Paradise Papers über Steuerschlupflöcher Welches sind die brisantesten Fälle?

Wie sparen Reiche und Großkonzerne Steuern? Dazu liefert ein weiteres Datenleck mit 13,4 Millionen Dokumenten nun Hinweise. Die wichtigsten Informationen zu den Paradise Papers im Überblick.

Skyline von Singapur
AFP

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Erneut sorgt ein gewaltiger Datensatz zu umstrittenen Steuerpraktiken für Schlagzeilen. Was steckt hinter den sogenannten Paradise Papers, wer ist von den Enthüllungen betroffen und welche Folgen könnten sie haben? Der Überblick.

Was sind die Paradise Papers?

Unter diesem Schlagwort veröffentlicht das Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) neue Recherchen zur Steuervermeidung. Sie beruhen den Angaben zufolge auf 13,4 Millionen Dokumenten aus Steuerparadiesen. An den Recherchen waren unter anderem die "New York Times", die BBC, der "Guardian" und "Le Monde" beteiligt. Von deutscher Seite gehören "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR zu dem Netzwerk.

Wie unterscheiden sie sich von den Panama Papers?

In entscheidenden Punkten ähnelt die jetzige Enthüllung den Recherchen zu den sogenannten Panama Papers, welche das ICIJ vor einem Jahr veröffentlicht hat. Die damaligen Enthüllungen beruhten auf Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, welche der "SZ" zugespielt wurden.

Nun erhielt die Zeitung einen weiteren Datensatz, er stammt von der auf den Bermudas ansässigen Anwaltskanzlei Appleby. Hinzu kommen diesmal Daten des Treuhand-Unternehmens Asiaciti Trust mit Sitz in Singapur sowie Unternehmensregister aus 19 Steueroasen wie der Isle of Man, Malta und den Bermudas. Wie die ICIJ-Journalisten an die Daten gelangten, wurde wie schon bei den Panama Papers nicht preisgegeben.

Welche Prominente sind betroffen?

In den Papieren tauchen der "SZ" zufolge die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auf, hinzu kommen unter anderem Unternehmer und Sportler.

Zu den brisantesten Fällen zählt US-Handelsminister Wilbur Ross. Er profitiert den Berichten zufolge als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehört. In den Daten sollen auch insgesamt ein Dutzend Berater und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen.

Vermögenswerte der britischen Queen Elizabeth II. wurden den Berichten zufolge in einer Kaufhauskette angelegt, die bei Ratenzahlungen Wucherzinsen verlangt habe. Zudem taucht eine Verbindung zum argentinischen Finanzminister Luis Caputo auf.

Ein Vertrauter des kanadischen Premiers Justin Trudeau soll in fragwürdige Geschäfte mit Briefkastenfirmen verstrickt sein. Dadurch könnten dem Staat Millionen Dollar an Steuern entgangen sein. Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos soll unter anderem Chef einer auf Barbados registrierten Holding gewesen sein, bevor er im Jahr 2000 Finanzminister Kolumbiens wurde.

Welche Unternehmen sind betroffen?

Wie schon frühere Datenlecks zeigen auch die Paradise Papers die Steuersparmodelle multinationaler Konzerne auf. Dazu gehören laut "SZ" der US-Sportartikelkonzern Nike Chart zeigen, der seine Steuerquote mithilfe Appleby auf nur 13,2 Prozent gedrückt habe. Weitere Kunden der Kanzlei seien unter anderem Facebook Chart zeigen, der Fahrdienstvermittler Uber und der Haushaltsgerätehersteller Whirlpool gewesen.

Der Technologiekonzern Apple Chart zeigen suchte den Berichten zufolge nach einem Standort mit möglichst niedrigen Steuersätzen, an denen auch ein möglicher Regierungswechsel nichts ändern würde. Daten zum Schweizer Rohstoffkonzern Glencore sollen den Verdacht nahelegen, dass bei einem Rohstoffdeal im Kongo Schmiergelder in dreistelliger Millionenhöhe flossen.

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Tauchen deutsche Namen auf?

In Deutschland führen die ausgewerteten Daten laut "SZ" zu rund tausend Kunden, Begünstigten oder anderweitig Involvierten.

