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Briefträgerstreik: Post-Chef wirft Ver.di Eigeninteresse vor

Post-Mitarbeiter: Unbefristeter Streik Zur Großansicht
DPA

Post-Mitarbeiter: Unbefristeter Streik

Viele Briefkästen werden wegen des unbefristeten Streiks bei der Post vorerst leer bleiben. Konzernchef Frank Appel fragt sich, ob die Gewerkschaft Ver.di bei dem Ausstand die Interessen der Arbeitnehmer verfolgt - oder eher die eigenen.

Der Chef der Deutschen Post AG hat der Ver.di-Führung indirekt vorgeworfen, eigene Interessen auf dem Rücken der Post-Mitarbeiter auszutragen. Es stelle sich die Frage, ob Ver.di im Tarifkonflikt mit der Post "vorrangig Eigeninteressen oder die wirklichen Interessen der Arbeitnehmer" verfolge, sagte Frank Appel der "Bild"-Zeitung.

Die Post-Beschäftigten hatten am Montag mit einem unbefristeten Streik begonnen. Hintergrund ist der festgefahrene Tarifkonflikt, in dem es vor allem um die schlechtere Bezahlung bei den umstrittenen neuen Regionalgesellschaften der Post geht. Die Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Ver.di sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen.

Der Unternehmenschef warnte, Ver.di würde mit dem Arbeitskampf die Existenz von Arbeitsplätzen im Unternehmen gefährden. "Wir verstehen nicht, was Ver.di gegen 6000 unbefristete Arbeitsplätze hat, die nach Ver.di-Tarifverträgen bezahlt werden und immer noch 50 Prozent über den Löhnen unserer Wettbewerber liegen", sagte der Post-Chef. "Wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz." Das Nebeneinander verschiedener Löhne gebe es bei der Post zudem schon seit vielen Jahren - und das mit Zustimmung von Ver.di.

Zugleich zeigte sich Appel zuversichtlich, den bundesweit unbefristeten Post-Streik gut bewältigen zu können. "Wir hatten ja in diesem Jahr schon 28 Streiktage und können damit umgehen", sagte Appel. Sein Unternehmen setzte als Ersatz für die streikenden Mitarbeiter Kollegen aus Verwaltung und Vertrieb sowie externe Dienstleister ein. "Und unsere rund 40.000 Beamten arbeiten auch wie jeden Tag."

Zuletzt hatte die Gewerkschaft angeboten, auf eine lineare Einkommenserhöhung in diesem Jahr zu verzichten. Im Gegenzug forderte sie aber, die Beschäftigten der 49 Regionalgesellschaften nach Haustarif zu bezahlen. Dieses Vorgehen lehnte die Deutsche Post am Montag ab, da es durch eine Mehrbelastung von 300 Millionen Euro den "bestehenden Wettbewerbsnachteil" weiter verschärfen würde.

ssu/AFP

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insgesamt 77 Beiträge
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1. Blödsinn
RalfHenrichs 09.06.2015
Wenn die ArbeitnehmerInnen nicht hinter ver.di stünden, gäbe es keinen Streik. Und die Postbeschäftigten können schon selbst beurteilen, was in ihrem Eigeninteresse ist und was nicht. Dieser Vorwurf sagt mehr darüber aus, was der Post-Chef von seinen Mitarbeitern hält, als über alles andere.
2. jetzt wirds persönlich
Schwabbelbacke 09.06.2015
Verstehe ich da was falsch? Zitat: ...Gewerkschaft Ver.di bei dem Ausstand die Interessen der Arbeitnehmer verfolgt - oder eher die eigenen? Selbstverständlich ist ein Streik auch Eigenwerbung. Hierbei geht es letztendlich wieder darum,wie bei den Streiks der GDL wieder die Arbeitnehmer und Bevölkerung zu Entsolidarisieren. Tatsache ist doch, dass der Vorstand der Post AG Gewinnmaximierung auf kosten der Arbeitnehmer (und den zukünftigen) betreiben will, um einen Billiglohnsektor zu Etablieren. Dem muss gegengesteuert werden. Die Post AG ist ein Unternehmen welches nahzu Konkurenzlos ist, und daher eh die Preise bestimmen kann. Jedoch richtet sich der Vorstoß gegen das schwächste Glied in der Kette, um den Überschuß großzügig an jene zu verteilen, die im Leben noch nie Gearbeitet haben und dank der Politik die alles daran setzt damit es auch so bleibt. Es scheint immer mehr zum "guten Ton" zu gehören,Arbeitnehmer nicht mehr Leistungsgerecht zu Entlohnen bzw. auf den Zug des Ausbeutertums welches in Deutschland stark vertreten ist aufzusteigen. Ein ehemaliges Staatsunternehmen bekommt einen Freibrief zur Ausbeutung von Arbeitnehmern, ein Model welches mit dem Personal der JobCentern / ARGE ja schon länger betrieben wird...nur mit dem Unterschied, es sind (noch) keine Privatisierte sondern Staatliche /kommunale Behörden.
3. schriller
rainerson 09.06.2015
gehts doch nun wirklich nicht. Die Gewerkschaft gehört den Mitgliedern. Also die eigenen Interessen sind die der Eigentümer. Wo sind den die Personaler aufgewachsen, daß sie versuchen einen Widerspruch zu konstruieren? Kein Spruch scheint den Absahnern in den Vorständen zu blöd zu sein ihre Eigeninteressen durchzusetzen. Ich bin gespannt wie die zu erwartende Pressekampagne diesen Quark einarbeitet. Bsierske = Wisielski = Putin + Eigeninteresse.
4. Und umgekehrt...
wk03 09.06.2015
Stellt irgend jemand die Gegenfrage: Verfolgt Frank Appel wirklich die Interessen der Eigentümer seines Unternehmens, oder doch nur seine eigenen? Und: wieviel Arbeitsplätze will er - im Gegensatz - zu Ver.di retten?
5. Bei der Post od. DHL
!!!Fovea!!! 09.06.2015
ist es wie bei der DB. Die Preise steigen ständig, aber der Service wird nicht besser.
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