Alternde Bevölkerung Forscher warnen vor Riesenlücke bei stationärer Pflege

In Deutschland leben immer mehr alte Menschen - doch ihre Versorgung ist gefährdet. Laut einer Studie werden bis 2030 gut 320.000 neue Heimplätze gebraucht. Die Kosten: bis zu 80 Milliarden Euro.


Deutschland altert, und das hat seinen Preis: In den kommenden 15 Jahren müssten bis zu 80 Milliarden Euro in den Ausbau der stationären Pflege gesteckt werden, damit ausreichend Heimplätze für die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen entstehen. Das geht laut "Handelsblatt" aus dem neuesten Pflegeheim Rating Report hervor, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), die Philips GmbH und das Institute for Healthcare Business (hcb) erstellt haben.

Den Hochrechnungen der Experten zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit 2,6 Millionen bis 2030 auf 3,5 Millionen Menschen steigen. Um diese angemessen versorgen zu können, werden bis zu 321.000 neue Pflegeplätze gebraucht. Gleichzeitig wird mehr Personal benötigt: Allein in der stationären Pflege müssten bis zu 245.000 Stellen hinzukommen, heißt es in der Studie.

"Unser Gesundheitssystem kann das starke Wachstum durch ein reines Weiter-So nicht bewältigen", sagt Sebastian Krolop, Mitautor der Studie. Er fordert rasche Reformen, die die Bedürfnisse der zu Pflegenden berücksichtigen und die Angehörigen nicht übermäßig belasten.

Immerhin: Wirtschaftlich betrachtet, stehen die Pflegeheime derzeit gut da. 72 Prozent haben eine sehr gute Bonität und nur sieben Prozent eine erhöhte Insolvenzgefahr, heißt es laut "Handelsblatt" in der Studie. Für die Analyse wurden die Wirtschaftsdaten von 2252 Pflegeheimen ausgewertet.

ssu

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insgesamt 20 Beiträge
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Gela2006 15.12.2015
1. Da mache ich mir keine Sorgen...
...Wenn zig Milliarden für Flüchtlinge und Einwanderer zur Verfügung stehen, dann sicher auch für die eigene Bevölkerung, die alles erwirtschaftet hat. Da mache ich mir keine Sorgen...
Spiegelleserin57 15.12.2015
2. Die Warnungen kommt zu spät!
Wer die Situation indem Heimen gesehen weiss dass die Versorgung jetzt schon mangelhaft ist. Dazu bedarf es keiner Studien mehr! Es ist schon blanker Hohn noch davor zu warnen. Ich kenne Kliniken die Patienten aus Altenheimen prinzipiell als infektiös einstufen da die Zustände als bedenklich angesehen werden. Es ist sehr traurig dass bis heute fast kaum Kontrollen der Gesundheitsämter stattfinden. Zertifikate nutzen wenig da sie von Unternehmen ausgestellt werden die auf Rechnung der Häuser arbeiten. Es gitbt zwar Gesetze aber durch den Personalmangel werden diese kaum einzuhalten sein. Interessant ist dass viele Heime nur mit Teilzeitkraeften arbeiten und ausgebildete Vollzeitkraefte ablehnen. Darüber sollte mal unbedingt diskutiert werden und auch entschieden werden dass dies unterbleibt.
zappa_jo 15.12.2015
3. 5 vor 12
Und wieder einmal ist es in der Pflege 5 vor 12. Wenn man auf die letzten 20 Jahre der Gesundheitspolitik und im Besonderen auf die Pflegepolitik zurück blickt, dann muss man für die jetzige Debatte um die Notwendigkeit von mehr, gut qualifiziertem und vor allem besser bezahltem Personal ein Scheitern vorhersagen. Die Politik ist am Zug, um in der Pflege ein Umdenken anzustoßen: deutliche Anhebung der Bezahlung, des Personalschlüssels ind Kranenhausern und Pflegeheimen und ein weiterer Ausbau der qualifizierten Pflegeausbildung. Die jetzt schon vorhandenen Lücken in der Versorgung werden sicher nicht mit Hilfskräften kompensiert. Auch formal gut qualifiziertes Personal, das der deutschen Sprache nicht mächtig ist, wird hier keine Entlastung schaffen.
Schwabbelbacke 15.12.2015
4. Nicht nur das,...
...es werden vor allem Bezahlbare Zitat: bis 2030 gut 320.000 Heimplätze fehlen. Wer trägt die kosten dafür, das die derzeitigen Niedriglöhner ( ca.18 Millionen) als am stärksten von Altersarmut zukünftig betroffene Heimplatzbewohner,bzw. denjenigen dessen Lebenslauf Arbeitslosenzeiten aufweisen (derzeit ca.10 Millionen "Beschäftigungslose")?? Man kann bei solch einem Disasster nur hoffen, das die Technik der Zukunft (Pflege Robotter, selbstfahrende Autos etc.) sehr billig sein wird! Dazu kommt die schlechte Bezahlung der Pflegekräfte.... Alt werden ist das wirkliche Risko in Deutschland, wo du ab 50 Jahren zu alt für den Arbeitsmarkt bist aber bis 70 Arbeiten sollst...und als dank bekommst du dann keinen Heimplatz...tolles Deutschland!
kenterziege 15.12.2015
5. Der Pflegenotstand ist jetzt schon zum Greifen nah!
Ich bin eingesetzter Betreuer für eine ältere Dame, die nicht nur den Vorteil hat, dass sie ein wenig vermögend ist - sondern darüber hinaus pensionierte Beamtin des Landes NRW ist. Zugegeben, ist findet sich in Pflegestufe 3 in einem sozusagen "besseren" Heim mit einem Einzelzimmer. Ich bekomme für sie jeden Monat eine Rechnung über 4200 € ! Mit dem Einkommen und der Beihilfe kann man zurechtkommen. Aber alles andere, ist unter aller Sau. In 15 Jahren werden die Leute für viel, viel Geld dahinvegetieren und auf den Tod, der hoffentlich bald kommt, warten!
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