Pleitegefahr: Troika rechnet mit drittem Hilfspaket für Griechenland

Die Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket sind noch nicht mal in Griechenland angekommen, da halten die internationalen Kontrolleure bereits eine dritte Zahlung für nötig. Nach SPIEGEL-Informationen geht die sogenannte Troika davon aus, dass weitere 50 Milliarden Euro nötig werden könnten.

Griechisches Parlament in Athen: Troika erwartet weiteres Rettungspaket Zur Großansicht
AFP

Griechisches Parlament in Athen: Troika erwartet weiteres Rettungspaket

Hamburg - Die Finanzkontrolleure von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds halten ein drittes Rettungspaket für Griechenland für erforderlich. Den Umfang beziffern sie nach SPIEGEL-Informationen auf bis zu 50 Milliarden Euro.

Es sei nicht garantiert, dass sich das Land wie geplant schon 2015 wieder selbständig Kredite besorgen könne, hieß es in einem Entwurf des jüngsten Troika-Berichts zur Lage in Griechenland. Deshalb habe das Land 2015 bis 2020 möglicherweise einen "externen Finanzbedarf von bis zu 50 Milliarden Euro". Diese unerfreuliche Analyse gefiel offenbar einigen Politikern nicht: Die Passage wurde auch auf Druck der deutschen Regierung gestrichen.

Offiziell geht es erst einmal darum, dass Griechenland das zweite Hilfspaket der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds über 130 Milliarden Euro bekommt. Der Bundestag hat dem Rettungspaket bereits zugestimmt. Bevor das Geld ausgezahlt wird, muss sich die Regierung in Athen aber zunächst mit den privaten Gläubigern auf deren Forderungsverzicht einigen. Dazu sollen sie ihre griechischen Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere eintauschen. Dieser Schuldenschnitt gilt als einer der wichtigsten Punkte im Rettungsplan für Griechenland.

EZB fürchtet zu geringe Beteiligung an Schuldenschnitt

Die Europäische Zentralbank sieht hier aber Probleme. Die Notenbank geht nach SPIEGEL-Informationen offenbar davon aus, dass sich zu wenige private Gläubiger freiwillig am Schuldenerlass für Griechenland beteiligen. "Wahrscheinlich müssen die rückwirkenden Umschuldungsklauseln aktiviert werden", verlautete aus dem Umfeld der EZB. Privatinvestoren wie Banken und Fonds sollen insgesamt auf 53,5 Prozent des Nominalwerts ihrer Forderungen verzichten. Das entspricht rund 107 Milliarden Euro. Sollten sich zu viele Anleger verweigern, fiele die geplante Entlastung zu niedrig aus - und die Euro-Staaten könnten ihre Hilfszahlungen an Griechenland stoppen.

Deshalb hat die Regierung in Athen bereits ein Gesetz beschlossen, mit dem unwillige Gläubiger gezwungen werden können, sich an dem Schuldenschnitt zu beteiligen. Für die Rating-Agentur Standard & Poor's war dies mit ein Grund dafür, die Bewertung Griechenlands auf "teilweisen Zahlungsausfall" zu senken. Die Notenskala von S&P sieht nur noch eine niedrigere Bewertung vor, das wäre dann "kompletter Zahlungsausfall".

Die Agentur Moody's sieht Griechenland am Beginn eines Zahlungsausfalls und hat die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten südeuropäischen Landes bereits auf die niedrigste Note ihrer Skala gesenkt.

Immerhin eine gute Nachricht gab es für die Euro-Retter zuletzt: Der Derivateverband Isda hat entschieden, dass private Gläubiger im Falle eines Schuldenschnitts vorerst keinen Anspruch auf Kreditausfallversicherungen haben. Das könnte in die Verhandlungen über den Forderungsverzicht Bewegung bringen. Denn Isda nimmt Spekulanten den Wind aus den Segeln, die darauf gesetzt haben, die Einigung scheitern zu lassen und damit eine Staatspleite Griechenlands hervorzurufen. Dann könnten sie ihre Kreditausfallversicherungen in Anspruch nehmen und bekämen hundert Prozent des Nennwerts zurück.

