Finanzprodukte: EU-Parlament kippt Provisionsverbot

Das EU-Parlament schont Finanzberater. Die ursprüngliche Forderung, Provisionen zu verbieten, wurde von Sozialdemokraten und Konservativen gekippt. "Eine Katastrophe für den Verbraucherschutz", schimpft der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold.

Brüssel - Verkäufer von Finanzprodukten können aufatmen. Im letzten Moment haben die EU-Parlamentarier ihre Forderung nach einem Verbot von Provisionen für die Vermittlung von Geldanlagen in einer entscheidenden Abstimmung fallengelassen. Sozialdemokraten und Konservative setzten durch, dass eine umfassende Offenlegung der Provisionen ausreichen soll. Sie erhielten für ihren Antrag im zuständigen Ausschuss für Währung und Wirtschaft die nötige Zustimmung.

Damit hebelten sie vor allem die von den Grünen ausgefochtene Verschärfung wieder aus. Der Verhandlungsführer der Grünen, Sven Giegold, zeigte sich am Donnerstag verärgert. "Das Ergebnis ist für den Verbraucherschutz auf dem Finanzmarkt eine Katastrophe", wetterte er.

Dass Fraktionen von dem mit allen Gruppierungen ausgehandelten Kompromiss abweichen und in letzter Minute Änderungsanträge einbringen, ist ungewöhnlich. Der Rest der gemeinsamen Verhandlungsposition für die Gespräche mit den Regierungen wurde einstimmig verabschiedet, darunter auch eine Mindesthaltefrist für Börsenaufträge, die den Hochfrequenzhandel begrenzen soll. Das fast 400-seitige Dokument soll im Oktober vom Gesamt-Parlament abgesegnet werden. Die Verhandlungen mit den Regierungen sollen noch in diesem Jahr beginnen, damit die Richtlinie Mifid II wie geplant 2014 in Kraft treten kann.

Die Grünen wollen nun dafür kämpfen, die Änderungen der letzten Minute nochmals zu korrigieren "bis der Text im Plenum abgestimmt wird". Die Chancen für einen Erfolg gelten als begrenzt. Giegold warf den Sozialdemokraten und Konservativen vor, mit ihrem Vorschlag noch hinter den bisherigen Vorgaben zurückzubleiben. "Das ist deutlich schwächer als die aktuell geltenden Regeln aus Mifid I", betonte Giegold. Ein Verbot sollte verhindern, dass die Vermittler von Geldanlagen um des eigenen finanziellen Vorteils willen die Kunden falsch beraten.

cte/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Dann aber immer und überall!
Emmi 27.09.2012
"Ein Verbot sollte verhindern, dass die Vermittler von Geldanlagen um des eigenen finanziellen Vorteils willen die Kunden falsch beraten." Das müsste dann aber überall gelten, wo Provisionen gezahlt werden. Wenn ein Autoverkäufer für ne A-Klasse 1000 € Provision und für ne E-Klasse 3000 € Provision kriegt (Phantasiewerte) - welches Auto wird er mir dann wohl vorrangig zu verkaufen versuchen!? Und wäre das dann auch in meinem Sinne!?
2. Der vergleich hinkt etwas, aber...
qft 27.09.2012
Der vergleich würde passen, wenn für A- und E-Klasse nicht auch der Gesamtkaufpreis, sondern nur die monatliche Rate auszuweisen wäre. Die überhöhte Restrate wäre dann das Ergebnis der Falschberatung: Bei den Finanzprodukten wird es vielmehr so sein, dass geringprovisionierte Angebote garnicht erst vorgestellt, wenn nicht gar unterschlagen werden. Dann wären nur bestimmte Finanz"produkte" zu verkaufen. Da haben die Lobbyisten wieder fleißig gearbeitet. Oder - die Politiker waren wieder mal dumm, weil sie offensichtlich nicht wissen, wie das wahre Leben aussieht.
3. Um Gottes Willen!
blattmacher_i 27.09.2012
Provisionen sind die Heilige Kuh der Banken und Versicherungen. Vertrieb, as sind die Leuten, denen wirklich Respekt gebührt weil sie den "Anlegern" immer wieder den gleichen Mist in neuen Verpackungen andrehen. Vertrieb ist eine Macht. Die großen Gesellschaften brauchen die Drücker. Sonst würden sich am Ende noch Produkte durchsetzen, von denen der Verbraucher profitiert.. undenkbar!
4. ???
zudummzumzum 27.09.2012
Zitat von qftDer vergleich würde passen, wenn für A- und E-Klasse nicht auch der Gesamtkaufpreis, sondern nur die monatliche Rate auszuweisen wäre. Die überhöhte Restrate wäre dann das Ergebnis der Falschberatung: Bei den Finanzprodukten wird es vielmehr so sein, dass geringprovisionierte Angebote garnicht erst vorgestellt, wenn nicht gar unterschlagen werden. Dann wären nur bestimmte Finanz"produkte" zu verkaufen. Da haben die Lobbyisten wieder fleißig gearbeitet. Oder - die Politiker waren wieder mal dumm, weil sie offensichtlich nicht wissen, wie das wahre Leben aussieht.
Die Mehrzahl der Neuwagen wird schon lange nicht mehr gegen Bares verkauft, sondern geleast, finanziert, ... Würde man die Auflagen, die gegen die Finanzbranche gefordert werden, auf den übrigen Konsum anwenden, gäbe das ein lustiges Bild: Kellner im Restaurant müsse dann von der Lasagne abraten: "So, wie Sie aussehen, wäre für Sie der Salat ohne Dressing viel angemessener." Und in der Boutique müsste die Verkäuferin anraten, dass in Anbetracht des übrigen Aussehens doch der Jutesack viel besser zum Persönlichkeitsprofil passt als dieser Rock. Und der Wohnungsmakler dürfte niemals (!) zu der Wohnung raten, die er dem Kunden zeigt. Finanzprodukte sind Produkte wie andere auch. Also - warum nicht auch gegen Provision verkaufbar?
5. Applaus!
snickerman 27.09.2012
An die gut organisierten Lobbyisten, die wieder mal gewonnen haben. Zeigt immer wieder schön, wer in der EWG das Sagen hat...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Geldanlage
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare