Nervöse Anleger Investoren stoßen portugiesische Staatsanleihen ab 

Die Politik der portugiesischen Regierung verunsichert die Investoren. Viele verkaufen die als riskant eingestuften Staatsanleihen. Die Risikoaufschläge für manche Papiere stiegen um mehr als 100 Prozent.

Portugals Hauptstadt Lissabon: Die neue Linksregierung will einen Teil der Wirtschaftsreformen rückgängig machen
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Portugals Hauptstadt Lissabon: Die neue Linksregierung will einen Teil der Wirtschaftsreformen rückgängig machen


Portugiesische Anleihen gelten nach Griechenland als die risikoreichsten in der gesamten Eurozone. Erstmals seit März 2014 kletterten die Risikoaufschläge für Portugals Staatsanleihen über die Vierprozentmarke. Im Vergleich zum Vortag legte die Rendite um 0,49 Prozentpunkte auf 4,18 Prozent zu. Zweijährige Anleihen legten um mehr als 100 Prozent zu.

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Skepsis der Anleger ist laut Volkswirten die Politik der neuen Linksregierung Portugals. Diese will einen Teil der Wirtschaftsreformen der konservativen Vorgängerregierung rückgängig machen, Ausgabenkürzungen zurücknehmen und einige Staatsausgaben erhöhen.

Finanzminister Mario Centeno zeigte sich besorgt über den Anstieg der Risikoaufschläge bei portugiesischen Staatsanleihen. Die Regierung unter Führung der Sozialisten rechnet in diesem Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nachdem es 2015 rund 4,2 Prozent waren. Vorige Woche hatte die EU-Kommission den Haushaltsentwurf Portugals nach Änderungen gebilligt.

Nach Ansicht von Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem muss die neue portugiesische Regierung ihren Haushaltsentwurf nun eventuell nachjustieren. Portugal müsse bereit dafür sein, womöglich mehr zu tun, um die EU-Regeln einzuhalten, sagte Dijsselbloem vor Beratungen der Eurofinanzminister in Brüssel. Die Regierung in Lissabon habe zugesichert, sich an die Vorgaben zu halten. Er rechne damit, dass dies in den Beratungen der Euro-Gruppe bestätigt werde.

Falls sich die Haushaltslage in Portugal weiter verschlechtern sollte, besteht die Gefahr, dass Ende April die letzte Ratingagentur die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschniveau herabsetzen könnte. Dann dürfte die Europäische Zentralbank ohne ein neues Hilfsprogramm keine Anleihen mehr kaufen. An diesem Donnerstag wollen die Finanzminister der Eurozone auch über den portugiesischen Haushalt beraten.

asc/dpa



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insgesamt 4 Beiträge
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mulli3105 11.02.2016
1. Lächerliche Planspiele
es kann doch nicht darüber hinwegetäuscht werden, dass die klammen Staaten keine nachhaltigen Fortschritte gemacht haben - Portugal oder in Kürze GR sind und bleiben failed states, die ohne ständigen Zufluß von Krediten pleite gehen würden. Oder sie verlassen EU und Euro und nehmen ihr Schicksal selbstBin die Hand. Nachdem man ihrenSchulden auf Null gestellt hat, versteht sich. Es wäre längst Zeit, der Wahrheit endlich die Ehre zu geben und den Bürgern der "Nettozahlern" die unangenehme Nachricht umfangreichen Schuldenerlasses zu eröffnen. Alles andere ist Konkursverschleppung as usual. Macht endlich Schluß mit dieser Farce des "gemeinsamen Europas" mitsamt seiner failed currency.
dasdondel 12.02.2016
2. die Geschichte wiederholt sich
Also weil die Finanzlage in Portugal schwierig ist werden die Zinsbelastungen für das Land erhöht - und davon wird's dann besser ? Da zeigt sich die Unlogik des Kapitalismus wieder mal deutlich.
agua 12.02.2016
3. an #2 dasdondel
Die neue Regierung in Portugal hat das übernommen, was in der Regierungszeit der alten Regierung als Erfolg verkauft wurde.Es hieß vor den Wahlen, dass es vom Wahlausgang abhängen würde, ob die Ratingargenturen das Land aufstufen würden.Es wurde unter dieser neuen Regierung bis jetzt nicht viel geändert, was jetzt so dargestellt wird, als würde die ganze gute Arbeit von Passos Coelho zunichte gemacht.Es wąre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
xifo 12.02.2016
4. Die Linken ?
Wer hat die Illusion , das eine Linke Regierung, gegen das heute in Krise befindet Kapitalismus positives schafft ? Nur die Menschen die die Hoffnung haben ,aus dieser Puff Haus Währung-Union, raus zu kommen . Genau wie die Griechen. Was ist mit denen Passiert ? Neu Zuhälter sind an die Macht . Die nennen sich , die Linken.
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