Prism-Programm: Unternehmen befürchten Industriespionage der NSA

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Deutscher Maschinenbau: Sorge vor Industriespionage wächst

Die Datengier der NSA sorgt inzwischen auch für Alarmstimmung in der deutschen Wirtschaft. In den Verbänden wächst die Befürchtung, die Informationen könnten nicht nur zur Terrorbekämpfung dienen, sondern auch zur Industriespionage.

Berlin - Sie sind unersättlich: Beim Sammeln von Daten haben die IT-Experten vom US-Geheimdienst NSA jeden Rahmen gesprengt. Entsprechend groß ist jetzt der Argwohn, die privaten Informationen könnten auch zu ganz anderen Zwecken verwendet worden sein als nur zur Terrorabwehr - nämlich zur Wirtschaftsspionage.

Es sei ein Alarmsignal, dass offenbar auch EU-Institutionen vom US-Geheimdienst NSA abgehört werden, sagte der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union Hans Michelbach: "Die EU ist kein Unterstützer von Terroristen, wohl aber ein starker Konkurrent auf dem Weltmarkt." Es müsse daher befürchtet werden, dass die NSA und andere US-Nachrichtendienste nicht nur europäische Institutionen, sondern auch europäische und insbesondere deutsche Unternehmen gezielt ausspionierten, um den USA "unlautere Vorteile" zu verschaffen.

Angriffsziele gibt es genügend. Dazu gehören besonders jene Branchen, die große Summen für Forschung und Entwicklung ausgeben, in der Luft- und Raumfahrt oder der Satellitentechnik zum Beispiel. Auch die Rüstungs- und Automobilindustrie verfügen über teures Know-how. "Deshalb setzen ausländische Nachrichtendienste den gesamten Werkzeugkasten ihrer Ausspähinstrumente ein, um an sie zu gelangen", erklärt Deutschlands oberster Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen. "Die Unternehmen sollten im Auge haben, welche Folgen es haben kann, wenn sie bei der Verwaltung ihrer Daten mit einem ausländischen Partner zusammenarbeiten. Das jetzt bekannt gewordene US-Spähprogramm Prism hat die damit verbundenen Gefahren deutlich zutage treten lassen."

Ausspähaktionen schwer nachzuweisen

Die Nachrichten über den NSA-Abhörskandal lösen bei den Verbänden denn auch Alarmstimmung aus. "Die aktuellen Berichte über das Ausmaß der Überwachung und Speicherung von Daten durch die NSA sind auch aus Sicht der deutschen Industrie beunruhigend", erklärt Stefan Mair, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

"Nationale Dienste wie die NSA verfügen über Algorithmen, um geeignete Daten aus der Masse herauszufiltern", erklärt Rainer Glatz, der beim Verband der Maschinenbau-Unternehmen VDMA für die Datensicherheit zuständig ist. Deshalb sei die Sorge, dass auch Wirtschaftsspionage im Spiel sei, auf jeden Fall begründet.

Milliardenschäden durch Industriespionage

Auch der Bundesverband der mittelständischen Unternehmer ist misstrauisch. Mehr als 93 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen hätten bereits Schäden durch Sicherheitslücken im IT-Bereich erlitten, erklärte Verbandspräsident Mario Ohoven. Mehr als 1300 Weltmarktführer in Deutschland seien lohnende Zielen von Industriespionage, durch Konkurrenten ebenso wie durch ausländische Geheimdienste.

Auch wenn die Urheber im Dunkeln bleiben, ist der Schaden dafür umso spürbarer, wie eine Umfrage des Sicherheitsberaters Corporate Trust unter Mittelständlern und Großunternehmen zeigt. Danach sind die Unternehmen zwar immer noch in erster Linie vor Spionageangriffen aus Russland bedroht; doch immerhin 25,2 Prozent der entdeckten Angriffe kommen aus den USA - und nur 10,4 Prozent aus Asien.

Den Schaden beziffern die Verantwortlichen für das vergangene Jahr auf 4,2 Milliarden Euro. 2007 hatte die gleiche Befragung noch einen Schaden von 2,8 Milliarden Euro ergeben. Die Dunkelziffer ist jedoch viel höher. Experten schätzen die Gesamtsumme auf mehr als 20 Milliarden Euro. Die Zahlen belegten eindringlich, wie hoch das neue Bedrohungspotential durch Cyberwar tatsächlich sei, heißt es in der Studie. Und ein nicht unerheblicher Teil davon kommt aus den USA.

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insgesamt 172 Beiträge
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1. nee
Schweijk 02.07.2013
die werden doch nicht? Natürlich werden sie wenn sie die möglichkeit haben. Wollt ihr mich veräppeln?
2. Wenn die Wirtschaft sich sorgen macht...
ecce homo 02.07.2013
... dann wird es vielleicht doch noch etwas mit der Datensicherheit. Keine Vorratsdatenspeicherung, kein Klarnamenzwang, Förderung der Forschung nach Verschlüsselungsmechanismen und Anonymisierung. Datenschutz ist eben auch ein wirtschaftlicher Faktor.
3. Nein, ich will Powerpoint und Internet auf allen Rechnern...
frankasten 02.07.2013
das kommt dabei raus, wenn man nichts verstanden hat. Vernetzungen sind immer potenziell unsicher.
4.
herbert_schwakowiak 02.07.2013
Zitat von sysopDPADie Datengier der NSA sorgt inzwischen auch für Alarmstimmung in der deutschen Wirtschaft. In den Verbänden wächst die Befürchtung, die Informationen könnten nicht nur zur Terrorbekämpfung dienen, sondern auch zur Industriespionage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/prism-unternehmen-befuerchten-industriespionage-der-nsa-a-908867.html
Ach nee, fällt denen das auch schon auf? Haben die bisher geglaubt, es würden Milliarden ausgegeben, nur um Terroristen zu jagen? Die sind nur ein willkommener 'Beifang', weil durch sie die Ausgaben begründet werden, aber ohne die Industriespionage geht die Kosten-Nutzen-Rechnung einfach nicht auf. (Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Menschenleben, die geschützt werden müssen; die sind den USA doch egal, wie man weltweit sehen kann ..)
5. Intelligente Leute
Hans Bergman 02.07.2013
In der deutschen Indistrie müssen unwahrscheinlich intelligente Leute sitzen. Wie schnell die kapieren, was den USA wichtig ist. Es ist seit den 60er Jahren bekannt, dass die USA von ihren Stützpunkten aus deutsche Firmen ausspionieren.
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