Schuldenkrise Portugal bekämpft Schattenwirtschaft mit Kassenbon-Lotto

Es wird nicht immer nur gespart: Die krisengeplagten Portugiesen können neuerdings Luxusautos gewinnen, wenn sie beim Einkauf eine Rechnung verlangen. Die Regierung will so "steuerlichen Bürgersinn" fördern. Die Erziehungsmaßnahme ist ihr zehn Millionen Euro pro Jahr wert.

Protest in Portugal: Radikalsparpläne und Kassenbon-Lotto
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Protest in Portugal: Radikalsparpläne und Kassenbon-Lotto


Lissabon - Mit einer Kassenbon-Lotterie will Portugal künftig die Schattenwirtschaft im Euro-Krisenland bekämpfen. Die Mitte-rechts-Koalition hat am Donnerstag beschlossen, wöchentliche Verlosungen unter Bürgern einzuführen, die nicht vergessen, beim Einkauf und von Dienstleistern eine Rechnung zu verlangen, und auf dem Beleg auch ihre Steueridentifikationsnummer eintragen lassen.

Man wolle mit dieser Maßnahme den "steuerlichen Bürgersinn" fördern, erklärte Präsidentschaftsminister Luís Marques Guedes nach einer Kabinettssitzung. Um Steuerzahlungen zu umgehen, kassieren Unternehmer in Portugal besonders häufig ohne Beleg. Der Umfang der Schattenwirtschaft wird von Experten inzwischen auf mindestens 27 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Zu dem Anstieg hat auch die Anhebung der Mehrwertsteuer auf 23 Prozent im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen beigetragen.

Details der Verlosungen, die ab Anfang April stattfinden sollen, wurden zunächst nicht bekannt. Nach Berichten der Zeitungen "Diario de Notícias" und "Público" will die Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho die Portugiesen vor allem mit Luxusautos und Bargeld als Preisen im Gesamtwert von zehn Millionen Euro jährlich "erziehen". Im September hatte Slowakei ebenfalls eine Kassenbon-Lotterie eingeführt, um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu bekämpfen.

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ssu/dpa-AFX



insgesamt 31 Beiträge
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Horstino 07.02.2014
1.
Mit der Idee hat Sarkashwili in Georgien für steuerehrlichkeit gesorgt. Hat wohl gut funktioniert.
bora33 07.02.2014
2. Warum nicht auch bei uns?
Als Modell für Handwerksleistungen durchaus denkbar. Aber auch andere Branchen sind mittlwerweile wohl auf den Zweig gekommen. Ein Beispiel. Für die Bewertung einer Familienimmobilie haben wir die entsprechende Bewertung bei einem freien Sachverständigen angefragt. Erste Reaktion seinerseits, als wir vor dem Preis, angesichts der doch überschaubaren Leistung zurückschreckten: "Wir können natürlich das ohne Rechnung machen, dann sparen sie sich die MwSt."...... Ohne Worte! Wir haben dankend abgelehnt.
analysatorveritas 07.02.2014
3. Das letzte Hemd!
Zitat von sysopDPAEs wird nicht immer nur gespart: Die krisengeplagten Portugiesen können neuerdings Luxusautos gewinnen, wenn sie beim Einkauf eine Rechnung verlangen. Die Regierung will so "steuerlichen Bürgersinn" fördern. Die Erziehungsmaßnahme ist ihr zehn Millionen Euro pro Jahr wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/portugal-bekaempft-schattenwirtschaft-mit-kassenbon-lotto-a-952019.html
Portugal fehlt einfach die ökonomisch-technologische-industrielle Basis, um im Euroclub auf Dauer eigenständig bestehen zu können. Es sitzt in der Wettbewerbs- und Überschuldungsfalle des Euro, bleibt auf absehbare Zeit ein Wackelkandidat, braucht erhebliche Dauertransfers (auch massive Subventionen), die Verarmung weiter Bevölkerungsschichten in Portugal schreitet weiter voran. Bilderverkäufe, die Privatisierung (Ausverkauf) wichtiger Infrastrukturen, Kassenzettellotterien, bald ist das letzte Hemd dran! Die sozialen Sicherungssysteme sind unterfinanziert, weitere Sparrunden in Portugal stehen an. Leider ist Portugal kein Einzelfall im Euroclub, der weitere Ausbau hin zu einer vollkommenen Transfer- und Vollhaftungsunion wird fortgeführt, auch mit deutscher Unterstützung. Eine neue gesamteuropäische Bankenunion, ein neues EU-Entwicklungsbudget, eine europäische Wirtschaftsregierung, möglicherweise bald eine europäische Arbeitslosenversicherung, die Eurowährungsunion entwickelt ihre eigene Dynamik. Da bleibt wohl noch so manches auf der Strecke.
gesterngingsnoch 07.02.2014
4. Das Vorbild
kommt aus Taiwan - asiatische Gesellschaften sind traditionell Bargeldgesellschaften. Weitaus mehr Transaktionen im täglichen Leben als bei uns werden bar beglichen (in Japan kann man Bargeld sogar in speziellen Briefumschlägen per Post versenden). In Taiwan hat sich das Lotteriesystem absolut bewährt - die Kunden bestehen auf Kassenbons... Warum also nicht auch bei uns?
Gerüchtsvollzieher 07.02.2014
5. Ist schon putzig...
..was vor dem EUro-Zusammenbruch noch für grandiose Ideen aufkommen!
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