Schuldenabbau: Portugal nimmt eine Milliarde Euro mehr ein als geplant

Portugal kommt mit manchen Sparmaßnahmen schneller voran als geplant. Beim Verkauf zehn staatlicher Flughäfen erlöste die Regierung mehr als drei Milliarden Euro. Insgesamt hat die Privatisierung von Staatsbetrieben schon gut eine Milliarde Euro mehr eingespielt als vorgesehen.

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Staatssekretärin Albuquerque: Privatisierung erfolgreich

Lissabon - Am Ende sind fast alle zufrieden: Das schuldenbeladene Portugal hat mit der Privatisierung seiner zehn Flughäfen 3,08 Milliarden Euro erlöst - und die Vorgaben von EU und IWF für seinen Sparkurs damit sogar übertroffen. Staatssekretärin Maria Luís Albuquerque wertete die hohe Verkaufsumme als Zeichen, dass Portugal trotz Wirtschafts- und Schuldenkrise noch attraktiv für ausländische Investoren sei.

Der französische Baukonzern Vinci, der mit dem Höchstgebot den Zuschlag erhielt, kommt beim Aufbau eines Netzes von Flughäfen voran. Und beim deutschen Unternehmen Fraport, das im Bieterstreit unterlegen war, zeigten sich Analysten erleichtert, weil ihnen der Preis für 95 Prozent der Anteile an der portugiesischen Flughafen-Holding ANA zu hoch vorkommt.

"Gute Nachrichten auf der ganzen Linie für Fraport", schrieb DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky am Freitag. Der Preis für ANA liege beim 15-fachen des operativen Gewinns und damit deutlich etwa über dem Wert, der für den ebenfalls zum Verkauf stehenden Londoner Flughafen Stansted gehandelt werde. Die Fraport-Aktie legte um knapp ein Prozent zu. Vinci-Papiere verloren 0,7 Prozent.

Das krisengeplagte Portugal versucht seine Neuverschuldung auf ein erträgliches Maß zu drücken. Teil des Spar- und Restrukturierungspakets sind zahlreiche Privatisierungen von Staatsbetrieben. Bereits der Verkauf großer Aktienpakete der Stromversorger EDP und REN hatte der Regierung 3,4 Milliarden Euro eingebracht. Den größten Teil der Anteile sicherten sich Investoren aus China. Der Verkauf der Fluggesellschaft TAP war dagegen im Dezember gescheitert, weil der einzige Bieter die geforderten Finanzgarantien nicht beibringen konnte.

Pleitewelle in Portugal

Insgesamt hat Portugal mit der Privatisierung von Staatsbeteiligungen bisher fast eine Milliarde Euro mehr erlöst als die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) als Bedingung für das 78 Milliarden Euro schwere Rettungspaket zur Bekämpfung der Schuldenkrise gefordert hatten.

Im neuen Jahr sollen die Privatisierungen weitergehen: mit der staatlichen Post CTT, der Gütersparte der nationalen Eisenbahngesellschaft, Teilen des Wasserversorgers Aguas de Portugal, dem Fernsehsender RTP und der Versicherungssparte der Bank Caixa Geral de Depositos.

Die Erfolge bei der Privatisierung lassen hoffen - doch das Land ist damit noch längst nicht aus der Krise: So verringerte Portugal sein Haushaltsdefizit in den ersten neun Monaten des Jahres zwar auf 5,6 Prozent des BIP - liegt damit jedoch weiter über der Zielmarke für 2012. Für das Gesamtjahr hat die Regierung im Gegenzug für die Hilfen von EU und IWF ein Defizit von fünf Prozent vereinbart.

Portugal leidet an der schwersten Rezession seit den siebziger Jahren, die sich im kommenden Jahr fortsetzen dürfte. Die Zahl der Insolvenzfälle ist im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent in die Höhe geschnellt. Wie die Zeitung "Público" am Freitag unter Berufung auf die Consulting-Firma IIC berichtete, wurde bis zum 26. Dezember die Rekordzahl von 18.627 Pleiten verzeichnet.

Von den Pleiten sind den Angaben zufolge in zunehmendem Maße die privaten Haushalte betroffen. Rund 67 Prozent aller Insolvenzfälle seien 2012 auf Familien entfallen, knapp ein Drittel auf Unternehmen. 2008 hätten nur rund 800 überschuldete Familien Insolvenz beantragt, dieses Jahr seien es bereits mehr als 12.400 gewesen.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 83 Beiträge
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1. optional
christian0061 28.12.2012
das scheint der grosse plan der " eurokrise" zu sein. alle gemeingüter die die bevölkerung europas mit ihren steuergeldern geschaffen hat, gehen nun billigst in private hände über und werden dort gewinnmaximierend und substanzvernichtend den eliten zugeführt. bald sind wir auch dran. siehe eurpäische wasserliberalisierungsgesetze und vieles mehr...........und rösler kräht dazu schon laut und deutlich!
2. 10 Flughäfen zum Preis von einem
JaguarCat 28.12.2012
Portugal bekommt 3,08 Mrd. € für zehn Flughäfen. Berlin bekommt davon nicht einmal einen gebaut ...
3. Kurzfristige Einnahmen durch Verkäufe
Sneaky Pie 28.12.2012
Immer eine super Idee, die vor allem nicht dem Staat auf Dauer hilft. Aber es geht Institutionen wie dem IWF auch gar nicht darum, Nachhaltigkeit zu erreichen. Kurzfristiges Gewinnstreben zugunsten der Privatwirtschaft auf Kosten der Allgemeinheit ist das Ziel. Portugal hat die Einführung des Euors massiv geschadet, denn die Anhebung der Löhne um die massiv gestiegenen Preise auszugleichen, hat dazu geführt, dass man in Deutschland mittlerweile günstiger produzieren kann als in Portugal, da hier die Reallöhne gesunken sind.
4. Hatte
mallorcafan 28.12.2012
Zitat von sysopPortugal kommt bei der Sanierung seines Haushaltes schneller voran als geplant: Beim Verkauf zehn staatlicher Flughäfen erlöste die Regierung mehr als drei Milliarden Euro. Insgesamt hat di8e Privatisierung von Staatsbetrieben schon gut eine Milliarde Euro mehr eingespielt als im Sparpaket vorgesehen. Portugal nimmt eine Milliarde Euro mehr ein als geplant - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/portugal-nimmt-eine-milliarde-euro-mehr-ein-als-geplant-a-874937.html)
Portugal eigentlich auch Einnahmen mit diesen Flughäfen? Und muss man diese jetzt von der Verkaufssumme abziehen? Und zwar dauerhaft?
5. Und wieder
agua 28.12.2012
ein Artikel,wie hervorragend Portugal die Krise meistert.Ja,es ist Ausverkauf im Land.Was privatisiert werden kann,wird privatisiert.Das Wasser wurde schon privatisiert.Die Folgen der Privatisierung traegt die Bevoelkerung mit schon erfolgter Preiserhoehung bei Strom und Wasser und Gas und einer erneuten Erhoehung ab Januar 2013.Die Sparmassnahmen kosteten den Angestellten,der Gehalt- und Urlaubsgeld erhielt,fast einen Monatslohn.Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld hat,erhaelt sein Geld mit grosser Verzoegerung,...Die Liste der Folgen,der so gelobten Politik,die fuer die Bevoelkerung eine Misere ist,liesse sich fortfuehren....Einen schoenen Gruss aus Portugal
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