So nährten die Informationen den Verdacht, dass die Erben des Pharmaunternehmers Curt Engelhorn mehr Steuern hinterzogen haben, als bereits in einem umfangreichen Strafverfahren festgestellt wurde. Appleby-Dokumente zeigten auch, dass der Glücksspielunternehmer Paul Gauselmann mithilfe von Offshore-Konstruktionen an rechtlich umstrittenen Onlinespielen verdiene.

Auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) benötigte den Berichten zufolge den Rat von Appleby - in seiner Funktion als Aufsichtsrat des russisch-britischen Energieunternehmens TNK-BP. Aufgrund eines Konflikts mit einem anderen Mandanten habe die Kanzlei die Beratung jedoch nicht erteilt, wenig später sei Schröder von dem Posten zurückgetreten.

Sind die Vorwürfe strafbar?

Die "SZ" räumt ein, dass ein Auftauchen in den Dokumenten nicht "automatisch rechtliches oder moralisches Fehlverhalten" bedeute. Viele Steuertricks über Offshore-Firmen sind legal oder bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone.

Dennoch hatten schon die Panama Papers zahlreiche Konsequenzen gehabt. In Island führte die Veröffentlichung zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson und zum Verzicht des Staatschefs Ólafur Ragnar Grímsson auf eine Wiederwahl. In Pakistan wurde Ministerpräsident Nawaz Sharif des Amtes enthoben.

Die neuen Enthüllungen dürften zudem die Debatte darüber befeuern, ob die Politik ausreichend gegen bereits bekannte Steuertricks vorgegangen ist. Deutschland und zahlreiche andere Länder bemühen sich mittlerweile, durch den automatisierten Austausch von Steuerdaten und einheitlichere Regeln gegen Steuervermeidung vorzugehen. Kritiker haben aber immer wieder weitreichendere Schritte gefordert.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 113 Beiträge
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klausbrause 06.11.2017
1.
"In entscheidenden Punkten ähnelt die jetzige Enthüllung den Recherchen zu den sogenannten Panama Papers, welche das ICIJ vor einem Jahr veröffentlicht hat." Und wenn wir jetzt noch erfahren würden, welche konkreten Folgen die damaligen "Enthüllungen" hatten, einmal vom Rücktritt dieses isländischen Provinzpolitikers abgesehen, können wir uns alle zurücklehnen und dem zufriedenen Gelächter der oberen 0,1 % lauschen.
kuac 06.11.2017
2. Interessenkonflikte des Establishments
Angeblich kämpft Trump gegen das Establishment. Das größte Establishment der Welt ist das der steuerhinterziehenden Unternehmen und Milliardäre. Mit diesen fehlenden Gelder könnte die ganze Welt saniert werden. Niemand unternimmt etwas dagegen. Warum eigentlich? Die Fakten liegen doch auf dem Tisch. Ich vermute hier Bock und Gärtner Problem, bzw. Interessenkonflikte.
gerd.lt 06.11.2017
3. nichts Neues
Im Westen, oder besser weltweit nichts Neues, und keine Regierung in Sicht, die ernsthaft daran etwas ändern will und wird. Schäuble im Interview zieht sich hinter weltweite Verpflechtungen zurück - es ist halt so in dieser digitalisierten Welt, und bei den Jamaikanern sind mindestens 3 Parteien die in ihrer Geschichte nicht als Verfechter der Steuergerechtigkeit aufgefallen sind - so bleibt alles so wie es ist.
flying_dutchman 06.11.2017
4. Globalisierung
Klar, dass diese Begünstigten alle Fans der Globalisierung sind. Sie profitieren stark davon. Die Gesetze zur Globalisierung machen diese Scheingeschäfte ja viel einfacher.
scharfekante 06.11.2017
5. Wenn schon, dann VOLLSTÄNDIG
Die Steuertricks kennen wir schon lange; sie sind von den nationalen Gesetzgebern so gewollt, sonst wären sie mit einem Federstrich unterbunden worden. Gut wäre es allerdings, die Namen der Beteiligten komplett zu veröffentlichen: Da das "Anwaltsgeheimnis" nun eh gelüftet wurde, wäre dies nicht nur ein mutiger Schritt, sondern würde die Betroffenen auch vor Erpressungen schützen.
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