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Positive Aussichten: Ökonomen prophezeien Langzeit-Boom für Deutschland

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Finanzkrise, war da was? Die deutsche Wirtschaft ist auf dem besten Weg, die Folgen des Beinahe-Finanzcrashs hinter sich zu lassen. Nach dem DIW korrigiert jetzt auch das Institut der deutschen Wirtschaft seine Prognose für 2010 nach oben, auch für 2011 sind die Experten optimistisch.

Baustelle in Berlin: Zwei Drittel der Unternehmen optimistisch Zur Großansicht
dapd

Baustelle in Berlin: Zwei Drittel der Unternehmen optimistisch

Berlin - Kaum sechs Wochen ist es her, als zum ersten Mal die Champagnerkorken knallten. Bundesregierung und Forschungsinstitute feierten die Konjunkturdaten des zweiten Quartals als "Aufschwung XL" und rechneten den Erfolg gleich auf ein Jahreswachstum von drei Prozent plus x hoch. Der Internationale Währungsfonds sagte Deutschland sogar ein Dauerwachstum voraus - allein für 2010 erwartet der IWF ein Plus von 3,3 Prozent.

Jetzt sind auch diese Zahlen schon wieder überholt.

Und zwar im besten Sinne. Nach dem in Berlin ansässigen Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung konkretisiert auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft seine Prognose. Mit einem Wert von 3,25 Prozent sind die Kölner Konjunkturforscher zwar ein bisschen vorsichtiger als die Berliner, die ein Plus von 3,4 Prozent voraussagen; trotzdem bleibt der Wert für deutsche Verhältnisse spektakulär - und wird im internationalen Vergleich allenfalls von einigen boomenden Schwellenländern in Asien übertroffen. Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erwartet ein Wachstum von 3,5 Prozent in diesem Jahr.

Eine Einschätzung, die auch die deutsche Wirtschaft selbst teilt: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (58 Prozent) rechnet in den kommenden drei Monaten mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäftslage, wie die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in einer Umfrage unter 700 Firmen ermittelten. Für die kommenden zwölf Monate äußerten sich sogar zwei Drittel der Umfrageteilnehmer optimistisch. "Die Unternehmen in Deutschland setzen unbeirrt auf Aufschwung und trotzen damit der nach wie vor bestehenden Verunsicherung an den Kapitalmärkten", sagte Ernst & Young-Experte Georg Graf Waldersee. "Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch eine starke zweite Jahreshälfte sehen werden."

Wachstum 2011 über dem Durchschnitt

Selbst die abzusehende leichte Abkühlung des Wachstums im Jahr 2011 bereitet IW-Köln-Chef Michael Hüther kein Kopfzerbrechen. "Der Wert wird sehr wahrscheinlich über zwei Prozent liegen und damit die Jahresdurchschnitte von 2007 und 2008 übertreffen", erklärte er am Montag in Berlin. Es bestehe also kein Anlass zur Besorgnis.

Nach Hüthers Einschätzung werden der private Konsum und die Investitionen die Erholung antreiben. Die sinkende Arbeitslosigkeit wecke bei den Verbrauchern die Lust am Einkaufen, erklärte er. Zudem gäben die Firmen mehr Geld für neue Maschinen und Produktionsanlagen aus. "Der Wirtschaftsaufschwung wird also zunehmend nicht mehr nur von der ausländischen Nachfrage getrieben, sondern immer mehr von der inländischen, die sukzessive die Führung übernehmen wird." Der Handel dürfe sich in diesem Jahr auf eine Steigerung der Nachfrage um 2,25 Prozent freuen, die im kommenden Jahr zwar leicht auf 1,25 Prozent nachlasse, aber dennoch deutlich über den Durchschnitten der vergangenen Jahre liege.

Doch auch die Aussichten für den Export schätzen die IW-Forscher optimistisch ein. Die Ausfuhren dürften allein im laufenden Jahr um 16,75 Prozent zulegen, für 2011 ist ein weiteres Plus von acht Prozent in Sicht. Die Einfuhren steigen demnach um 15,5 Prozent 2010 und sieben Prozent 2011. Der Außenbeitrag werde daher etwa zwei Fünftel zum Wachstum in diesem und im kommenden Jahr beitragen, heißt es in dem Konjunkturbericht. Damit seien die Rekordniveaus von vor der Krise fast wieder erreicht. Hüther sprach von einer "sehr starken und sehr breit angelegten Erholung". Er richte einen "zuversichtlichen Blick nach vorne".

