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Prism-Skandal in USA: Das große Geschäft mit den Mietspionen

Von , New York

Zentrale von Booz Allen Hamilton in Maryland: Lukrativer Schattenmarkt Zur Großansicht
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Zentrale von Booz Allen Hamilton in Maryland: Lukrativer Schattenmarkt

Der Mann, der das US-Spionageprogramm Prism aufgedeckt hat, arbeitete für eine unabhängige Vertragsfirma. Der Fall Edward Snowden zeigt, in welch riesigem Ausmaß sich die überforderten US-Geheimdienste auf private Mietspione verlassen.

Der jüngste Geschäftsbericht der Firma Booz Allen Hamilton liest sich wie die PR-Broschüre einer Lebensberatung. Auf dem Cover lächeln schöne Menschen zu schönen Schlagworten: "Missionen mit Bedeutung", "inspiriertes Denken". Drinnen vergleicht Vorstandschef Ralph Shrader sein Unternehmen mit einem guten Freund: "Sie können auf uns zählen."

Bisher sagte der Name Booz Allen Hamilton kaum einem Bürger etwas. Inzwischen weiß man, wer hinter den lächelnden Menschen steckt: Der private Vertragspartner des US-Geheimdienstes wurde unfreiwillig prominent, nachdem sich sein Mitarbeiter Edward Snowden outete, das US-Spionageprogramm Prism aufgedeckt zu haben.

Während die Jagd auf den untergetauchten Snowden beginnt, findet sich auch Booz Allen im Visier. Zu Recht: Der Milliardenkonzern aus Maryland steht im Mittelpunkt eines privaten Netzwerks, das die Cyber-Kriege der US-Regierung managt - ohne dass die Bevölkerung viel mitbekommt.

Fast ein Viertel aller Personen, die 2012 eine staatliche Sicherheitsstufe hielten, waren solche Leihspione. Michael Hayden, der frühere CIA- und NSA-Direktor, vergleicht das mit ähnlichen Arrangements des Pentagons: "Wie wär's mit einem digitalen Blackwater?", sagte er schon im Juli 2011 auf einer Konferenz in Aspen in Anspielung auf die Sicherheitsfirma, die sich als Söldnertruppe im Irak einen unrühmlichen Namen machte.

Wie das Militär delegieren auch die US-Geheimdienste - allen voran Snowdens Ex-Arbeitgeber NSA - ihre Schnüffelarbeit längst an die Privatwirtschaft. Und wie Blackwater, das alle Skandale überlebte und heute unter neuem Namen wieder einer der größten Pentagon-Partner ist, scheint auch der geheimdienstlich-militärische Komplex unaufhaltsam.

E-Mail-Zugang zum Präsidenten

Mit vergleichbaren Folgen. Der Fall Snowden ist nicht der erste, bei dem die Cyber-Söldner in Misskredit geraten: Datenlecks und finanzielle Unregelmäßigkeiten geistern oft auch durch ihre Machenschaften.

Der Boom der Mietspione begann nach den Terroranschlägen des 11. September 2001. Überwältigt von der plötzlichen Flut an elektronischen Abhör-Informationen, die der "Patriot Act" eröffnete, das damalige Anti-Terror-Gesetz, suchten die Geheimdienste private Unterstützung.

Einer der ersten Vertragspartner war Booz Allen. Die Auftragslage entwickelte sich so gut, dass das Cyber-Spionagegeschäft 2008 als eigenes Unternehmen ausgeliedert wurde. 2010 ging es erfolgreich an die Börse. 70 Prozent der Anteile hält heute der Finanzinvestor Carlyle - eine der weltgrößten Private-Equity-Firmen mit besten Verbindungen in Washington.

Im vergangenen Bilanzjahr machte Booz Allen 5,8 Milliarden Dollar Umsatz. Fast 99 Prozent stammten aus Regierungsaufträgen, 23 Prozent aus der Arbeit für die Geheimdienste.

Zwischen dieser Szene und den Partnerfirmen dreht sich ein lebhaftes Personalkarussell. Mehr als zwei Drittel der 25.000 Angestellten von Booz Allen haben "security clearance", sind also staatliche Geheimnisträger. Snowden prahlte, er habe sogar Zugang zu E-Mails von US-Präsident Barack Obama gehabt.

Cyber-Power an der Shopping-Mall

Booz Allen ist aber nur eines von vielen Unternehmen, die von dem privaten Spionagemarkt profitieren. Andere Beispiele sind:

• Der Luftfahrtkonzern Boeing macht über seine Tochter Narus mit, die das elektronische Rückgrat des NSA-Abhörsystems baute.

• Der Rüstungskonzern General Dynamics analysiert NSA-Ausspähdaten, betreut NSA-Netzwerke und baute das erste abhörsichere NSA-Handy.

