Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Protest gegen Millionenbonus: Bloggerin bedrängt Bankchef Nonnenmacher wegen 24 Euro

Von

Die Hamburgerin Kirsten Brodde hat die HSH Nordbank überfallen: Sie marschierte in eine Filiale des Kreditinstituts und forderte eine Barauszahlung - von Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher persönlich. Denn dessen Millionenbonus stehe eigentlich den Bürgern zu.

Erik Seemann

Hamburg - Die Polizei lässt nicht lange auf sich warten. Nur zehn Minuten nach dem Anruf der Sicherheitskräfte eilen drei Hamburger Polizisten in die Filiale der HSH Nordbank. Sie nehmen die Personalien von Kirsten Brodde und einigen Reportern auf - und ziehen wieder ab.

Denn strafbar hat Brodde sich nicht gemacht, sie wollte nur einen Barscheck einlösen - 24 Euro, kein hoher Betrag. Allerdings vom Konto des Bankchefs, vom Konto von Dirk Jens Nonnenmacher. Deshalb - und wegen des Kamerateams - herrscht große Nervosität unter den Angestellten. Ein bulliger Sicherheitsmann verweist Brodde des Hauses, eine Schalterangestellte kräht durch den Raum: "Die haben hier auch gefilmt." Die Filmaufnahmen zu verwenden, wird SPIEGEL ONLINE später untersagt.

Die Aktivistin Kirsten Brodde wusste vorher, dass es Ärger geben würde. Und sie hatte auch "ein wenig Bammel davor", gibt sie zu. Aber ihr Zorn auf den Bankchef sei größer gewesen: "Herr Nonnenmacher hat einen Bonus von 2,9 Millionen Euro eingesackt, obwohl die Stadt seine Bank mit Milliarden gerettet hat. Dieses Geld fehlt nun, und die Bürger leiden darunter." Die HSH Nordbank musste vor einem Jahr von Hamburg und Schleswig-Holstein vor dem Untergang bewahrt werden - mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und Bürgschaften in Höhe von zehn Milliarden Euro. Das hat die ohnehin desaströse Haushaltslage der Länder zusätzlich belastet.

Fotostrecke

6  Bilder
Aktivistin fordert: "Geld zurück, Herr Nonnenmacher"
Brodde hat sich konkret einen Posten aus dem Haushalt der Hansestadt ausgesucht - die Preiserhöhung im Öffentlichen Nahverkehr. "Ein Einzelfahrschein kostet nun fünf Cent mehr, das macht bei zwei Fahrten pro Tag aufs Jahr hochgerechnet 24 Euro. Dieses Geld möchte ich von Herrn Nonnenmacher wiederhaben."

Vor zwei Jahren Tchibo ausgetrickst

Die blonde Frau mit dem Regenbogenschal hat früher für Greenpeace gearbeitet, sie betreibt einen Blog zu Grüner Mode - und hat bereits 2008 mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Beim Kaffeeröster Tchibo bestellte sie T-Shirts mit der Aufschrift "Gefertigt für Hungerlöhne" und "Dieses T-Shirt hat ein Kind für Tchibo genäht". Zu ihrer Überraschung kam Tchibo der Bestellung umgehend nach, die Blamage für den Konzern war perfekt.

Der Erfolg hat Brodde Auftrieb gegeben, nach dem Kaffeekonzern hat sie nun Bankchef Nonnenmacher ins Visier genommen. "Es ist nötig, den Mächtigen auf die Pelle zu rücken", sagt sie bestimmt.

Dabei hatte sie sich eigentlich schon fast mit dem Millionenbonus für den Bankchef - Spitzname Dr. No - abgefunden. Die öffentliche Aufregung über die Sonderzahlung ebbte im Winter wieder ab. Doch dann verkündete der Hamburger Senat seine Sparpläne. Brodde sagt: "Ich habe mich durch 19 Seiten Haushaltsplan gequält und gemerkt: Das kommt dich richtig teuer zu stehen!" Kindergarten, Theater, Müll: Alles wird teurer, ohne dass die Bürger einen Mehrwert hätten.

