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Griechenlands Milliardendeal: Letzte Hoffnung Moskau

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Tsipras und Putin Anfang April: Milliarden aus Moskau? Zur Großansicht
AFP

Tsipras und Putin Anfang April: Milliarden aus Moskau?

Die griechische Regierung ist sich sicher: Ein Pipeline-Deal mit Russland steht kurz bevor - und damit eine Finanzspritze in Milliardenhöhe. Reservierte Töne aus dem Kreml können die Erwartungen nicht dämpfen.

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Die griechische Regierung rechnet weiter damit, dass sie in Kürze mehrere Milliarden Euro aus Moskau erhalten wird. "Es hat sich nichts geändert", sagt ein hochrangiger Vertreter der griechischen Regierungspartei Syriza SPIEGEL ONLINE. Griechenland und Russland würden kommende Woche die Verträge zum Pipeline-Projekt "Turkish Stream" unterzeichnen. Die Pipeline soll ab 2019 russisches Erdgas über Griechenland nach Europa bringen. In Erwartung künftiger Gewinne werde Moskau eine Vorauszahlung von drei bis fünf Milliarden Euro an Athen leisten.

SPIEGEL ONLINE hatte am Freitag zuerst über den bevorstehenden Deal berichtet. Auch das griechische Finanzmagazin "Agora" hatte davon am Samstag berichtet.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte dann gegenüber dem Radiosender Business FM allerdings gesagt, Griechenland könne nicht mit Finanzhilfen aus Russland rechnen. Weder habe Moskau konkrete Finanzhilfe angeboten, noch habe Athen diese beantragt.

Dies wurde von einigen Beobachtern in Griechenland und dem Rest der EU als Dementi des Pipeline-Deals verstanden. Die Hoffnung auf die russischen Milliarden sei die alte Mär von "unserem Retter Moskau", schrieb ein Kolumnist auf dem Online-Portal protagon.gr. Sie sei aber "komplett gegenstandslos".

Andere Kommentatoren warnten, Russland spiele mit Griechenland und benutze Athen als Verbündeten in der EU, um zu einem entscheidenden Zeitpunkt seine Interessen im Ukraine-Konflikt und die Forderung nach Aufhebung der EU-Sanktionen geltend zu machen.

Bei Syriza wurden die Kreml-Äußerungen hingegen anders gedeutet. "In dem Statement wird nur zurückgewiesen, dass Griechenland Moskau um Finanzhilfe gebeten habe", sagte der Syriza-Mann am Sonntag zu SPIEGEL ONLINE. Dies sei richtig. Genau das hätten Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras und Russlands Präsident Wladimir Putin bei ihrem Treffen vergangene Woche gesagt. Eine Vorauszahlung für ein gemeinsames Energieprojekt sei aber keine Finanzhilfe.

Die Erwartungen in Athen sind jedenfalls hoch. Die Pipeline könne die "Truhe zum russischen Geld aufschließen", kommentierte die Wochenzeitung "To Vima". Und die Zeitung "Proto Thema" titelte: "Der heimliche Plan B bis Juni - Tsipras und die fünf Milliarden Euro aus Russland".

"Proto Thema" zufolge könnte die Vorauszahlung schon im Mai in Griechenland sein, wenn das Abkommen in den nächsten Wochen unterzeichnet werde. Die Geldspritze wäre dann eine "scharfe Waffe" im Kampf gegen die Staatspleite. Die Zeitung zitiert Regierungsvertreter, die behaupten, dass es keine Einwände der EU-Kommission gegen den Pipeline-Bau geben werde. Diese Sorge hatte Moskau gegenüber Athen genannt.

Die griechische Regierung prüft derzeit auch die Möglichkeit, in den nächsten Monaten ausstehende Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds IWF zu begleichen, aber nicht an die Europäische Zentralbank EZB. Und der griechische Vize-Regierungschef Giannis Dragasakis ließ in einem Interview mit "To Vima" ausdrücklich die Möglichkeit von Neuwahlen oder eines Referendums offen, für den Fall, dass die Gespräche mit den Geldgebern scheitern.


Zusammengefasst: Athen ist davon überzeugt, dass das Pipeline-Projekt "Turkish Stream" kommende Woche beschlossen wird und eine Vorauszahlung von bis zu fünf Milliarden Euro aus Moskau nach Athen fließt. Es ist unklar, ob Russland das genauso sieht.

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Unsinn: Das Fass ohne Boden kann niemand füllen,
David67 19.04.2015
auch Moskau nicht. In ein paar Monaten ist das Geld alle und Gr steht wieder so da wie jetzt. Das Kernproblem ist, dass Gr weit über seine Verhältnisse von fremden Geld lebt und nichts ändern will.
2.
ClausWunderlich 19.04.2015
Und was bringt das? Das Griechenland wieder 6 Monate Luft hat und dann geht das ganze von vorne los.
3. Griechische ...
ichbinmalweg 19.04.2015
... Traumtänzereien! Bis jetzt: Außer Spesen nix gewesen. wer es glaubt, wird selig.
4. Herr Christides ist in diesen Tagen fleißig
Eppelein von Gailingen 19.04.2015
Warum nicht "letzte Ausfahrt Moskau"? Kommt doch der Realität näher. Welche Hoffnung soll es für Griechenland in Moskau geben??
5. Nach deutschem Vorbild.
t dog 19.04.2015
Sehr gut. Enge Zusammenarbeit mit Russland bringt Geld und sichert den Frieden.
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