• Die Softwarefirma Palantir erstellt Datensuchsysteme für die Geheimdienste.

• CACI vermittelt Leiharbeiter für die US-Sicherheitsbranche. Früher stellte das Unternehmen auch Dolmetscher für das berüchtigte irakische Gefängnis Abu Ghureib.

• Die IT-Firmen CSC und Logicon bauten das interne Kommunikationssystem der NSA auf. Logicon ist eine Tochter des Rüstungskonzerns Northrop Grumman, der seinerseits eine "Outsourcing-Partnerschaft" mit der NSA unterhält.

Viele dieser Akteure haben ihren Sitz in direkter Nachbarschaft der NSA-Zentrale in Maryland. "Die größte Konzentration von Cyber-Power auf dem Planeten ist die Kreuzung des Baltimore Parkway und der Maryland Route 32", scherzte Hayden in Aspen. In dem Gewerbepark an besagter Kreuzung, gegenüber einer Shopping-Mall, sitzt auch Booz Allen.

Einen Whistleblower in den eigenen Reihen zu haben, ist für diese Sicherheitsfirmen nun natürlich höchst peinlich. Image ist alles. Booz Allen hat sich bemüht, sich von Ed Snowden zu distanzieren: Die Berichte seien "schockierend".

Es half nichts: Am Montag stürzte die Aktie von Booz Allen steil ab, fing sich dann etwas und schloss mit einem Tagesverlust von 2,6 Prozent.

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1.
thinkrice 11.06.2013
Die Privatisierung der Sicherheitsdienste entspricht doch voll und ganz dem neoliberalen Denken der amerikanischen Elite. Eine weitere Möglichkeit sich auf Kosten der amerikanischen Bevölkerung zu bereichern und die eigenen Geschäfte unverhältnismässig auszuweiten. Die Amerikaner stürzen mit ihrem egoistischen Denken die Welt erneut in ein dunkles Zeitalter. Es wird Zeit, dass sich Deutschland und die EU von diesem neoliberalen Krebsgeschwür emanzipiert und eine eigene Vorstellung von einer gerechten Weltordnung und der darin herrschenden Regeln entwickelt. Wir dürfen es nicht zu lassen, dass immer größere Bereiche der Staatsaufgaben in das Interessenspektrum der Reichen 1% abgleiten, wenn wir eine erneute Feudalisierung verhindern wollen. Um die Macht der Konzerne einzuschränken, bedarf es dringend der Einhegung der Globalisierung und des Freihandels um die Unternehmen und ihre Eigner wieder haftbar zu machen und unter die Knute des Rechts zu zwingen.
2.
Mart-73 11.06.2013
Vielleicht etwas zu idealistisch doch wer die Menschen um sich lieb behandelt, dem wiederfährt fast nur Gutes. In unserem kleinen Maßstab funktioniert dies prächtig. Die Amerikaner bekämpfen seit Anbeginn doch nur Symptome, die Ursachen allen Übels aber nicht.
3. Schöne Neue Welt
belmot 11.06.2013
Wenn du im elektronischen Netz falschverstandene Scherze machst, wirst du mit einer ferngelenkten Drohen beim Einkaufen zufällig erschossen, Orwells Überwachungsstaat-Visionen waren transparenter, irgendwie menschlicher.
4. Loyalität
robin-masters 11.06.2013
lol wie dumm muss man sein. Ich bin selbst Zeitarbeiter und fühle mich bei Unternehmen immer wie 2. Klasse und man wird auch nicht selten so behandelt von anderen Kollegen und wer Zeitarbeit im Geheimdienst zulässt kann nur Amerikaner sein... lool. Bietet mir jemand Geld oder hab ich etwas Idealismus ist der Zeitarbeiter der erste der freimütig auspackt. Na ja die USA kranken an ihrem eigenem System - schön das wir das übernehmen und auch hier immer mehr Arbeitnehmer absolut null loyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber empfinden.... woher kommt das wohl?
5. Outsourcing
digitalturbulence2 11.06.2013
Zitat von sysopDPADer Mann, der das US-Spionageprogramm Prism aufgedeckt hat, arbeitete für eine unabhängige Vertragsfirma. Der Fall Edward Snowden zeigt, in welch riesigem Ausmaß sich die überforderten US-Geheimdienste auf private Mietspione verlassen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/prism-private-vertragsfirmen-spionieren-fuer-us-geheimdienst-a-904930.html
Mitarbeiter die über Outsourcing in Firmen arbeiten, haben einfach kein Cooperate Identity gefühl. Die externen Mitarbeiter fühlen sich halt nicht als Mitarbeiter wo sie eingesetzt werden. Das geht allen Unternehmen so die auf Outsourcing setzen.
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