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Pläne der Bundesregierung: Wen die Steuerreform entlastet - und wen nicht

Das Versprechen war groß, das Ergebnis könnte jedoch dürftig ausfallen. Denn die für Anfang 2013 geplante Steuerreform dürfte vor allem die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen enttäuschen. Nach einer neuen Expertenberechnung würden sie nur um Mini-Beträge entlastet.

Bundeskanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble: 2013 soll die Steuerreform kommen Zur Großansicht
DPA

Bundeskanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble: 2013 soll die Steuerreform kommen

Berlin - Es sind die erklärten Ziele der Bundesregierung: Die für Anfang 2013 angesetzte Steuerreform soll vor allem kleine und mittlere Einkommen entlasten. Und die sogenannte "kalte Progression" des Steuertarifs, die Gehaltserhöhungen großteils auffrisst, soll gemildert werden.

Was in der Theorie gut klingt, könnte in der Praxis ziemlich enttäuschen. Der Steuerexperte Frank Hechtner von der Freien Universität Berlin hat ausgerechnet, was die Reform verschiedenen Einkommensgruppen bringen würde. Das Ergebnis: Gerade für Gering- und Durchschnittsverdiener fällt die Entlastung dürftig aus. Mehr sparen würden dagegen die Bezieher hoher Einkommen.

Wer ein monatliches Bruttogehalt von 1000 Euro bezieht, würde demnach pro Monat um gerade mal sechs Euro entlastet. Wer 5000 verdient, spart dagegen 38 Euro. Und ab 22900 Euro Montagsgehalt beträgt der Vorteil sogar 79 Euro im Monat.

Mögliches Modell der Steuersenkung (Entlastung für Singles)
Bruttogehalt Lohnsteuer 2011 (pro Monat) Lohnsteuer fiktiver Tarif (pro Monat) monatlicher Vorteil jährlicher Vorteil
500 € 0 € 0 € 0 € 0 €
1.000 € 13 € 7 € 6 € 74 €
1.500 € 104 € 93 € 11 € 134 €
2.000 € 221 € 208 € 13 € 158 €
2.500 € 342 € 326 € 16 € 188 €
3.000 € 474 € 455 € 19 € 225 €
3.500 € 615 € 593 € 22 € 268 €
4.000 € 777 € 750 € 27 € 322 €
4.500 € 958 € 926 € 32 € 388 €
5.000 € 1.151 € 1.113 € 38 € 461 €
7.500 € 2.192 € 2.151 € 41 € 492 €
10.000 € 3.242 € 3.201 € 41 € 492 €
20.000 € 7.442 € 7.401 € 41 € 492 €
30.000 € 11.896 € 11.817 € 79 € 943 €
40.000 € 16.396 € 16.317 € 79 € 943 €
Frank Hechtner, Freie Universität Berlin
Grundlage der Berechnungen ist ein Schreiben der Bundesregierung, mit dem diese auf eine Anfrage der Linksfraktion antwortet. Darin wird als mögliches Szenario einer Steuerreform eine Verschiebung des gesamten Steuertarifs um sechs Prozent ins Spiel gebracht.

Eine solche Variante würde eine Gesamtentlastung von rund 7,9 Milliarden Euro pro Jahr bringen und vor allem das viel beklagte Problem der "kalten Progression" mindern. Darunter versteht man den Effekt, dass Lohnerhöhungen durch den gerade bei kleinen und mittleren Einkommen besonders steil ansteigenden Steuertarif oft zu großen Teilen aufgefressen werden. Trotz eines deutlich höheren Bruttogehalts verdient man netto also nur wenig mehr. Rechnet man die stetige Geldentwertung durch Inflation hinzu, ergibt sich nach einigen Jahren oft sogar ein Minus.

Die berechneten Entlastungen beziehen sich auf alleinstehende Arbeitnehmer mit Steuerklasse eins. Sie sind zudem nur in absoluten Werten dargestellt. Deshalb ist es logisch, dass bei gleichmäßiger prozentualer Entlastung höhere Einkommen stärker profitieren. Berücksichtigt man prozentuale Entlastungen, werden untere und mittlere Einkommen in der Tat stärker entlastet als hohe.

Bundesbank warnt vor Steuersenkungen auf Pump

Die Bundesbank rät unterdessen von Steuersenkungen ab - solange sie nicht durch Ausgabenkürzungen finanziert werden. Grund für die skeptische Haltung ist vor allem die desolate Lage der Gemeindefinanzen. Die Kommunen nutzen offenbar immer stärker sogenannte Kassenkredite zur Finanzierung laufender Ausgaben, obwohl diese eigentlich nur zur Deckung kurzfristiger Liquiditätsengpässe gedacht seien.

