Pflegekräftemangel Lauterbach verlangt 30 Prozent Lohnplus

Viele Pflegekräfte arbeiten am Limit - auch weil Kliniken schwer Mitarbeiter finden. SPD-Politiker Karl Lauterbach will den Job mit mehr Lohn attraktiv machen, zulasten der Pflegeversicherung.

Pflegekräfte streiken in Berlin für mehr Geld
DPA

Pflegekräfte streiken in Berlin für mehr Geld


In deutschen Krankenhäusern herrscht hoher Arbeitsdruck, der sich durch die zu geringe Zahl an Pflegekräften weiter verschärft. Diskutiert werden Pläne, Klinken eine Mindestanzahl an Pflegekräften vorzuschreiben, doch Krankenhausmanager klagen, sie würden keine finden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach macht nun einen neuen Vorstoß, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Er fordert ein Lohnplus von knapp einem Drittel der bisherigen Vergütungen.

"Nur wenn die Löhne von Pflegekräften um 30 Prozent erhöht werden, besteht auch die Aussicht, genügend Bewerber für diesen Beruf zu begeistern", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion der "Passauer Neuen Presse". Er gehe davon aus, dass zur Finanzierung einer solchen Steigerung eine Anhebung des Beitrags zur gesetzlichen Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte nötig wäre.

Auf diesem Weg bringt Lauterbach erneut die Forderung der SPD nach einer einheitlichen Versicherung für alle vor. Der Kosteneffekt ließe sich aus seiner Sicht mit einer Pflege-Bürgerversicherung abmildern, in die auch Abgeordnete, Selbstständige, Beamte und Gutverdiener einbezogen würden, sagte er.

Die Gewerkschaft Ver.di dringt seit Längerem darauf, feste Personalschlüssel für die Zahl der Pflegekräfte in den Krankenhausabteilungen festzulegen. Kliniken wehren sich dagegen, weil dies die Kosten hochtreibt. Die Situation in vielen Krankenhäusern ist gerade in der Pflege jedoch prekär, viele Mitarbeiter dort sind überarbeitet angesichts der oft zu geringen Personalausstattung.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte angekündigt, im Fall eines Wahlsieges seiner Partei in den ersten 100 Regierungstagen einen Kurswechsel in der Pflegepolitik einzuleiten.

kig/dpa



insgesamt 210 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Raget 20.09.2017
1. Super
Fachkräfte in Kliniken werden also aus Steuermitteln bezahlt... Was ist mit Elektrikern, Malern, Straßenbahnfahrern oder Mechatronikern? Ausserdem möchte ich keinen Krankenpfleger der den Beruf des Geldes wegens macht und nicht aus Überzeugung. Bezahlung aus Steuermitteln - sounds good, doesn't work.
GSYBE 20.09.2017
2. Vorschlag
Vernünftiger und längst überfälliger Vorschlag, vor allen Dingen weil zu gesellschaftlichen Aufgaben wie die Pflege, Krankenkoste und Rente alle Bürger herangezogen werden.
victoria101 20.09.2017
3. Ob man da nicht den Teufel...
... mit dem Beelzebub austreibt? Das Problem in der Pflege sind die Löhne doch nur zum Teil. Durch Schicht-und Nachtzuschläge ist der Bruttolohn zwar nicht toll, aber deutlich besser als zum Beispiel bei Verkäufern. Das Problem liegt in der Personaldecke. Drei Wochenenden hintereinander arbeiten und am vierten einspringen müssen. Wenn man da ist, viel zu viele Patienten versorgen müssen. Denkt Hr. Lauterbach wirklich, dass die unterfinanzierten Kliniken mehr Personal einstellen, wenn es teurer wird?! Mehr Lohn ist absolut okay, aber nur, wenn diese Mehrkosten den Kliniken auch ersetzt werden.
UnitedEurope 20.09.2017
4.
Ob es jetzt 30% sein müssen oder nicht maße ich mir nicht an zu beurteilen, aber die Tendenz ist richtig: oben Pfleger und Schwestern bringen all die Oberärzte und Chirurgen überhaupt nichts. Der Erfolg der ärztlichen Maßnahmen hängt massiv und maßgeblich von der nicht-ärztlichen Betreuung ab. In vielen Ländern, egal ob Spanien oder Australien, haben Schwestern eine umfassendere Ausbildung, mehr Kompetenzen und entsprechend auch besser Vergütung. Gleichzeitig können sie die Ärzte entlasten, weil sie nicht jede mini-Maßnahme mit einem Arzt absprechen müssen. Wieso es keine Versicherung gibt in die ausnahmslos alle einzahlen erschließt sich mir sowieso nicht..
GSYBE 20.09.2017
5. verstehen
Zitat von RagetFachkräfte in Kliniken werden also aus Steuermitteln bezahlt... Was ist mit Elektrikern, Malern, Straßenbahnfahrern oder Mechatronikern? Ausserdem möchte ich keinen Krankenpfleger der den Beruf des Geldes wegens macht und nicht aus Überzeugung. Bezahlung aus Steuermitteln - sounds good, doesn't work.
Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen oder gar verstanden? Das Pflegepersonal wird aus der Pflegeversicherung bezahlt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.