Reaktion auf Studie Private Krankenversicherung will mehr Spielraum für Beitragserhöhungen

Sprunghafte Beitragssteigerungen haben der Privaten Krankenversicherung das Image eingebracht, unkalkulierbar und teuer zu sein. Die Versicherer verweisen auf Langzeitstudien - und fordern mehr Spielraum für regelmäßige Erhöhungen.

Operationssaal
DPA

Operationssaal


Die privaten Krankenversicherer fordern neue gesetzliche Regeln für Beitragserhöhungen, um die gefürchteten sprunghaften Anstiege künftig zu vermeiden. Starke Beitragsschübe nach mehreren Jahren ohne Erhöhungen vermittelten immer wieder den Eindruck, die Private Krankenversicherung (PKV) sei besonders teuer, sagte der Vorstand des privaten Versicherers Debeka, Roland Weber.

Private Krankenversicherer können ihre Beiträge nur nach sogenannten auslösenden Faktoren anheben. Das ist in der Regel dann gegeben, wenn die Leistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens zehn Prozent höher liegen als ursprünglich kalkuliert (in einigen Tarifen fünf Prozent). Diese Regelung hat dazu geführt, dass die Kassen in der Vergangenheit bisweilen über mehrere Jahre auf Beitragserhöhungen verzichten mussten. Überstiegen die Ausgabenerhöhungen dann aber den entsprechenden Wert, mussten die Versicherten eine sprunghafte Steigerung der Beiträge hinnehmen, da die Veränderungen der Vorjahre dann mit einkalkuliert werden mussten.

PKV geringfügig billiger

Nach einer Studie der des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) schneidet die PKV hinsichtlich der Beiträge im Vergleich mit der Gesetzlichen Krankenversicherung ganz gut ab. Je nach betrachtetem Zeitraum können die Steigerungen sogar niedriger sein. So ergebe sich über die vergangenen zehn Jahren (2006 bis 2015) gerechnet im Gesamtdurchschnitt in der PKV eine Steigerung von 2,2 Prozent pro Jahr, in der GKV liege diese in dieser Zeit bei 3,7 Prozent pro Jahr.

Das IGES konnte bei seiner Untersuchung auf Datenmaterial der Debeka-Mitglieder zurückgreifen, die seit mindestens 20 Jahren dort versichert waren. Davon waren zuletzt knapp 660.000 Beamte, die Beihilfe vom Staat bekamen und daher niedrigere Beiträge zahlen, und knapp 56.000 Nichtbeihilfeversicherte. Für diese Versicherten lag die jahresdurchschnittliche Steigerung in den 20 Jahren von 1995 bis 2015 im Mittel bei 2,9 Prozent. Der Vergleichswert für 1997 bis 2017 liegt trotz massiver Erhöhungen Anfang des Jahres bei 2,6 Prozent.

Unterschiedliche Prämien

Nach der Studie lagen die monatlichen Beiträge (von Nicht-Beamten) 2015 in der PKV im Schnitt bei 473 Euro für Frauen und 413 Euro bei Männern. In der GKV lag die Beitragshöhe bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen bei 421 Euro. Der Höchstsatz für die GKV lag bei 639 Euro.

Die Untersuchung kommt zudem zu dem Ergebnis, dass Ältere kaum höhere Prämien zahlen als Jüngere - zumindest, wenn sie langfristig in einer Tarifgemeinschaft versichert waren. Abhängig Beschäftigte, Selbstständige und Status-Wechsler seien dagegen in einem höheren Umfang von überdurchschnittlichen oder sprunghaften Beitragserhöhungen betroffen.

mik/dpa



insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hwdtrier 09.08.2017
1. Natürlich sind die
Privaten, pro Mitglied , billiger. Aber in der GKV ist die Familie mitversichert da verschiebt sich die Höhe des Beitrages.
BellSouth 09.08.2017
2. Realitätsfremd!
Die privaten KV´s gehören der Vergangenheit an und sollten wenn überhaupt in allen Punkten mit den GKV´s vergleichbar wie auch wettbewerbsfähig sein! Der Schundluder mit absolut überhöhten Beiträgen ist noch immer real und ich weiß wovon ich spreche! Wenn erhöhen innerhalb eines Jahres von fast 90% real sind, dann stimmt etwas mit dieser Studie nicht und die Frage kommt auf wer überhaupt an dieser Studie gearbeitet hat! Wechseleinschränkungen im Alter wie Ausschluß von Familienangehörigen gemäß den gesetzlichen wo ist das alles möglich! Man sollte auch generell den Tatsachen nachgehen, wo gerade die PKV´s Selbständige wie Handwerker etc. mit überhöten Beiträgen in den Ruin getrieben haben! Sorry aber so einfach sollte man sich mit dieser Studie lieber Spiegel nicht machen; denn Beamte haben zur KV Anspruch auf eine 50% Beihilfe!
komatzu 09.08.2017
3. tarifgemeinschaft
ist das richtige Wort. fast jede PKV bildet immer neue tarifgemeinschaften über neu Tarife und die alten bleiben dann unter sich und die werden immer älter und teurer. hat sich was mit Solidargemeinschaft. um die jungen anzulocken werden billige Tarife angeboten die dann nach ein paar jahren immer teurer werden.wenn man nur die einsteigertarife vergleicht passt die Studie. aber insgesamt ist die Studie falsch und nur als Werbung gedacht. spon sollte besser recherchieren und nicht einfach die Aussagen einer von der PKV finanzierten Studie ohne Prüfung übernehmen.
Kater Bolle 09.08.2017
4. Die privaten Krankenversicherungen müssen weg.......
sie gaukeln den jungen Menschen vor tolle Leistungen für wenig Geld. Im alter kommt der Bumerang. Beitragserhöhungen am laufenden Band. Die Versicherten hängen wie die Fliege am Fliegenfänger. Unter Brüdern nennt man das System Betrug. Eine GKV für alle. Auch für Beamte.
1759 09.08.2017
5. Ich bin auch für eine Veränderung,
denn die Beihilfe zahlt schon längst nicht mehr als die GKV. Dazu kommt noch, dass alle Rechnungen erst mal aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Bis die Beihilfe zurückzahlt, dauert es schon mal 8-9 Wochen. Die Beamten zahlen immer noch eine Praxisgebühr, die direkt abgezogen wird, egal ob man zum Arzt geht oder nicht. Das ist nichts anderes als eine versteckte Gehaltskürzung. Für jedes Kind muss extra bezahlt werden. Es ist also nicht umsonst wie in der GKV mitversichert. Das gilt auch für Ehepartner sofern sie ohne Arbeit sind. Kuren werden gar nicht bezahlt, weil es zur Vorsorge gehört und keine Krankheit ist. Ich würde sofort mit jedem gesetzlich Versicherten tauschen. Einfach zum Arzt gehen und der Papierkrieg, der jedesmal folgt, ist dann Geschichte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.