Wie die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht schreibt, sei das Volumen der Kassenkredite im ersten Quartal trotz des Aufschwungs auf ein Rekordniveau von 43 Milliarden Euro gestiegen. Das seien 2,5 Milliarden mehr als Ende 2010. "Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der insofern auch perspektivisch stark angespannten Haushaltslage vieler Gemeinden erscheinen Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung nicht angebracht", schreibt die Bundesbank.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, gerade für Gering- und Durchschnittsverdiener falle die Belastung dürftig aus. Es muss natürlich Entlastung heißen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

stk/cte/Reuters

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insgesamt 242 Beiträge
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    Seite 1    
1. Geld
ikonaut 18.07.2011
Das Geld, indem es die Eigenschaft besitzt, alles zu kaufen, indem es die Eigenschaft besitzt, alle Gegenatände sich anzueignen, ist also der Gegenstand im eminenten Besitz. Die Universalität seiner Eigenschaft ist die Allmacht seines Wesens; es gilt daher als allmächtiges Wesen ... Das Geld ist der Kuppler zwischen dem Bedürfnis und dem Gegenstand, zwischen dem Leben und dem Lebensmittel des Menschen. So groß die Kraft des Geldes, so groß ist meine Kraft. Die Eigenschaften des Geldes sind meine - seines Besitzers - Eigenschaften und Wesenskräfte. Das, was ich bin und vermag, ist also keineswegs durch meine Individualität bestimmt. Das Geld ist das höchste Gut, also ist sein Besitzer gut, das Geld überhebt mich überdem der Mühe, unehrlich zu sein; ich werde also als ehrlich präsumiert; ich bin geistlos, aber das Geld ist der wirkliche Geist aller Dinge, wie sollte sein Besitzer geistlos sein? Es (das Geld) verwandelt die Treue in Untreue, die Liebe in Haß, den Haß in Liebe, die Tugend in Laster, das Laster in Tugend, den Knecht in den Herrn, den Herrn in den Knecht, den Blödsinn in Verstand, den Verstand in Blödsinn.
2. ergänzung
ikonaut 18.07.2011
Zitat von ikonautDas Geld, indem es die Eigenschaft besitzt, alles zu kaufen, indem es die Eigenschaft besitzt, alle Gegenatände sich anzueignen, ist also der Gegenstand im eminenten Besitz. Die Universalität seiner Eigenschaft ist die Allmacht seines Wesens; es gilt daher als allmächtiges Wesen ... Das Geld ist der Kuppler zwischen dem Bedürfnis und dem Gegenstand, zwischen dem Leben und dem Lebensmittel des Menschen. So groß die Kraft des Geldes, so groß ist meine Kraft. Die Eigenschaften des Geldes sind meine - seines Besitzers - Eigenschaften und Wesenskräfte. Das, was ich bin und vermag, ist also keineswegs durch meine Individualität bestimmt. Das Geld ist das höchste Gut, also ist sein Besitzer gut, das Geld überhebt mich überdem der Mühe, unehrlich zu sein; ich werde also als ehrlich präsumiert; ich bin geistlos, aber das Geld ist der wirkliche Geist aller Dinge, wie sollte sein Besitzer geistlos sein? Es (das Geld) verwandelt die Treue in Untreue, die Liebe in Haß, den Haß in Liebe, die Tugend in Laster, das Laster in Tugend, den Knecht in den Herrn, den Herrn in den Knecht, den Blödsinn in Verstand, den Verstand in Blödsinn.
K.Marx das geld es ist einfach zu viel geworden deshalb reicht es nicht für alle und jetzt frisst es zuerst die, für die es nicht reicht
3.
emmelmann 18.07.2011
War es denn anders zu erwarten?
4. Montagsgehalt für alle!
socrateased 18.07.2011
Zitat von sysopDas Versprechen*war groß, das Ergebnis könnte*jedoch*dürftig ausfallen. Denn die*für Anfang 2013 geplante Steuerreform dürfte vor allem die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen enttäuschen. Nach einer neuen Expertenberechnung würden sie nur um Mini-Beträge entlastet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775037,00.html
Zitat/dieser Artikel: "Und ab 22900 Euro Montagsgehalt beträgt der Vorteil sogar 79 Euro im Monat." Dieses Montagsgehalt möchte ich auch haben. ;-) Am Besten gleich, und zwar sofort. Und wieviel gibt's am Dienstag? Und was ist mit Sonntagszuschlag?
5. Prozentuale Entlastung
somna 18.07.2011
Warum steht denn folgendes nur als Nebensatz: "Berücksichtigt man prozentuale Entlastungen, werden untere und mittlere Einkommen in der Tat stärker entlastet als hohe." Und warum erweitert man die Tabelle nicht gleich um prozentuale Angaben zur Entlastung Bruttogehalt // Monatliche Entlastung 500 € 1.000 € 46,2% 1.500 € 10,6% 2.000 € 5,9% 2.500 € 4,7% 3.000 € 4,0% 3.500 € 3,6% 4.000 € 3,5% 4.500 € 3,3% 5.000 € 3,3% 7.500 € 1,9% 10.000 € 1,3% 20.000 € 0,6% 30.000 € 0,7% 40.000 € 0,5%
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