bericht Acht Superreiche besitzen angeblich so viel wie die halbe Menschheit

Die globale soziale Ungleichheit ist laut einer Oxfam-Studie offenkundiger als je zuvor: Demnach besitzen die acht reichsten Männer der Welt 426 Milliarden Dollar - und damit mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

Luxusjachten in Monaco
Getty Images/ Bloomberg

Luxusjachten in Monaco

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Pünktlich zum Weltwirtschaftsforum, zu dem sich von diesem Montag an die globale Elite aus Politik und Wirtschaft im schweizerischen Davos ein Stelldichein gibt, veröffentlicht die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam ihren jährlichen Ungleichheitsbericht. Die Zahlen für das Jahr 2016 sind drastischer als je zuvor: Die acht Reichsten der Welt kommen demnach auf Besitztümer im Gesamtwert von 426 Milliarden Dollar, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, 3,6 Milliarden Menschen, gemeinsam lediglich 409 Milliarden Dollar hat.

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Superreiche: Gleicher als die Anderen

Im Jahr 2015 errechnete Oxfam noch ein Verhältnis von 62 Milliardären, die so viel besitzen wie die ärmeren 50 Prozent. Allerdings hat sich nicht die Umverteilung von unten nach oben beschleunigt, sondern die Datengrundlage hat sich geändert. Die Organisation nutzt für die Berechnung der Vermögen der Weltbevölkerung neue Daten der Großbank Credit Suisse, denen zufolge der Anteil der unteren 50 Prozent am globalen Vermögen nur 0,2 Prozent beträgt - und nicht 0,7 Prozent wie 2015.

Die acht reichsten Männer der Welt

Name Unternehmen Vermögen in US-Dollar
1. Bill Gates Microsoft 75 Milliarden
2. Amancio Ortega Inditex 67 Milliarden
3. Warren Buffett Berkshire Hathaway 60,8 Milliarden
4. Carlos Slim Helu Grupo Carso 50 Milliarden
5. Jeff Bezos Amazon 45,2 Milliarden
6. Mark Zuckerberg Facebook 44,6 Milliarden
7. Larry Ellison Oracle 43,6 Milliarden
8. Michael Bloomberg Bloomberg LP 40 Milliarden

Quelle: Oxfam Deutschland

Es sind extreme Beispiele, acht Menschen gegen 3600 Millionen. In dem Bericht "An Economy for the 99 Percent" schreibt Oxfam aber auch, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung 50,8 Prozent des weltweiten Vermögens besitzt und damit mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen.

In Deutschland besitzt das reichste Prozent 3900 Milliarden Dollar

Tatsächlich zeigen viele Studien, dass die Vermögen in vielen Ländern immer ungleicher verteilt sind. Auch in Deutschland ist der Wohlstand bei wenigen Superreichen konzentriert: Hier besitzen 36 Milliardäre mit insgesamt 297 Milliarden Dollar so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Anders gerechnet besitzt das reichste Prozent mit 3900 Milliarden Dollar rund ein Drittel des gesamten Vermögens.

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Fotostrecke: Das sind die 20 reichsten Deutschen

Kritik an der Oxfam-Methodik

Oxfam wurde in den vergangenen Jahren für seine Berechnungsmethode kritisiert. Bei den Vermögen der Superreichen verlässt sich die Organisation auf die Milliardärsliste des US-Magazins "Forbes", das seine Schätzungen auf unterschiedlichen Wegen zusammenträgt. Die Summen sind nicht genau verifizierbar, aber die "Forbes"-Liste ist die zuverlässigste Sammlung über die Reichsten der Welt. Oxfam zählt dann die Vermögen von oben so lange zusammen, bis die Summe erreicht ist, die die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt.

