Pleitestaaten Mächtiger Investor warnt vor Euro-Kollaps

Es ist eine düstere Prognose für die Euro-Zone: Der weltweit größte Anleiheinvestor Pimco gibt die Währungsunion fast verloren. Die Allianz-Tochter rät zum radikalen Schritt - Schuldenländer wie Griechenland, Irland und Portugal sollten den gemeinsamen Verbund vorübergehend verlassen.

Irische Ein-Euro-Münze: "Über kurz oder lang führt kein Weg an einer Euro-Anleihe vorbei"
DPA

Irische Ein-Euro-Münze: "Über kurz oder lang führt kein Weg an einer Euro-Anleihe vorbei"


Berlin - Der dramatische Höhepunkt in der Euro-Krise könnte noch bevorstehen - davor warnt ein Top-Manager des einflussreichen Anleiheinvestors Pimco. "Die Politik darf nicht länger die Augen vor einer Staatspleite verschließen", sagte Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements der Allianz-Tochter, der "Welt". Entweder sie baue jetzt eine glaubwürdige und damit langfristig stabile Wirtschafts- und Fiskalunion auf. "Oder sie riskiert einen Zusammenbruch der Währungsunion und damit des Euro."

Erst vergangene Woche hatten sich Europas Staats- und Regierungschefs beim Gipfel in Brüssel auf einen neuen Krisenmechanismus geeinigt. Der sieht ab Mitte 2013 neben einem dauerhaften Rettungsschirm auch die Beteiligung privater Investoren an den Kosten einer Staatspleite vor. Doch der Beschluss komme zu spät, meint Bosomworth. "Die Spannungen an den Finanzmärkten werden auch 2011 bleiben."

Der Anleiheexperte rät zu einem radikalen Schritt, um die Euro-Zone zu retten: Bosomworth hält einen Austritt von Griechenland, Irland und Portugal aus der Währungsunion für notwendig - wenn auch nur vorübergehend. Er gehe nicht davon aus, dass es diesen Ländern gelinge, innerhalb eines festen Wechselkursmechanismus wie dem Euro zu wachsen und gleichzeitig ihren Haushalt zu entlasten. "Mit einer eigenen Währung könnten sie ihre Güter im Ausland günstiger verkaufen", sagte Bosomworth.

Plädoyer für Euro-Anleihen

Die Aussagen des Experten haben Gewicht, denn Pimco ist mit einem verwalteten Vermögen von rund einer Billion Dollar die weltweite Nummer eins unter den Anleiheinvestoren. Immerhin zeigte sich Bosomworth bei den Krisenstaaten Spanien, Italien und Belgien optimistischer. "Diese Länder haben gute Chancen, es auch innerhalb der Staatengemeinschaft zu schaffen", sagte er.

Ohne Unterstützung der anderen EU-Mitglieder gehe es allerdings nicht. "Über kurz oder lang kommen wir an einer Euro-Anleihe nicht vorbei", sagte der Portfoliomanager. Im Gegenzug fordert er eine tiefgreifende Reform der Europäischen Union. "Wer mehr in den Topf einzahlt als er herausnimmt, muss auch mehr Mitsprache haben", sagte Bosomworth. Es könne nicht sein, dass Deutschland im Ministerrat 29 Stimmen habe und Spanien immer noch 27.

yes/Reuters



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elbröwer 20.12.2010
1. Scharlatane
Jeder vernünftige Mensch weiß, daß diese fünf Länder in eine geordnete Insolvenz gehen müssen, nur die Politiker wissen davon mal wieder nichts.
fluxkompensator, 20.12.2010
2. xox
Das hätten sie wohl gerne, unsere lieben Investoren. Hauptsache, die alten Schulden werden beglichen, egal von wem. NEIN, die Investoren (und damit auch wir Sparer ) müssen natürlich durch einen Haircut beteiligt werden. Dies ist nämlich auch eine Banken- und Investorenkrise, weil die ach so schlauen Pimpco(haha)-Manager Irlands Häuser für ein gutes Investment gehalten haben. Also müssen sie auch jetzt dafür bezahlen.
Doctor Feelgood 20.12.2010
3. Immer wieder der gleiche Fehler:
Man will uns weismachen, wir hätten eine Euro-Krise. Dem ist aber ganz und gar nicht so: tatsächlich haben wir eine Bankenkrise! Diese - und die sich daraus ergebenden Konsequenzen - will jedoch niemand wahrhaben, am wenigsten die Banken und ihre politischen Zuträger! Das Problem ist NUR dadurch zu lösen, daß man die Banken endlich zwangsweise in Geschäfts- und Investmentbanken aufteilt. Der Staat muß dann die Geschäftsbanken unter seinen Schutz stellen und dafür sorgen, daß Kredite an die Realwirtschaft, Löhne, Renten, Spareinlagen bis zu einer bestimmte Höhe und Sozialausgaben gesichert sind. Ab sofort darf kein einziger Euro aus Steuergeldern mehr für die Investmentbanken ausgegeben werden! Diese Investmentbanken sind für uns alle verzichtbar und können ruhig in die Pleite geschickt werden. Natürlich werden dann alle Anleger, die in sogenannte strukturierte Finanzpapiere, Zertifikate, Fonds und Bonds aller Art investiert haben, eine Menge Geld verlieren. Aber dies ist für das Gemeinwohl kein Verlust! Statt hunderte Milliarden in solchen Pleitebanken zu versenken gehört dieses Geld in Realwirtschaft, Bildung, Forschung und Gesundheit investiert - alles Bereiche, in denen derzeit "aus Kostengründen" gespart wird auf Teufel komm raus, damit Geld für die Spekulantenbanken frei gemacht werden kann. Gemeinwohl geht vor Spekulantenwohl! Höchste Zeit, daß die Politk dies endlich umsetzt!
Prach, 20.12.2010
4. Welche Güter...?
"Mit einer eigenen Währung könnten sie ihre Güter im Ausland günstiger verkaufen", sagte Bosomworth. Welche Güter solle das denn sein? Die drei größten Aktiengesellschaften in Griechenland sind 1. ein Limonadenhersteller, 2. ein Anbieter von Sportwetten (kein Scherz) und 3. ein Mobilfunker, der zur Telekom gehört. Sollen wir künftig griechische Cola trinken? Und wer kann mir nur ein einziges irisches oder portugiesisches Unternehmen nennen? Durch den Euro spielen gewissermaßen Bayern München und Wacker München in einer gemeinsamen Liga. Daß das nicht gut gehen kann, hätte sich ja eigentlich jeder vorher denken können...
el`Ol 20.12.2010
5. nicht durchsetzbar
Ich sehe politisch keine große Chance für diese Staaten. Der Wähler hat Angst um sein Erspartes und will keine schwache Währung. Der Süden Europas wird durch den Euro ähnlich vernichtet werden wie der Nordosten Deutschlands durch die D-Mark.
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