Richtlinien-Entwurf Wie die EU Plastikmüll bekämpfen will

Mit einem Verbot vieler Einwegprodukte aus Plastik und einer Recycling-Quote für Plastikflaschen will die EU den Müll in den Meeren eindämmen. Die Kommission hat nun Details zu den Plänen vorgestellt.

Müll am Strand (Archivfoto)
DPA

Müll am Strand (Archivfoto)


Einweggeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und Ballonhalter aus Plastik sollen in der Europäischen Union verboten werden, um Umwelt und Meere besser zu schützen. Die EU-Kommission hat nun ihre bereits inoffiziell bekannten Pläne bestätigt. Dazu gehört auch, dass andere Wegwerf-Artikel aus Plastik zurückgedrängt und die Hersteller für Umweltschäden zur Kasse gebeten werden.

"Plastikmüll ist ohne Zweifel ein großes Thema, und die Europäer müssen dieses Problem zusammen angehen", sagte Vizepräsident Frans Timmermans. Einmalplastik im Angebot der Supermärkte werde durch die Vorschläge deutlich verringert. Die künftig verbotenen Produkte würden durch sauberere Alternativen ersetzt.

Die Kommission verspricht sich große Vorteile für die Umwelt von ihren Plänen:

  • So sollen die Maßnahmen den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern.
  • Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, teilte die Brüsseler Behörde mit.
  • Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen.

Im Video: Wasserfilter soll Plastikmüll aus dem Ozean fischen

TheOceanCleanup

Die Kommission begründet den Vorstoß hauptsächlich mit dem Schutz der Ozeane. Mehr als 80 Prozent des Mülls in den Meeren sei Plastik. Die vorgeschlagene EU-Richtlinie nimmt zehn Wegwerfprodukte sowie ausrangierte Fischernetze besonders ins Visier, die nach Angaben der EU-Kommission zusammen 70 Prozent des Mülls an Stränden ausmachen.

Verabschiedung und Umsetzung können Jahre dauern

Die von der Kommission vorgelegte Richtlinie ist zunächst nur ein Vorschlag. Dieser muss nun mit den EU-Staaten und dem EU-Parlament verhandelt werden. Die Verabschiedung kann Jahre dauern, vor der Europawahl 2019 wird das knapp. Und weil es eine Richtlinie werden soll, müssen die EU-Staaten sie nach der Verabschiedung noch in eigene Gesetze gießen.

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Vorstoß der EU-Kommission: Diese Plastikprodukte sollen verboten werden

Weltweit, aber auch in Europa, werden enorme Mengen Kunststoffe genutzt und anschließend weggeworfen. Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent zur Wiederverwertung gesammelt werden.

Im Video: Das Problem mit den Plastik-Trinkhalmen

apr/dpa



insgesamt 134 Beiträge
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Seite 1
vatimamo 28.05.2018
1. überfällig
Warum braucht die Politik nur so lange um bei offensichtlichen umweltsünden einzugreifen? Ganz einfach: Geld und Macht sind wichtiger und die Leute zu doof sonst würden sie denen nicht ihre Stimme geben!
c124048 28.05.2018
2.
Ja, klingt generell ja richtig.... aber wenn ich die Liste so sehe (z.B. die lächerlichen Ballonhalter oder Wattestäbchen), dann sieht das eher nach einer Liste des maximalen Kompromisses aus. Ein nennenwerter Fortschritt scheint mir das nicht zu sein.
Ossifriese 28.05.2018
3. Einschränken
Es wird uns wohl aus vielerlei Gründen nichts anderes übrig bleiben, als den Plastikverbrauch stark einzuschränken. Deshalb ist es richtig, klare Richtlinien und sogar Verbote auszusprechen. Nur - was wird die Industrie dazu sagen? Und dann die "wirtschaftskonforme" Frau Merkel? Mir schwant nichts Gutes...
derjuergie 28.05.2018
4. Für die Tonne
Und doch schon jetzt abzusehen das wieder alles für die Tonne ist. "Die von der Kommission vorgelegte Richtlinie ist zunächst nur ein Vorschlag. Dieser muss nun mit den EU-Staaten und dem EU-Parlament verhandelt werden. Die Verabschiedung kann Jahre dauern, vor der Europawahl 2019 wird das knapp. Und weil es eine Richtlinie werden soll, müssen die EU-Staaten sie nach der Verabschiedung noch in eigene Gesetze gießen". Am Ende wird auf Freiwilligkeit der Industrie gesetzt mit jede Menge Ausnahmen und der Verbraucher zahlt wie immer die Zeche, alles wie gehabt.
sir wilfried 28.05.2018
5. Gut gemeint ist nicht gut gemacht
Plastikgeschirr verbieten geht in ordnung. Aber Strohhalme, Wattestäbchen, Luftballonhalter? Welche Teufelskerle in Brüssel wollen damit die Meere retten? Das kann doch nicht ernst gemeint sein. Oder geht es womöglich nur wieder darum Strafgelder zu kassieren? Das Bild übrigens stammt sicher nicht von einem europäischen Strand.
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