Verbraucherpreise Inflation in der Eurozone fällt auf Fünf-Jahres-Tief

Die Preise in der Eurozone steigen kaum noch, seit Herbst 2009 war die Teuerungsrate nicht mehr so niedrig wie im Juli. Für Energie und Lebensmittel mussten die Verbraucher sogar weniger bezahlen als vor einem Jahr.

Markt in Madrid: Lebensmittel wurden in der Eurozone günstiger
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Markt in Madrid: Lebensmittel wurden in der Eurozone günstiger


Luxemburg - In den 18 Ländern der Eurozone ist die Inflation auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren gesunken. Im Juli lag die jährliche Teuerungsrate laut einer ersten Schätzung bei 0,4 Prozent, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat mit. Eine niedrigere Rate gab es zuletzt im Oktober 2009 mit minus 0,1 Prozent. Im Vormonat Juni hatte die Rate noch 0,5 Prozent betragen.

Grund für den Rückgang im Juli waren den Statistikern zufolge vor allem die gesunkenen Preise für Energie - für Öl, Gas oder Strom mussten Verbraucher im Schnitt ein Prozent weniger bezahlen als im Vorjahr. Auch Lebensmittel und Alkohol wurden um durchschnittlich 0,3 Prozent günstiger. Dagegen verteuerten sich Dienstleistungen um 1,3 Prozent.

Die Inflation im Währungsraum entfernt sich somit weiter vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Das gilt auch für Deutschland, wo die Inflationsrate mit 0,8 Prozent höher lag als im gesamten Euroraum. Diese Entwicklung setzt die EZB unter Druck, die Preisstabilität bei knapp unter 2,0 Prozent gewahrt sieht. Experten fürchten eine Deflation, also einen Preisverfall auf breiter Front mit der Folge, dass Käufe verschoben werden und die Wirtschaft quasi einfriert.

Die sogenannte Kernrate verharrte im Juli bei 0,8 Prozent. Bei der Kernrate werden stark schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausklammert. Sie gilt als aussagekräftig für den langfristigen Trend und wird von der EZB genau beobachtet.

Die Notenbank hatte Anfang Juni mit einem Paket auf die Mini-Inflation reagiert: Die Währungshüter senkten den extrem niedrigen Leitzins nochmals auf jetzt 0,15 Prozent. Außerdem müssen Banken Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben und so die Konjunktur anzukurbeln.

fdi/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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sm2443 31.07.2014
1. der Milchpreis hat sich verdoppelt
wenn man versucht traditionell hergestellte (und nicht die bessere H-Milch = länger haltbar) zu kaufen. Die Mieten haben durch die Diskussion um eine Bremse um 20% aufgeschlagen. Aber auch Aktien inflationieren. Es kommt also nur auf den Warenkorb an und der ist bei Eurostat offenbar ein Anderer.
dapmr75 31.07.2014
2. Schlimme Propaganda
Wann hört ihr Medien endlich auf, niedrige Inflation und als Gegenmittel die niedrigen Zinssätze in einen merkwürdigen Kausalzusammenhang zu bringen? Inflation ist eine politische Zahl, deren Berechnung auf immer wieder geänderten Grundlagen stattfindet.
muellerthomas 31.07.2014
3.
Zitat von sm2443wenn man versucht traditionell hergestellte (und nicht die bessere H-Milch = länger haltbar) zu kaufen. Die Mieten haben durch die Diskussion um eine Bremse um 20% aufgeschlagen. Aber auch Aktien inflationieren. Es kommt also nur auf den Warenkorb an und der ist bei Eurostat offenbar ein Anderer.
Wann hat sich der Milchpreis verdoppelt? Hab ich in diesem Jahr nichts von gemerkt. Im deutschen Durchschnitt? Niemals Was haben Aktien mit den Verbaucherpreisen zu tun? Abgesehen davonb ewegt sich der DAX Preisindex seit Jahresanfang seitwärts, liegt akutell 3,4% unter dem Jahresschlußkurs 2013. Haben wir demnach Deflation? In Ihrem Konsumwarenkorb befinden sich also Aktien, eine Wohnung, die um 20% teurer geworden ist und vor allem sehr viel Milch?
muellerthomas 31.07.2014
4.
Zitat von dapmr75Wann hört ihr Medien endlich auf, niedrige Inflation und als Gegenmittel die niedrigen Zinssätze in einen merkwürdigen Kausalzusammenhang zu bringen? Inflation ist eine politische Zahl, deren Berechnung auf immer wieder geänderten Grundlagen stattfindet.
Das stimmt ja einfach nicht. Es gibt gewisse Anapssungen des Warenkorbes, die nachvollziehbar und transparent sind, da man heute schließlich keinen s/w-Fernseher mehr im Warenkrob führen kann. Die Veränderungen sind aber sehr moderat und keinesfalls willkürlich oder gar nachträglich so vorgenommen, dass eine bestimmte Zahl herauskommt. Wenn das alles manipuliert ist, stellt sich natürlich auch die Frage, wieso nicht auf das Ziel von 2% manipuliert wird. Was missfällt ihnen denn am Warenkorb und der Berechnung?
Artgarfunkel 31.07.2014
5.
Da kommt doch die Russlandkrise wie gerufen. Wenn Energie bald endlich wieder teurer wird, dann wird sich die Inflationsrate schleunigst auf den gewünschten Kurs bewegen. Wirtschaft und Verbraucher werden jubeln!
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