Beschluss beim Koalitionsgipfel So funktioniert die Riester-Pflege

Millionen Deutsche nutzen die Riester-Rente, jetzt überträgt die Regierung das Modell auf die Pflegeversicherung: Wer im Alter eine bessere Betreuung genießen will, soll dafür bald privat vorsorgen. Wie funktioniert das?

Frau in Altersheim: Eckpunkte des Pflege-Riester stehen
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Frau in Altersheim: Eckpunkte des Pflege-Riester stehen


Hamburg - Die Deutschen werden immer älter, an sich ist das eine gute Nachricht, deutet es doch darauf hin, dass viele Bürger eine gute medizinische Versorgung und eine hohe Lebensqualität genießen. Das System der deutschen Sozialversicherung aber stößt dadurch an seine Grenzen. Wenn es immer mehr ältere Menschen gibt, dann steigt auch die Zahl derjenigen, die im Alter Hilfe benötigen oder gar zum Pflegefall werden.

Diese steigenden Kosten dürften von der gesetzlichen Pflegeversicherung künftig immer schwerer zu decken sein. Die Regierung hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie erhöht die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung immer weiter - oder sie nimmt die Bürger stärker in die Pflicht. Nach dem Motto: Wer im Alter eine Betreuung genießen will, die über Standardleistungen hinausgeht, der kann sich dafür privat absichern. Vorbild dafür ist die private Altersvorsorge: die Riester-Rente.

Auf genau dieses Modell haben sich die Regierungsparteien CDU, CSU und FDP nun geeinigt - auf Drängen der Liberalen. Das Konzept soll am Mittwoch vom Bundeskabinett gebilligt werden. Dann sollen Schritt für Schritt auch weitere Details zum Pflege-Riester bekanntgegeben werden. Ab Anfang 2013 sollen private Versicherer erste Angebote vorlegen.

Bislang sieht das Konzept nach Angaben des Gesundheitsministeriums wie folgt aus:

  • Bürger, die eine private Pflege-Zusatzversicherung abschließen, sollen vom Staat einen Zuschuss von fünf Euro pro Monat erhalten - unabhängig vom Einkommen.
  • Der Bürger soll selbst mindestens so viel einzahlen, wie er vom Staat bekommt. Sprich: monatlich fünf Euro oder mehr.
  • Anders als bei der Riester-Rente gibt es keine steuerlichen Vorteile für die Privatvorsorge.
  • Der Abschluss einer Pflege-Zusatzversicherung ist freiwillig.
  • Versicherungsunternehmen, die ein Pflege-Riester anbieten wollen, müssen gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Diese sollen schon am Mittwoch im Kabinett diskutiert werden.
  • Die Regierung strebt an, dass der Abschluss einer Zusatzversicherung diskriminierungsfrei ist. Sprich: Unternehmen sollen Antragsteller nicht ablehnen dürfen und auch nicht prüfen, wie groß das Risiko ist, dass ein Antragsteller später ein Pflegefall wird.
  • Keine Zulage erhalten sollen Menschen unter 18 Jahren und Personen, die vor Abschluss eines Pflege-Riesters bereits bestimmte Pflegeleistungen empfangen haben.

Was mit jenen Kunden passiert, die bereits jetzt eine private Pflege-Zusatzversicherung ohne staatliche Förderung abgeschlossen haben, ist noch nicht geklärt. Schätzungen zufolge haben rund 1,9 Millionen Deutsche so einen Vertrag abgeschlossen.

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oberallgaeuer 04.06.2012
1. Riester-Pflege
Wer kann sich das leisten? Die ALDI-Kassiererin, der Mini-Jobber, der Paketauslieferer? Nein? Dumm gelaufen. Nun, diese Leute gehören auch nicht daszum Kientel der FDP. Hoffentlich wird diese unsägliche Partei bei der nächsten Bundestagswahl unter 5 % bleiben. Ich fürchte aber, dass SPON und & Co. sie schon wieder hochschreiben werden.
kuddel37 04.06.2012
2. .
Zitat von sysopDPAMillionen Deutsche nutzen die Rister-Rente, jetzt überträgt die Regierung das Modell auf die Pflegeversicherung: Wer im Alter eine bessere Betreuung genießen will, soll dafür bald privat vorsorgen. Wie funktioniert das? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836928,00.html
Millionen Deutsche lassen sich mit der Riester Rente verarschen, nun soll der Versicherungswirtschaft, durch die Ausweitung auf die Pflegeversicherung, ein weiteres Geschäft ermöglicht werden.
liebergast 04.06.2012
3. Wozu noch Zwangsversicherungen
Wenn wir eh alles zahlen müssen, können die teuren Zwangsversicherungen weg. Bringen eh nur drittklassige Leistung und Zwangsversicherte werden so behandelt.
ronald1952 04.06.2012
4. Ja, da hat man nun
Zitat von sysopDPAMillionen Deutsche nutzen die Rister-Rente, jetzt überträgt die Regierung das Modell auf die Pflegeversicherung: Wer im Alter eine bessere Betreuung genießen will, soll dafür bald privat vorsorgen. Wie funktioniert das? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836928,00.html
ein Leben lang gearbeitet und jede Menge Geld vom Staat abkasiert bekommen und was hat man davon?Nichts, auf jeden Fall nicht das was einem nach einem so langen Arbeitsleben zustehen würde.Würde man das Geld das der Staat für die Rente und Pflegeversicherung einbehält, zwangsweise Anlegen.Was hätte man da für Aussichten im Alter.Andere Länder machen es doch vor.Allerdings müssen dort Alle Bürger in der großen Topf einbezahlen,ohne wenn und aber.Aber das hat unsere Regierung ja nicht nötig.Hier bezahlt die Arbeiterschaft und wer etwas mehr Verdiehnt muss nicht in den Topf bezahlen.Armes Deutschland. schönen Tag noch.
solomong. 04.06.2012
5. Hört sich gut an
Zitat von sysopDPAMillionen Deutsche nutzen die Rister-Rente, jetzt überträgt die Regierung das Modell auf die Pflegeversicherung: Wer im Alter eine bessere Betreuung genießen will, soll dafür bald privat vorsorgen. Wie funktioniert das? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836928,00.html
liebe Twens, ihr zahlt jetzt 50 Jahre lang 5 Euro ein, bekommt einen Fünfer dazu und werdet dann in den leeren Altenheimen mit dem Rollstuhl zum Hallenhalma geschoben. Ist doch ein Spass?
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