Weniger als drei Millionen Arbeitslose

Ebenso wie IMK-Chef Gustav Horn erwartet Hüther auch eine günstige Entwicklung für den Arbeitsmarkt. Beide Institute erwarten einen Wert unterhalb der Drei-Millionen-Marke. allerdings werde der Zuwachs an Arbeitsplätzen bei weitem nicht so stark ausfallen, wie es die Wachstumsraten erwarten ließen, sagte Hüther. Das liege daran, dass die meisten Betriebe Entlassungen in der Krise vermieden und stattdessen auf Kurzarbeit gesetzt hätten.

Wenig Grund zur Sorge sieht Hüther auch beim Thema Staatsfinanzen. Das Defizit werde sich 2010 auf vier Prozent erhöhen und damit besser liegen, als noch vor einigen Monaten befürchtet. Angesicht steigender Einnahmen sei dagegen schon 2011 wieder mit einem Wert zu rechnen, der im Rahmen der Maastricht-Kriterien liege. Horn blickt dagegen mit "leicht angespannter Besorgnis" nach vorn. Er befürchte, dass die EU-Staaten durch Sparanstrengungen "zu schnell auf die Bremse treten" könnten, erklärte er.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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1. Finanzkrise != Wirtschaftskrise
digitalturbulence, 04.10.2010
Zitat von sysopFinanzkrise, war da was? Die deutsche Wirtschaft ist auf dem besten Weg, die Folgen des Beinahe-Finanzcrashs hinter sich zu lassen. Nach dem DIW korrigiert jetzt auch das Institut der deutschen Wirtschaft seine Prognose für 2010 nach oben, auch für 2011 sind die Experten optimistisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721148,00.html
Ich glaube der Spiegel verwechselt da was: Finanzkrise ist nicht das selbe wie eine Wirtschaftskrise. Die Wirtschaftskrise wurde durch die Finanzkrise ausgelöst. Die Finanzkrise kann nur noch durch eine starke Inflation oder durch eine Währungsreform behoben werden.
2. Gemach
freesprit 04.10.2010
Zitat von digitalturbulenceIch glaube der Spiegel verwechselt da was: Finanzkrise ist nicht das selbe wie eine Wirtschaftskrise. Die Wirtschaftskrise wurde durch die Finanzkrise ausgelöst. Die Finanzkrise kann nur noch durch eine starke Inflation oder durch eine Währungsreform behoben werden.
gemach, das wird schon! Dauert nur etwas länger, als prognostiziert.
3. --
Baracke Osama, 04.10.2010
Zitat von sysopFinanzkrise, war da was? Die deutsche Wirtschaft ist auf dem besten Weg, die Folgen des Beinahe-Finanzcrashs hinter sich zu lassen. Nach dem DIW korrigiert jetzt auch das Institut der deutschen Wirtschaft seine Prognose für 2010 nach oben, auch für 2011 sind die Experten optimistisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721148,00.html
Kam die Meldung nicht bereits letzte Woche und auch mit dem gleichen oder ziemlich ähnlichen Titel? Jetzt muss es nur noch gut "eingeprägt" werden!
4. Bei diesen Prognosen
Roßtäuscher 04.10.2010
Zitat von sysopFinanzkrise, war da was? Die deutsche Wirtschaft ist auf dem besten Weg, die Folgen des Beinahe-Finanzcrashs hinter sich zu lassen. Nach dem DIW korrigiert jetzt auch das Institut der deutschen Wirtschaft seine Prognose für 2010 nach oben, auch für 2011 sind die Experten optimistisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721148,00.html
kann Deutschland locker alle Pleitegeier der €-Zone mit grenzenlosen Krediten versorgen. Griechen und Iren frohlocken. Spanien verkarstet weiter sein Land und baut wieder Hotelburgen für die blöden Deutschen Urlauber.
5. Gegen Titelzwang
gerdgolf 04.10.2010
Was einem hier alles als BOOM .. und besser: LANGZEIT BOOM ... verkauft wird, ist schon sagenhaft. Ein Ausblick auf die kommenden 15 Monate (Rest 2010 und 2011) mit einem durchschnittlichen Wachstum von um 3% ist ein Mega Boom ? Da hat man fast Sorge, dass der Journaille die Superlative ausgehen, sollte es tatsächlich mal über einen echten Boom berichten. p.s. Die Fabel vom Dauerwachstum kommt nicht vom IWF, das steht schon im Stabilitätsgesetz von 1967 als Staatsziel.
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