Verkehrsrezepte weltweit Zu viele Staus? Diese Städte tun was

Pendeln ist ein Gesundheitsrisiko. Die tägliche Fahrt zur Arbeit wird ab einer bestimmten Dauer zur Belastung für Körper und Psyche. Weltweit suchen Städte nach Wegen aus dem Stau - oft mit Erfolg.

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Wie verzwickt die Suche nach Lösungen für das Verkehrschaos in Ballungsräumen weltweit ist, zeigt sich an einem Ort, der sich dafür rühmt, technische Lösungen für die Probleme der Welt zu finden: im Silicon Valley. Der Verkehr im Großraum San Francisco steht kurz vor dem Kollaps, und trotzdem bestehen ausgerechnet jene Tech-Firmen, die die mobile Arbeitswelt propagieren, darauf, dass ihre Mitarbeiter im Großraumbüro sitzen - und nicht zu Hause.

Apples neues Hauptquartier in Cupertino mag aussehen wie ein Ufo, besitzt aber ganz irdische 11.000 Parkplätze. Die Infrastruktur für die Autos nimmt am Apple Parkway mehr Platz ein als die Büros - ein Beispiel für eine Verkehrspolitik aus jener Zeit, in der freie Flächen schier unbegrenzt zur Verfügung standen und die Straßen noch leerer waren.

Doch auch dort, wo noch ausreichend Platz zum Bauen ist, werden mehr Straßen die Staus nicht dauerhaft verhindern. Die meisten aktuellen Verkehrsstudien zeigen: Egal, wie viele neue Straßen und Parkplätze gebaut werden, immer sind sie zu voll. Wer Straßen sät, so das Fazit, wird Verkehr ernten. Die Studien zeigen auch, dass Radverkehr, Bus- und Bahnfahrer bekommt, wer Fahrradwege schafft und den Nahverkehr ausbaut - das Ziel muss deshalb die Abkehr vom motorisierten Individualverkehr sein.

Eine Erkenntnis, die vor allem in den weltweit größten Städten in Asien, Afrika oder dem Nahen Osten schwer umzusetzen ist. Dhaka, Delhi, Lagos oder Kairo sind von ihrem eigenen Wachstum gleichsam überrollt worden und steuern auf den Stillstand zu. Allein im Stau rund um die Megacity Kairo werden nach Schätzungen der Weltbank vier Prozent des ägyptischen Bruttoinlandsprodukts vertrödelt, und nirgendwo gibt es mehr Verkehrstote.

Lösungen für die Probleme dieser Städte sind rar - aber weltweit gibt es Beispiele, die Mut machen:

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insgesamt 86 Beiträge
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rambazamba1968 11.03.2018
1. Danke
für den Artikel. In Deutschland machen wir immer so, als ob wir etwas neues erfinden müssten. In anderen Städten kann man die Lösungen und Folgen ganz einfach ablesen. Guter, günstiger ÖPNV, teure Parkgebühren, City-Maut und der Ausbau von guten Fahrradwegen kann echt nicht so schwer sein. Köln hat täglich 300.000 Pendler und die sitzen alle alleine im Auto. Hier muss man ansetzen. Park and Ride muss viel stärker gepusht werden.
hamburger.jung 11.03.2018
2.
Alles prima! Nur in Deutschland sitzen mit Dobrindt und Scheuer trojanische Pferde der Autoindustrie an verantwortlichen Stellen. Deutschland ist bei modernen Verkehrskonzepten auf dem Stand von vorgestern.
RedEric 11.03.2018
3. Konkrete Lösungen
Ich stimme den Autor ja zu, dass viele Städte in D. zuviel Autoverkehr haben. Aber wie sehen denn die konkreten Lösungen aus? So Plattitüden ala "wer Straßen sät..." vergessen, dass der Verkehr aus dem Umland kommt und sich nicht rein innerhalb der Stadt bewegt. ÖPNV in der Fläche des Umlands kann eine Stadt nicht aufbringen, dazu bedarf es übergreifende Maßnahmen von Land und Bund. Und genau dazu liefert der Artikel Null Lösungsansätze.
kumi-ori 11.03.2018
4.
Die einzig logische Lösung für Deutschland ist der kostenlose ÖPNV 24/7 für alle. Alle von den Krämerseelen diskutierten Einschränkungen (nur Rentner, nur von 15-17 Uhr, nur ein Rabatt von 10%, nur wenn man vorher in den neuenten Stock läuft und sich um eine Genehmigung anstellt) sind Blödsinn, weil es sich um eine Steuerungsmaßnahme und nicht um eine Sozialmaßnahme handeln soll. Kramen nach Kleingeld, Pappstreifen, Handies und stundenlanges Studieren der Tarifpläne oder Anstehen an den Automaten ist dann passe, einfach einsteigen und los geht die Fahrt. Natürlich wird es in einem Niedrigtechnologieland wie Deutschland, dessen Ingenieure nicht mal einen Flughafen bauen können, viele Jahrzehnte dauern, bis die nötigen Kapazitäten eingerichtet sind, aber dann herrschen paradiesisch stressfreie Zustände.
karlo1952 11.03.2018
5. Ohne Autolobbyist zu sein
muss bei uns in D. berücksichtigt werden, dass unsere Arbeitsplätze zu stark von der Autoproduktion abhängen. Da hat man viel zu spät drauf reagiert, bzw. bis heute noch nicht wirklich. Drum haben wir auch die endlosen Diskussionen über Fahrverbote etc., alles unter dem Deckmantel, dass die Autoproduktion nicht darunter leidet.
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