mmq

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hilfe für Griechenland?
hubertrudnick1 04.03.2012
Zitat von sysopDie Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket sind noch nicht mal in Griechenland angekommen, da halten die internationalen Kontrolleure bereits eine dritte Zahlung für nötig. Nach SPIEGEL-Informationen geht die sogenannte Troika davon aus, dass weitere 50 Milliarden Euro nötig werden könnten. Pleitegefahr: Troika rechnet mit drittem Hilfspaket für Griechenland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819087,00.html)
Wann wird endlich mal Griechenland geholfen und nicht immer nur die Verluste der Finanzbranche auseglichen? Es war hauptsächlich nur ein Hilfe für das Finanzkapital. HR
2. Habe ich das jetzt richtig verstanden?
Niamey 04.03.2012
Zitat von sysopDie Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket sind noch nicht mal in Griechenland angekommen, da halten die internationalen Kontrolleure bereits eine dritte Zahlung für nötig. Nach SPIEGEL-Informationen geht die sogenannte Troika davon aus, dass weitere 50 Milliarden Euro nötig werden könnten. Pleitegefahr: Troika rechnet mit drittem Hilfspaket für Griechenland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819087,00.html)
1. Unsere Regierungen wussten von vornherein, dass das Land den Bach runter geht. Haben es aber in Tranchen auf dem Rücken der Steuerzahler, insbes. des deutschen Steuerzahlers, langsam mit milliardenschwerden Rettungspaketen gegen die Wand fahren lassen. 2. Die privaten Spekulanten bekommen nichts zurück wenn Griechenland pleite geht, aber die institutionellen Spekulanten, Banken und sonstige Anlagebetrüger, die z.B. letztes Jahr schon wieder Milliarden an Boni eingesackt haben, bekommen ihre Kohle doppelt und dreifach raus. 3. Es ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, da andere Länder Griechenland auf dem Fuße folgen werden und wir wieder in die Schatztruhe greifen müssen.
3. Never ending story
muru 04.03.2012
Zitat von sysopDie Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket sind noch nicht mal in Griechenland angekommen, da halten die internationalen Kontrolleure bereits eine dritte Zahlung für nötig. Nach SPIEGEL-Informationen geht die sogenannte Troika davon aus, dass weitere 50 Milliarden Euro nötig werden könnten. Pleitegefahr: Troika rechnet mit drittem Hilfspaket für Griechenland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819087,00.html)
könnte man das nennen, wobei ja abzusehen ist, daß auch weitere Zahlungen benötigt werden. Es wird nie enden, außer europäische Regierungen wechseln und bereiten diesen unsäglichen Tun ein Ende.Griechenland hat es geschafft und hat Europa um hunderte Milliarden Euro betrogen, wobei man noch rätseln kann, ob es an der Cleverness der Griechen oder der Unfähigkeit der EZB und des EU-Parlaments gelegen ist, das sie es erst nach 10 Jahren bemerken. Diesem Land sollte man nur gegen Sicherheit Kredite geben, z.B. durch Verpfändung von Ländereien und Inseln.
4. Man, man, man, man !
Jonny_C 04.03.2012
Zitat von sysopDie Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket sind noch nicht mal in Griechenland angekommen, da halten die internationalen Kontrolleure bereits eine dritte Zahlung für nötig. Nach SPIEGEL-Informationen geht die sogenannte Troika davon aus, dass weitere 50 Milliarden Euro nötig werden könnten. Pleitegefahr: Troika rechnet mit drittem Hilfspaket für Griechenland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819087,00.html)
Ein rückwirkendes Enteignungsgesetz - vom Schuldner beschlossen. CDS die ihre Gültigkeit verlieren (Versicherung zahlt nicht !) Wir leben schon in interessanten Zeiten...... Jetzt wird klar warum Griechenland seine Streitkräfte in den letzten Jahren massiv erneuert und erweitert hat.
5. Wenn unsere Politiker
masc672 04.03.2012
Zitat von sysopDie Milliarden aus dem zweiten Rettungspaket sind noch nicht mal in Griechenland angekommen, da halten die internationalen Kontrolleure bereits eine dritte Zahlung für nötig. Nach SPIEGEL-Informationen geht die sogenannte Troika davon aus, dass weitere 50 Milliarden Euro nötig werden könnten. Pleitegefahr: Troika rechnet mit drittem Hilfspaket für Griechenland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,819087,00.html)
das auch noch mit ihrem Gewissen ausmachen können, dann respekt. Die Bundestagswahl 2013 wird richtig spannend. Denn eigentlich könnte man alle rauswählen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 92 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite