Griechischer Ex-Premier: Papandreous Mutter soll Geld in der Schweiz gebunkert haben

Der Skandal um eine Liste mit mutmaßlichen griechischen Steuerhinterziehern spitzt sich zu: Hinter einem Konto könnte laut Berichten die Mutter von Ex-Premier Georgios Papandreou stehen, Ermittler sollen vom größten Posten der gesamten Liste gesprochen haben. Die 89-Jährige weist das empört zurück.

Ex-Premier Papandreou: Einflussreicher Familien-Clan Zur Großansicht
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Ex-Premier Papandreou: Einflussreicher Familien-Clan

Hamburg/Athen - Sie ist die Ex-Frau des früheren griechischen Premiers Andreas Papandreou, der gemeinsame Sohn Georgios war bis November 2011 ebenfalls Regierungschef. Nun gerät Margaret Papandreou in den Strudel der Affäre um eine Liste mit mutmaßlichen Steuerhinterziehern: Sie soll hinter einem Schweizer Bankkonto stecken, das sich auf der sogenannten Lagarde-Liste findet. Das berichten mehrere griechische Zeitungen sowie die "Financial Times" ("FT") unter Berufung auf eine Untersuchung griechischer Finanzermittler. Diese hatten ihre Ergebnisse kürzlich ans Parlament übergeben. "Hinter dem größten Konto auf der Liste befand sich Frau Margaret Papandreou", sagte Nikos Lekkas, Leiter einer Einheit der Steuerpolizei, laut "FT" gegenüber Parlamentariern.

Auf der Lagarde-Liste stehen die Namen von gut 2000 Griechen, die in den vergangenen zehn Jahren Geld in die Schweiz überwiesen haben sollen. Die heutige IWF-Chefin Christine Lagarde hatte die Liste 2010 als französische Finanzministerin ihrem griechischen Amtskollegen übergeben. Griechenland ignorierte die Daten jedoch lange, die Liste wurde fast zwei Jahre lang zwischen verschiedenen griechischen Behörden hin- und her geschoben. Ein Journalist, der die Liste schließlich veröffentlichte, landete vorübergehend im Gefängnis.

Laut der Zeitung "Proto Thema" traf sich der Chef der griechischen Steuerpolizei, Stelios Stasinopoulos, Anfang Oktober mit führenden Mitarbeitern und fragte, ob sie irgendetwas über die Lagarde-Liste wüssten. Dabei soll Lekkas geantwortet haben, er habe die Liste nicht gesehen, aber gehört, dass Margaret Papandreou hinter dem größten Konto stecke. Dieselbe Antwort gab dem Bericht zufolge Evangelos Karamanos, der eine Spezialeinheit der Behörde leitet.

Ex-Premier Papandreou (l.), Mutter Margaret (vorne mit Brille): Größe in der Pasok Zur Großansicht
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Ex-Premier Papandreou (l.), Mutter Margaret (vorne mit Brille): Größe in der Pasok

Nach Angaben der "Financial Times" soll sich auf dem Konto die enorme Summe von 550 Millionen Euro befinden. "Proto Thema" berichtete jedoch am Montag, es sei unklar, um welche Währung es bei dem genannten Betrag gehe. Sollten es Drachmen sein, so würde es sich lediglich um rund 1,5 Millionen Euro handeln.

"Warum solche Angriffe?"

Die Zeitung "To Vima" berichtete, das Konto werde von Maria Pandeli verwaltet, einer Angestellten des Geschäftsmanns Sabi Mioni, dem eine Vermögensverwaltung gehört. Mioni ließ in einer Mitteilung "kategorisch" erklären, dass er Margaret Papandreou und ihre Familie nicht kenne und keine Verbindung zu dem Konto habe. Der Begünstigte des Kontos sei eine in Irland aktive Fondsgesellschaft. Das Vermögen dieses Fonds werde in einem Konto der britischen Großbank HSBC verwaltet. "Niemand, weder ich noch Maria Pandeli, sind die Eigentümer dieses Kontos. Die Begünstigten sind die Fondsgesellschaft und ihre Anteilseigner." Simoni räumte ein, er sei bis Juni 2009 Chef der Fondsgesellschaft gewesen, für die auch Pandeli gearbeitet habe.

Margaret Papandreou wies die Berichte über das ihr zugeschriebene Konto empört zurück. "Warum solche Lügen? Warum solche Angriffe? Vielleicht weil meine Familie nie den Interessengruppen dieses Landes gedient hat", zitiert die "FT" aus einer Stellungnahme der 89-Jährigen. Die von Andreas Papandreou gegründete sozialistische Partei Pasok fordert laut "Proto Thema" personelle Konsequenzen bei der Finanzpolizei SDOE. Statt ihrer Aufgabe nachzukommen, sei diese ein "Zentrum zur Verbreitung unverantwortlichen Rufmordes geworden", zitiert die Zeitung Vertraute von Pasok-Chef Evangelos Venizelos.

Margaret Papandreou wurde als Margaret Chant in den USA geboren. Dort lernte sie Ende der vierziger Jahre den jungen Wirtschaftsprofessor Andreas Papandreou kennen, der damals noch in erster Ehe verheiratet war. Das Paar bekam später vier Kinder, die bekennende Feministin Margaret stieg neben ihrem Mann selbst zur einer Größe in der Pasok auf. Sie gründete unter anderem die "Vereinigung der Frauen Griechenlands", die bedeutende Erfolge in der Gleichstellung von Mann und Frau erkämpfte. Im Jahr 1989 ließ sich Andreas Papandreou scheiden, um die frühere Olympic-Airways-Stewardess Dimitra "Mimi" Liani-Kapopoulou zu heiraten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde die britische Großbank HSBC versehentlich als Schweizer Unternehmen bezeichnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

dab/gec

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insgesamt 110 Beiträge
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1. Wundert das noch irgendjemand?
gog-magog 03.12.2012
Zitat von sysopAFPDer Skandal um eine Liste mit mutmaßlichen griechischen Steuerhinterziehern spitzt sich zu: Hinter einem Konto könnte laut Berichten die Mutter von Ex-Premier Georgios Papandreou stehen, Ermittler sollen vom größten Posten der gesamten Liste gesprochen haben. Die 89-Jährige weist das empört zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/papandreous-mutter-soll-geld-in-der-schweiz-gebunkert-haben-a-870616.html
Ja, wo denn sonst?
2. Was soll das...
fatherted98 03.12.2012
...denn jetzt? Wer von den ganzen griechischen Polit-Bonzen hat den seine Knete noch nicht im Ausland?....au weia...SPON wach mal auf...
3. Überraschung ?
darthmax 03.12.2012
Nein. Wer sind die Gesellschafter des irischen Fonds ?
4. Naja... vielleicht
jetzt:hördochauf 03.12.2012
vielleicht weiss die Mutti wirklich nix vom Glück... ...aber wer führt heute wie wo ein Drachmenkonto (?)
5. Sensation
ichlachmichkaputt 03.12.2012
Ich bin mal wieder total überrascht, wie konnte, falls das stimmt, sowas ungeheuerliches geschehen? Ist da auch Geld von mir dabei?
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