Bei den Berechnungen für diese Hälfte richtet sich die Kritik dagegen, dass die Credit Suisse die Nettovermögen berechnet: Also alle Vermögenswerte abzüglich der Schulden. Auf diese Weise werden alle Vermögensstudien berechnet. Dabei würden aber, so das Gegenargument, auch Menschen erfasst, die aufgrund eines Studienkredits hoch verschuldet sind - aber bereits in einem extrem hoch bezahlten Job arbeiten. Das betrifft zum Beispiel US-Amerikaner, die sich für ihr Studium häufig sechsstellige Summen leihen - im Anschluss aber auf hochbezahlte Karrieren zusteuern. Im Vergleich mit einem indischen Bettler, der nichts besitzt aber eben auch keine Schulden hat, ist der US-Bürger in dieser Logik noch ärmer.

Oxfam hat auf die Kritik reagiert und darauf verwiesen, dass die Grundaussage gleich bleibt. Zum einen seien Menschen mit hohen Schulden und gleichzeitig hohem Einkommen sehr selten. Zum anderen änderten sich selbst wenn die Schulden der ärmsten zehn Prozent herausgerechnet werden an der extrem ungleichen Verteilung von Vermögen nur die Werte hinter dem Komma.

Die Entwicklungsorganisation fordert in ihrem Bericht ein radikal anderes Wirtschaftssystem, in dem nicht einzelne Menschen sondern die breite Mehrheit profitiert. Dazu schlägt Oxfam einen weltweiten Mindeststeuersatz für Konzerne vor, die Schließung von Steueroasen, Transparenz bei Gewinnen und Steuerzahlungen internationaler Konzerne sowie Steuern auf sehr hohe Einkommen und Vermögen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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snoook 16.01.2017
1. Ich sag's mal so:
Ich kenne zwar nicht alle Biographien dieser acht Leute, aber auf den ersten Blick würde ich sagen: Mindestens die Hälfte sind "selfmade-Milliardäre", die eine sehr gute Geschäftsidee hatten. In einigen Ländern dieser Erde (insbesondere USA) führt diese Erkenntnis dazu, dass selbst ärmere Leute sagen: Na also! Auch ich hab' eine Chance! Ich weiß, ich stehe mit dieser Meinung ziemlich alleine da. Also lasst das Milliardäre- und Kapitalismus-Bashing hier im Forum beginnen. Ich weiß schon genau, was da jetzt für Kommentare kommen. Ansonsten finde ich diese Statistik sehr reißerisch und sie bringt uns überhaupt nicht weiter.
hansgustor 16.01.2017
2. Schulden
Natürlich ist ein indischer Bettler "ärmer dran" als ein amerikanischer Student, das ist aber für diese Studie vollkommen irrelevant. Es geht um die Vermögensverteilung und da steht der Student eben schlechter da. Bei den Superreichen wird auch nicht der erwartete Gewinn reingerechnet. Das ist nur ein Ablenkungsmanöver um nicht über das eigentliche Problem reden zu müssen.
grand-poobah 16.01.2017
3. Kritik an Oxfam?
Wegen der Berechnungsmethode. Selbst bei 100% Rechenfehler bleibt nur schreiende Ungerechtigkeit übrig. Punktum!
Ben Major 16.01.2017
4. Falsche Frage
Die richtige Frage in diesem Zusammenhang wäre doch, warum sind die Armen arm, doch nicht weil einige Menschen reich sind, oder?
wiesenflitzer 16.01.2017
5. Ich frage mich ehrlich, was es da zu diskutieren gibt?
Der Kapitalismus gilt global, der Mensch an sich hängt im Egoismus fest, die Politik ist genau diesen Superreichen hörig. Daran ändern wird sich erst wieder etwas beim nächsten Weltkrieg. Aber nur, damit es danach wieder von vorne los geht. Die Menschheit ist letztlich einfach geistig nicht reif genug, um diesen (sorry) Scheiß zu überwinden. Wären alle Menschen "menschlich", was wäre dieser Planet für ein wunderschöner Ort...
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