Obamas Wunschkandidat Jim Yong Kim: Doktor Weltbank

Am Morgen kannten ihn fast nur Akademiker, am Nachmittag ist Jim Yong Kim plötzlich Obamas Wunschkandidat für das Amt des Weltbank-Chefs. Der Mann, der sein Leben lang gegen Aids kämpfte, soll die globale Armut zurückdrängen. Außer ihm zieht die Weltbank zwei weitere Anwärter in die engere Wahl.

Wissenschaftler Kim, US-Präsident Obama: Überraschende Kandidatenkür Zur Großansicht
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Wissenschaftler Kim, US-Präsident Obama: Überraschende Kandidatenkür

Hamburg - In seiner Antrittsrede als Uni-Präsident forderte Jim Yong Kim von seinen Studenten: "Strebt danach, die Welt zu verändern." Dazu hat der Mann mit der fliehenden Stirn und der randlosen Brille nun selbst Gelegenheit, und zwar mehr denn je: Am Freitagnachmittag hat US-Präsident Barack Obama den 52-Jährigen zum Kandidaten für den Posten des Weltbank-Chefs gekürt. Kurz vor Ablauf der Nominierungsfrist und für die meisten sehr überraschend.

Jim Yong Kims Kür ist eine Nominierung von 0 auf 100 mit allerbesten Chancen: Zwar sind noch die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala und der ehemalige kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo nominiert. Doch einem ungeschriebenen Gesetz zufolge hat bislang immer ein Amerikaner den Posten bekommen; das ist seit dem Zweiten Weltkrieg so, seit das Institut begann, die Armut zu bekämpfen, zunächst im kriegsverheerten Deutschland, später überall auf der Welt.

Diesem Kampf dürfte sich Überraschungskandidat Kim bald widmen, ab Juni, wenn der amtierende Chef Zoellick abdankt. Mit dem Polit-Profi oder seinem Vorgänger Paul Wolfowitz er nur wenig gemein.

Kim ist Anthropologe - und Mediziner. Internationale Wirtschaftspolitik spielt in seinem Lebenslauf keine Rolle, Polit-Geschacher ebenfalls nicht. Dafür aber Entwicklungshilfe.

"Wegweisende Arbeit im Kampf gegen Krankheiten"

1993 gründete Kim Partners in Health, eine Organisation, die laut "Financial Times Deutschland" Gesundheitsprogramme in armen Ländern wie Haiti fördert, aber auch in ärmeren Regionen Amerikas.

1996 bekämpfte Kim eine Tuberkulose-Epidemie in Peru, er entwickelte ein spezielles, auf arme Länder zugeschnittenes Behandlungsprogramm, es wurde inzwischen in 40 Ländern eingesetzt.

2004 bis 2006 kämpfte Kim sich als Direktor der HIV-Abteilung der Weltgesundheitsorganisation gegen Aids, er entwarf eine Initiative, durch die laut Weißem Haus rund drei Millionen HIV-Infizierte behandelt wurden.

Nun soll Kim also die Armut bekämpfen.

"Es ist an der Zeit, dass ein Profi für Entwicklungshilfe die größte Entwicklungshilfeorganisation der Welt führt", sagte Obama am Freitag. Sein Finanzminister Timothy Geithner pries Kims "wegweisende Arbeit im Kampf gegen Krankheiten und Armut". Das US-Magazin "Time" würdigte Kims Arbeit schon 2006; es nahm ihn in die Liste der 100 Menschen auf, die die Welt verändern.

Kim der Konsenskandidat

Dazu hat Kim wohl bald noch mehr Gelegenheit. Einer seiner Konkurrenten, der US-Entwicklungsökonom Jeffrey Sachs, zog seine Kandidatur am Freitag bereits zurück, er will Kim unterstützen.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel sagte, er respektiere das Vorschlagsrecht der USA. Er begrüße aber auch, dass die Schwellenländer "selbstbewusst" eigene Anwärter ins Rennen schickten.

Gegen die verbleibenden Konkurrenten steht Kim gut da. Zwar wird die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala von mehreren Staaten unterstützt; Brasilien indes will den kolumbianischen Finanzminister José Antonio Ocampo auf den Weltbank-Posten hieven. Doch Kim ist auch für diese Länder ein Konsenskandidat. Seine Nominierung ist ein Signal an die Entwicklungsländer, die die Dominanz der USA in der Weltbank kritisieren.

Kim wurde 1959 in Südkorea geboren, in einem Entwicklungsland. Er war als Kind mit seinen Eltern nach Amerika ausgewandert und nicht nur US-Bürger geworden, sondern auch Football-Quarterback, Basketball-As, respektabler Golfspieler. Wie der Afroamerikaner Obama verbindet Kim das beste mehrerer Welten.

Dennoch hat er Feinde in Dartmouth. An der Uni kursieren Artikel, die seinen Führungsstil kritisieren, von "KDS" ist die Rede, vom "Kim-Desilliusionierungs-Syndrom", von hohen Erwartungen, die Kim nicht erfüllen konnte.

Die Erwartungen dürften noch steigen, wenn Kim Weltbank-Chef wird. Kann er sie erfüllen? Auf seiner Uni-Website steht: "Es gibt keine Probleme in der Welt, die bessere Menschen nicht lösen können." Am Freitag ergänzte Kim die Seite um einen knappen Dankesbrief. Darin schreibt er: "Ich will mich der Verantwortung, die mir die US-Regierung gibt, gern stellen."

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ssu/dpa/Reuters

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