Kürzungsbeschlüsse: Krawalle in Spanien bei Bergarbeiterprotesten

Schwere Ausschreitungen in Spanien: Tausende Menschen, darunter Hunderte Bergarbeiter, haben in Madrid gegen geplante Kürzungen protestiert. Mindestens fünf Demonstranten wurden festgenommen, mehrere wurden verletzt.

Madrid - Bei Demonstrationen von spanischen Minenarbeitern gegen Kürzungen im Steinkohlebergbau ist es in Madrid zu schweren Krawallen gekommen.

Tausende Menschen, darunter Hunderte Bergarbeiter aus Nordspanien, waren am Mittwochmorgen zum Industrieministerium in Madrid marschiert, um gegen die beschlossenen Kürzungen im Bergbau zu protestieren. Sondereinheiten der Polizei hatten das Gebäude zuvor abgeriegelt.

Einige Demonstranten bewarfen Polizeiwagen mit Steinen und Flaschen, als Polizeibeamte Videoaufnahmen von den Protestierenden machten, berichtet die Zeitung "El País". Mindestens fünf Demonstranten wurden nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE festgenommen. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Die Bergleute waren kurz nach Mitternacht nach einem gut zweiwöchigen Fußmarsch auf dem Platz Puerta del Sol im Zentrum Madrids eingetroffen. Die Arbeiter aus den nördlichen Regionen Asturien und Castilla-León waren vor eineinhalb Monaten in den Streik getreten.

Fotostrecke

9  Bilder
Wut in Spanien: Bergarbeiter protestieren gegen Kürzungen
Die Regierung in Madrid hat die Subventionen für den Bergbau im Rahmen ihrer Sparpolitik um mehr als 60 Prozent gekürzt. Die Bergarbeiter fürchten die Schließung der Minen infolge dieser Einschnitte.

In Sprechchören verurteilten die Kumpel die Sparpolitik der Regierung. Sie wollten nur darum bitten, die Subventionen nicht um 60, sondern lediglich um zehn Prozent zu zu kürzen, sagte ein 41-Jähriger, der die Hälfte seines Lebens im Bergbau gearbeitet hatte. "Wenn sie uns nicht anhören, kommen wir wieder - mit Dynamit", drohte er.

Am Mittwoch verkündete Spaniens Premier Mariano Rajoy weitere Einschnitte. Er will in den kommenden zweieinhalb Jahren bis zu 65 Milliarden Euro einsparen. Im Gegenzug soll die Mehrwertsteuer erhöht werden.

Ärztestreik in Portugal legt Kliniken lahm

Auch in Portugal gibt es Proteste gegen den Sparkurs der Regierung. Ein Ärztestreik legte am Mittwoch die Krankenhäuser im Land lahm. Die Mediziner protestieren gegen niedrige Gehälter und gegen die Kürzungen im Gesundheitssektor, die sich allein dieses Jahr auf rund zehn Prozent belaufen.

Medienberichten zufolge blieben die Abteilungen in den meisten Krankenhäusern und Gesundheitszentren geschlossen. Nur Notdienste seien besetzt gewesen. Über 400.000 Sprechstunden und 4300 Operationen würden bis Donnerstag ausfallen, berichtete der Fernsehsender TVI. Gewerkschaften sprachen vom bedeutendsten Protest in Portugal seit den Generalstreiks vom November 2011 und März dieses Jahres.

