Einweggeschirr, Trinkhalme und Co. EU-Parlament stimmt für Verbot von Plastik-Wegwerfprodukten

Die EU will langfristig Wattestäbchen, Einweggeschirr und andere Wegwerfprodukte aus Plastik verbieten. Das EU-Parlament hat diesem Plan nun zugestimmt - für manche Produkte gilt der Bann schon ab 2021.

imago/Jochen Tack


Mit einem Verbot vieler Einwegprodukte aus Plastik und einer Recyclingquote für Plastikflaschen will die EU die Verschmutzung der Ozeane eindämmen. Einem entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission stimmte das Europaparlament in erster Lesung zu. Die Parlamentarier fordern außerdem, dass die Mitgliedstaaten den Verbrauch bestimmter Einwegprodukte wie Plastikbecher bis 2025 um ein Viertel senken müssen - etwa über Preiserhöhungen oder Werbung für Alternativen.

Die EU-Kommission hatte im Mai einen Vorschlag zur Eindämmung von Plastikmüll vorgelegt. Die EU-Abgeordneten verschärften diese Ideen nun zum Teil - etwa mit den verbindlichen Reduktionszielen und mit einer längeren Liste von verbotenen Plastikprodukten.

Die geplante Neuregelung sieht vor, eine Reihe von Einwegprodukten, für die es bereits Alternativen gibt, ab 2021 ganz aus der EU zu verbannen. Am deutlichsten spürbar für Verbraucher wären wohl geplante Verbote von Strohhalmen, dünnen Plastiktüten, Plastikgeschirr und -besteck, Wattestäbchen und Ballonhaltern. Als Ersatz für Plastik-Trinkhalme kommen zum Beispiel solche aus Papier oder wiederverwendbare aus härterem Kunststoff in Frage.

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Vorstoß der EU-Kommission: Diese Plastikprodukte sollen verboten werden

Plastikflaschen sollen der Vorlage zufolge separat gesammelt werden. Außerdem sollen die Mitgliedsstaaten die Auflage bekommen, bis 2025 Einweg-Plastikflaschen zu 90 Prozent zu recyclen.

Greenpeace sieht vor allem einen gravierenden Mangel in den Vorschlägen. Die Definition von Einwegplastik sei viel zu eng, kritisiert Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Damit öffne sich ein Schlupfloch für die Plastikindustrie: "Die Konzerne könnten nach aktuellem Vorschlag die Reduktionsziele schlicht ignorieren, wenn sie ihre Produkte, sei es ein Wegwerf-Plastikbecher oder ein Strohhalm, als wiederverwendbar kennzeichnen."

Im Video: Das Problem mit den Plastik-Trinkhalmen

Weltweit, aber auch in Europa, werden enorme Mengen Kunststoff genutzt und anschließend weggeworfen. Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent zur Wiederverwertung gesammelt werden. Plastik zerfällt sehr langsam und häuft sich besonders im Meer und an Stränden. Bis zu 85 Prozent aller in der EU angespülten Abfälle sind aus Kunststoff - dabei handelt es sich in etwa bei der Hälfte der Fälle um weggeschmissene Einwegprodukte.

Nachdem nun das Parlament eine gemeinsame Linie gefunden hat, muss ein Kompromiss mit den Mitgliedstaaten gefunden werden. Wird, wie geplant, eine Einigung im kommenden Jahr erzielt, müssten die Staaten die neuen Regeln bis 2021 umsetzen. Dazu müssen die Staaten die Richtlinie nach der Verabschiedung noch in eigene nationale Gesetze gießen.

Im Video: Plastik - Die geheime Welt der Materialien

mmq/dpa/AFP

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Seite 1
sh.stefan.heitmann 24.10.2018
1. schon ab 2020....
....ist ja unglaublich. Überschrift muss heißen ERST ab 2020. Für Artikel bei denen es bereits Alternativen gibt, sollte ein sofortiges Verbot inkraft treten.
graf koks 24.10.2018
2. nett
Netter Anfang, endlich. Obwohl - der Plastiktütenwahn ist auch schon spürbar zurückgegangen. Aber: es werden weltweit Plastikverpackungen für 80 Milliarden Dollar produziert! Da sind Wattestäbchen und Strohhalme noch nicht eingerechnet. Aber die großen Brocken wird die EU ohnehin nicht alleine stemmen. Außerdem wäre es an der Zeit sich Gedanken zu machen, wie das Plastik aus den Ozeanen wieder rausgeholt werden kann. Das wäre doch mal ein fetter Fang für Fangflotten.
pyrrhon-von-daheim 24.10.2018
3. Leider wirkungslos für unsere Meere
Wir sollten unser Engagement und unsere Einsatzbereitschaft Staaten wie Indien, den Philippinen, Thailand und Indonesien widmen. Diese Menschen haben keinerlei Umweltbewußtsein. (Bei uns kam das auch nicht über Nacht) Einweg ist der dort der einzige Weg, weil es eben billig ist. Wenn wir wirklich was bewegen wollen, dann müssen dort ansetzen. Die Zunahme der Single-Haushalte in Deutschland (20 Mio.) hat auch den Plastikverbrauch deutlich steigen lassen. Nehmen sie sich morgens Zeit und trinken sie weniger Kaffee-to-go, wenn Sie über die Probleme der Welt sinnieren. Denn 60% des Plastikmülls wird in Deutschland zur Energieverwertung verbrannt. 38% werden recycelt und nur 1% landet auf Deponien. Wir haben aber das Know-how und das Geld, das die ärmeren Länder so dringend brauchen.
syt 24.10.2018
4. Müssen bis dahin ,alle vollen Lager
mit diesem Kunstschrott vermarktet werden ?
ky3 24.10.2018
5. falsche Prioritäten
Schaue ich mir deutsche Flußufer an, finden sich dort ganz andere Kunststoffe als Wegwerfgeschirr und Trinkhalme. Es sind vor allem Kunststoffe, welche bei Hochwasser aus Klärwerken entwichen sind: Klebestreifen von Damenbinden, Einweg-Mikrofaser-Toilettentücher, und Plastikhalterungen für Klo-Duftspendern. Daneben eine Menge Styropor (Polystyrol). Die EU-Vorgaben ergeben sich meines Wissens vor allem aus Analysen des Mülls europäischen Strände. Doch jener Müll kann von überall dorthin gekommen sein. Sinnvoller wäre doch den Müll europäischer Flüße zum Maßstab zu nehmen, also das was hier hauptsächlich in die Umwelt gelangt.
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