US-Präsidentschaftswahl: Deutsche Konzerne spenden für Romney

Die deutsche Wirtschaft wendet sich offenbar von US-Präsident Obama ab. Laut einem Magazinbericht unterstützen Konzerne wie die Deutsche Bank vor allem den republikanischen Herausforderer Mitt Romney mit Wahlkampfspenden - ganz anders als noch vor vier Jahren.

Romney im Garten seines Privathauses: Surfen auf der Geldwelle Zur Großansicht
AP

Romney im Garten seines Privathauses: Surfen auf der Geldwelle

Deutsche Konzerne mischen kräftig mit bei der Finanzierung der US-Präsidentschaftskandidaten. Anders als noch vor vier Jahren haben dabei die Republikaner die Nase vorn. So unterstützen zum Beispiel die Deutsche Bank und der Versicherungskonzern Allianz den republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Das berichtet die "Wirtschaftswoche" am Sonntag unter Berufung auf Daten des Washingtoner Center for Responsive Politics (CRP). Demnach spendete die Bank 86.250 Dollar (rund 71.000 Euro) für Romneys Wahlkampf, die Allianz zahlte die Summe von 14.950 Dollar (rund 12.300 Euro). Offenbar erwarten die beiden deutschen Finanzkonzerne von dem früheren Investmentbanker Romney eine unternehmensfreundlichere Politik als von Präsident Barack Obama.

Der demokratische Amtsinhaber Obama bekam dem Bericht zufolge Geld von Siemens (17.355 Dollar) und dem Softwarekonzern SAP (9322 Dollar).

Im letzten Wahlkampf lagen die Demokraten in der Gunst der deutschen Konzerne noch knapp vor den Republikanern. Laut einer CRP-Analyse von Anfang 2008 hatten deutsche Unternehmen damals insgesamt 776.000 Dollar an die Kandidaten der Demokraten gespendet, die Republikaner erhielten 612.000 Dollar.

Diesmal schlagen sich deutsche Unternehmen mehrheitlich auf die Seite der Republikaner. Das gilt auch für den Wahlkampf um die Mandate im Kongress. Größter Unterstützer der Republikaner ist demnach mit 261.000 Dollar Bayer, gefolgt von der Deutschen Telekom mit 193.500 Dollar. Zum Vergleich: Den Demokraten spendete Bayer laut "Wirtschaftswoche" 119.000 Dollar, die Telekom 149.000 Dollar.

Das CRP wurde 1983 von zwei ehemaligen US-Senatoren gegründet, um überparteilich über Geldspenden und deren Einfluss auf die Politik zu berichten.

ric/afp

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Nein danke
TontonTombi 22.07.2012
Haben deutsche Konzerne überhaupt für auslÄndische Parteien zu spenden? Ich finde "nein" - und bin dankbar über eine Auflistung der Konzerne - so kann ich diese wenigstens meiden. Wobei ich mal die Deutsche Bank ausklammern möchte - denn diese meide ich sowieso schon seit 15 Jahren.
2. Gierige Manager
wahrheit29 22.07.2012
Da kann man mal sehen wie diese Konzerne ticken, besonders die Banken. Die Republikaner werden unterstützt weil sie den kriminellen Turbokapitalismus der Banken weiter förden und den gierigen Bankern weiterhin fette Prämein versprechen. Es hat sich nichts geändert in den Köpfen dieser Manager.
3.
andynm 22.07.2012
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wendet sich offenbar von US-Präsident Obama ab. Laut einem Magazinbericht unterstützen Konzerne wie die Deutsche Bank vor allem den republikanischen Herausforderer Mitt Romney mit Wahlkampfspenden - ganz anders als noch vor vier Jahren. Präsidentschaftswahlkampf: Deutsche Konzerne spenden für Mitt Romney - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845741,00.html)
Ein weiterer Grund, um trotz der Enttäuschungen der Obama-Zeit weiterhin für die Demokraten zu sein. Vor allem wenn man sich die Namen der deutschen konzernen anschaut: Banken, Versicherungen und Pharmakonzerne, alle die kein Interesse an mehr Verbraucherschutz, Regulation und einem starken Staat haben.
4. Auslaendischer Einfluss
localpatriot 22.07.2012
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wendet sich offenbar von US-Präsident Obama ab. Laut einem Magazinbericht unterstützen Konzerne wie die Deutsche Bank vor allem den republikanischen Herausforderer Mitt Romney mit Wahlkampfspenden - ganz anders als noch vor vier Jahren. Präsidentschaftswahlkampf: Deutsche Konzerne spenden für Mitt Romney - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845741,00.html)
Als Teilnehmer an der US Wirtschaft ist es in Ordnung fuer auslaendische einschliesslich deutsche Unternehmen fuer den Wahlkampf zu spenden. Aber man muss sich fragen in welche Weise parteipolitische Preferenzen auslaendischer Firmen in das demokratische Konzept passen und im Interesse der Aktionaere (der Eigentuemer) oder im Interessen Deutschlands allgemein sind. Rein persoenlich waere ich fuer ein Spenden in gleicher Hoehe fuer beide Seiten denn man sollte nicht ueberrascht sein wenn US Waehler parteiischen Einfluss als verdaechtig faenden.
5. Teils verständlich, aber...
Hoffentlich_ausgeglichen 22.07.2012
Natürlich spenden Konzerne demjenigen, von dem sie sich die größten Vorteile erhoffen, am meisten. So weit okay. Aber es fällt stark auf, dass das Verständnis, was sich ändern muss, gerade in der Wirtschaft, nicht oder viel zu gering und wenig verbreitet ausgeprägt ist. Hier helfen Artikel wie dieser, um Kaufentscheidungen fällen zu können.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.