Konjunktur Zahl der Privatinsolvenzen sinkt auf niedrigsten Stand seit zehn Jahren

Die gute Konjunktur lässt die Zahl der Pleiten in Deutschland deutlich zurückgehen. In diesem Jahr rutschten so wenige Deutsche in die Insolvenz wie zuletzt 2005. Bei den Unternehmen wurde gar ein Tiefstand erreicht.

Passanten in Stuttgart: deutlich weniger Privatinsolvenzen als im Vorjahr
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Passanten in Stuttgart: deutlich weniger Privatinsolvenzen als im Vorjahr


Die stabile Konjunktur sorgt für Rekordbeschäftigung und Lohnerhöhungen - und für einen erfreulichen Rückgang: In diesem Jahr sind erneut weniger Privatleute und Unternehmen pleitegegangen. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank auf den niedrigsten Stand seit 2005, bei den Unternehmen waren es so wenige wie noch nie seit der Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Konkret mussten in diesem Jahr 79.030 Verbraucher Insolvenz anmelden, das sind 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Es ist bereits der fünfte Rückgang in Folge. Creditreform nannte den robusten Arbeitsmarkt als Hauptgrund dafür, dass deutlich weniger Privatleute ihre Schulden nicht mehr bedienen konnten.

Insgesamt 23.230 Unternehmen mussten in diesem Jahr Insolvenz anmelden - weniger als im Vorjahr, der Rückgang bei den Firmen fiel jedoch weniger stark aus als bei den Privatleuten: Nachdem sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2014 noch um 8,0 Prozent verringert hatte, war es in diesem Jahr noch ein Minus von 3,3 Prozent. Gegenüber dem bisherigen Höchststand von 39.470 Unternehmenspleiten im Jahr 2003 verringerte sich die Zahl laut Creditreform um rund 41 Prozent.

Nicht nur der Rückgang bei der Anzahl der Pleiten ist erfreulich - zudem handelte es sich hauptsächlich um sogenannte Kleinstinsolvenzen. Nur wenige bekanntere Unternehmen wie der Baudienstleister Imtech Deutschland, die Handelskette Strauss Innovation oder der Kettcar-Hersteller Kettler mussten Insolvenz anmelden.

In der Folge fiel der mögliche Schaden aus Firmenzusammenbrüchen deutlich geringer aus als im Vorjahr. Die Forderungen der Gläubiger summierten sich auf insgesamt 19,6 Milliarden Euro nach 26,1 Milliarden im Jahr zuvor. Mit 225.000 Arbeitnehmern waren zudem fast 15 Prozent weniger von der Insolvenz des Arbeitgebers betroffen als 2014.

fdi/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
auf_dem_Holzweg? 08.12.2015
1. klar. Pleite gehen kann man sich...
ohne funktionierendes Sozialsystem einfach nicht mehr leisten. Dann lieber weitermachen - auch unterhalb des Existenzminimums. Warum bitte ist das ein Grund zu feiern?
bluebill 08.12.2015
2. Verständlich.
Die meisten sind eben schon in den Jahren davor pleite gegangen. Danach müssen sie dann erstmal ein paar Jahre pausieren, leben unter stark eingeschränkten Bedingungen und können natürlich nicht nochmal Pleite gehen. Je größer der Anteil dieser "aktuellen Pleitiers", umso weniger Leute können statistisch gesehen auch erneut pleite gehen. Toll.
objektivemeinung 08.12.2015
3. Wenn immer weniger...
...Menschen sich selbstständig machen können, ist das die logische Folge.Warum es aber immer weniger Selbstständige gibt und ob das gut ist für die deutsche Wirtschaft, sollte mal in einem ausführlichen Artikel dargestellt werden.
karlsiegfried 08.12.2015
4. Kein Grund zu jubeln
Falscher Ansatz. Der richtige Ansatz ist: Wie viel Unternehmen und/oder Private sind in den Jahren von bis in die Pleite gerutscht. Erst dann kann eine objektive Analyse und Bewertung vorgenommen werden. Alles andere ist Augenwischerei.
stroxy1 08.12.2015
5. Zahlen
Solche Zahlen haben doch sehr wenig Aussagekraft wenn man sie nicht ins Verhältnis setzt.
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