lei/AFP/dapd/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die jetzt noch grossspurig angekündigten
herr_kowalski 11.07.2012
Zitat von sysopSchwere Ausschreitungen in Spanien: Tausende Menschen, darunter hunderte Bergarbeiter, haben in Madrid gegen geplante Kürzungen protestiert. Mindestens fünf Demonstranten wurden festgenommen, mehrere wurden verletzt. Proteste der Bergarbeiter: Verletzte bei Demonstrationen in Spanien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843923,00.html)
65 Milliarden Ersparnis werden noch ganz andere "Reaktionen" auslösen.
2.
wulffleinwegdich 11.07.2012
die Gewalttätigkeiten werden eskalieren, alles nur eine Frage der Zeit. Die Spanier lassen sich von ihren Politikern nicht so ohne Weiteres einfach verkaufen wie wir von unseren.
3.
goldt 11.07.2012
Zitat von sysopSchwere Ausschreitungen in Spanien: Tausende Menschen, darunter hunderte Bergarbeiter, haben in Madrid gegen geplante Kürzungen protestiert. Mindestens fünf Demonstranten wurden festgenommen, mehrere wurden verletzt. Proteste der Bergarbeiter: Verletzte bei Demonstrationen in Spanien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843923,00.html)
In Spanien scheinen die Menschen noch nicht komplett von den Medien und deren Regierungspalaver verdummt zu sein. Es schließen sich Zehntausende den Protesten der Minenarbeiter in Madrid an, die Polizei antwortet mit Gummigeschossen sowie Knüppeln. Leider ist diese Solidarität zwischen den Menschen in Deutschland momentan unvorstellbar. Hier wird lieber nach noch weiter unten getreten...
4. Abwärtsspirale, neue Windung
t.h.wolff 11.07.2012
Diese Zumutungen werden mit einiger Verzögerung natürlich auch bei uns ankommen, mit dem Verweis auf die tapferen Sparanstrengungen der Südeuropäer und die neuen schlanken Staaten, bzw. vielmehr "profit center" der Südschiene. Eine neue Windung in der Abwärtsspirale der Lebens- und Arbeitsbedingungen der abhängig Beschäftigten wird die Folge sein, flankiert und verkauft durch allwöchentliche Desinformationsformate im Deutschen Farbfernsehen, die gebetsmühlenartig die neuen Errungenschaften preisen werden. Die Südeuropäer haben die Zeichen der Zeit erkannt, auch die Spaltung der Gesellschaft durch Konzentration auf einzelne Berufsgruppen scheint den Banken keinen Erfolg zu bringen.
5. Vollkommen richtig
Peter.Lublewski 11.07.2012
Zitat von goldtIn Spanien scheinen die Menschen noch nicht komplett von den Medien und deren Regierungspalaver verdummt zu sein. Es schließen sich Zehntausende den Protesten der Minenarbeiter in Madrid an, die Polizei antwortet mit Gummigeschossen sowie Knüppeln. Leider ist diese Solidarität zwischen den Menschen in Deutschland momentan unvorstellbar. Hier wird lieber nach noch weiter unten getreten...
Vollkommen richtig, für mich ist eine solche Solidarität in Deutschland ebenfalls unvorstellbar. Deshalb sehe ich für unser Land und unsere Zukunft auch besonders schwarz.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Spanien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 60 Kommentare
  • Zur Startseite


Wer den ESM noch ratifizieren muss
13 der 17 Euro-Länder haben den Rettungsfonds ESM bereits ratifiziert. Der Nachfolger des EFSF soll mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro Länder der Währungsunion unterstützen, die in finanzieller Not sind. Der ESM tritt in Kraft, wenn 90 Prozent des Stammkapitals erreicht sind. Da Deutschland einen Anteil von rund 27 Prozent besitzt, hat die Bundesrepublik ein Vetorecht. Folgende Länder haben den Vertrag noch nicht ratifiziert:
Deutschland
Bundestag und Bundesrat haben den ESM-Vertrag mit Zweidrittelmehrheit gebilligt. Für die Ratifizierung muss das Gesetz aber noch vom Bundespräsidenten unterschrieben werden. Dafür steht die Erlaubnis des Bundesverfassungsgerichts aus: Dieses verhandelt darüber, ob das Gesetz mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
Estland
Auch in Estland steht die Zustimmung der Verfassungsrichter noch aus. Die Entscheidung soll am Donnerstag, den 12. Juli, fallen.
Italien und Malta
In beiden Ländern müssen die Parlamente den ESM-Vertrag noch billigen.