Abkehr vom Sparkurs Bundesregierung fürchtet neues Hilfsprogramm für Portugal

Portugals neue Regierung weicht den Sparkurs auf, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen steigen. In Berlin und Brüssel löst das nach SPIEGEL-Informationen Sorgen über ein neues Hilfsprogramm aus.

Regierungschef Costa
REUTERS

Regierungschef Costa


Bundesregierung und EU-Kommission befürchten, dass Portugal wieder unter den europäischen Rettungsschirm ESM muss. Das Land könne schon bald Schwierigkeiten haben, sich am Markt selbst zu finanzieren, heißt es nach SPIEGEL-Informationen in Berlin und Brüssel. Ein neues Rettungsprogramm für Portugal sei dann notwendig.

Die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen waren zwischenzeitlich deutlich gestiegen, sind mittlerweile aber schon wieder etwas gesunken.

Sollte es wirklich zu einem neuen Rettungspaket kommen, droht die Eurokrise zurück auf die Tagesordnung zu kehren. Experten in den Hauptstädten der Eurozone befürchten, dass sich der Argwohn der Anleger an den Finanzmärkten dann auch wieder auf andere Mitgliedstaaten richten würde, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken, allen voran auf die Schwergewichte Frankreich und Italien.

Ursache für das Misstrauen an den Märkten gegenüber Portugal ist die Aufweichung des Konsolidierungskurses durch die neue Linksregierung. So hat der sozialistische Premierminister António Costa mit Unterstützung der übrigen Linksparteien Teile der Arbeitsmarktreformen der Vorgängerregierung rückgängig gemacht und Mindestlöhne sowie die Gehälter im öffentlichen Dienst erhöht.

Zudem dürfte der Abbau des Staatsdefizits nicht so schnell vorankommen wie zugesichert. Die Euro-Gruppe, der Zusammenschluss der zuständigen Fachminister der Währungsunion, will dem Vertreter Portugals bei einem Treffen Anfang nächster Woche die Befürchtungen erläutern und ihn zu einem deutlicheren Kurswechsel auffordern.

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
bonner85 04.03.2016
1. Alternativlos...
Der Deutsche muss zahlen... Alles andere ist alternativlos...
CyberfeldReloaded 04.03.2016
2. Griechenland reloaded
Das wird eine selbst erfüllende Prophezeiung wie bei Griechenland, die Märkte und Investoren gehen ihn den Panik modus, weil keine weiteren Kredite gewährt werden von der EU, folge es gib keine weiteren von private Investoren, folge das Land muss einen bei der EU aufnehmen. Dabei ist es völlig egal wie das Land 1 Woche vorher offiziell da stand, kaputt geredet weil die Regierung Berlin nicht gepasst hat. (man kann natürlich auch sagen das es schön geredet wurde vorher)
montreal72 04.03.2016
3. Bundesregierung
...fürchtet sich. Ist ja nichts neues, hätte aber eigentlich keinen Grund dazu, müsste einfach mal handeln / machen. Auch mal an die eigenen Interressen der Wähler denken und umsetzen was versprochen worden ist. Habe und werde nie CDU wählen, aber die Wähler dieser Partei tun mir mittlerweile leid. Sie haben mit Sicherheit eine andere Politik gewählt, als die, die gerade ausgeführt wird. Demokratisch ist momentan in DE nichts.
jufo 04.03.2016
4. Die Eurokrise war nie weg
Sie wurde nur von der Flüchtlingskrise überlagert. Und diese führt gerade zu einer politischen Krise in Europa. Und dann haben wir noch die Syrienkrise und den Bürgerkrieg in der Türkei und den türkischen Konflikt mit Russland. Ach ja Russland. und solange wir im Euroraum so erhebliche Produktivitätsunterschiede haben wird der Euro nicht funktionieren. Ist ja nicht nur Portugal. Wir haben also eine Innereuropäische Produktivitätskrise. Tja, ganz schön viel Krise derzeit und wir werden uns trotzdem noch wehmütig an diese Zeit erinnern.
agua 04.03.2016
5.
Das Sparproogramm,an dem in den Medien immer noch als Lösung der Krise festgehalten wird, war und ist keine Lösung.Im Land ist vieles im Argen,gerade im sozialen und medizinischen Bereich.Die Vorgängerregierung war in Brüssel beliebter, dabei gibt es um die ehemalige Finanzministerin einige Ungereimtheiten, die der Aufklärung bedürfen.
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