"Geld zurück, Herr Nonnenmacher"

Auf ihrer Website sucht Brodde nun Mitstreiter für ihre Aktion "Geld zurück, Herr Nonnenmacher!". Wer mitmachen will, solle dem Bankchef einen Fahrschein schicken und die 24 Euro verlangen." Wenn jeder Hamburger, der Bus und Bahn fährt, das Geld von Nonnenmacher einfordere, müsste dieser 48 Millionen Euro zahlen. "So viel will ich aber gar nicht", sagt Brodde. "Es reicht schon, wenn er seinen Bonus an die Stadt zurückzahlt."

Doch das ist kaum zu erwarten. Nonnenmacher selbst war nicht bereit, mit SPIEGEL ONLINE über die Aktion zu sprechen. Auf Nachfrage erklärte eine Pressesprecherin schriftlich: "Natürlich können wir den Unmut der Initiatorin über die defizitäre Haushaltslage in Hamburg und die Auswirkungen auf Familien verstehen." Auf die Bank bezogen, treffe der Protest jedoch "die Sachlage nicht ganz". Man habe 2009 rund 300 Millionen Euro an Hamburg und Schleswig-Holstein gezahlt und werde in den kommenden Jahren sogar 400 Millionen Euro zahlen.

Und weiter heißt es in dem schriftlichen Statement: "Vergleichbar mit einer 'Versicherungsprämie' wird der Betrag für die uns gewährten Garantien gezahlt, ohne dass diese bislang in Anspruch genommen wurden. Zudem plant die Bank, neben den Gebühren für die Garantie ab 2012 wieder Dividende an die Länder zu zahlen."

Das Fazit der Pressesprecherin: "Bei einer wirklich fairen Betrachtung muss man feststellen, dass dies erhebliche Beträge sind, die den Ländern zufließen."

Obwohl der Schalterbeamte ihren Barscheck nicht mal entgegennehmen wollte, bezeichnet Brodde ihre Aktion als Erfolg. "Das habe ich auch gar nicht erwartet", sagt sie. "Aber vielleicht überlegt er es sich noch mal anders, wenn es mir genügend Leute nachmachen."

Diesen Artikel...
Forum - Sollten die Landesbanken geschlossen werden?
insgesamt 307 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
H.Ehrenthal, 28.02.2009
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Schließen wie Tür absperren? Oder in den Konkurs schicken? ALLE Unternehmen in "D", die überschuldet ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, sind insolvent! Fälle für den Konkursverwalter. Sinnlos, für jede Dönerbude einen eigenen Thread zu öffnen.
2.
E. Rolle, 28.02.2009
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Andere Frage, ging in Deutschland irgend ein Mensch davon aus, dass diese Landesbanken nicht in die Schieflage geraten? Die ganze Welt ließ unkontrolliert den Casinobetrieb laufen und wegen der gut funktionierenden Nachrichtenlage über zweistellige Gewinnmöglichkeiten, wollten natürlich ALLE mitmachen. Rettet nun die Canzlerin Merkel die HRE, muss konsequent JEDE Bank in Deutschland gerettet werden. Die Canzlerin hat nicht genau erklärt, warum sie die HRE rettet, also kann die nicht geäusserte Logik dann auch für jede Bankklitsche in Deutschland gelten, ob öffentliche oder private Bank. Gleiches Recht für alle, oder gilt das jetzt nicht mehr?
3.
Liberalitärer, 28.02.2009
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Abwickeln sofort, die Dinger sind nicht systemrelevant und fügen dem Finanzplatz Deutschland immensen Schaden zu, sei Jahren.
4.
M. Moore, 28.02.2009
Zitat von LiberalitärerAbwickeln sofort, die Dinger sind nicht systemrelevant und fügen dem Finanzplatz Deutschland immensen Schaden zu, sei Jahren.
So genommen sind keine Banken mehr systemrelevant, sie machen eh' alle was sie wollen und ordnen sich wegen der ihnen gegeben Liberalität in kein System mehr ein. Daher alle bis auf die Bundesbank schließen und abwickeln, die HRE und Commerzbank zuallererst.
5. Shut down... wir bezahlen nicht die Krise....
Bernhard Fischer 28.02.2009
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Schließt besser die EZB, die könnte auf Milliardenforderungen aus ihren Refinanzierungsgeschäften mit Geschäftsbanken sitzen bleiben. Danach kann man weiter sehen.....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: