Provokation Sarrazin empfiehlt Griechenland die Insolvenz

Die Bundesregierung streitet mit der EU-Kommission über Finanzhilfen für Griechenland. Thilo Sarrazin hält davon gar nichts: Das Bundesbank-Vorstandsmitglied rät zur Insolvenz des hoch verschuldeten Landes - als abschreckendes Beispiel.

Thilo Sarrazin: "Wieso soll es den Euro beeinträchtigen, wenn Griechenland insolvent geht?"
ddp

Thilo Sarrazin: "Wieso soll es den Euro beeinträchtigen, wenn Griechenland insolvent geht?"


Berlin - Zuletzt hat er die Hartz-IV-Debatte in Deutschland mit provokanten Thesen befeuert. Nun mischt sich Thilo Sarrazin in den Griechenland-Streit ein. Das Vorstandsmitglied der Bundesbank legt dem hoch verschuldeten Land die Insolvenz nahe, sollte es am Kapitalmarkt kein Geld mehr bekommen. "Dann muss Griechenland das tun, was jeder Schuldner tut - es meldet eben Insolvenz an", sagte Sarrazin den "Salzburger Nachrichten".

Der Ex-Finanzsenator von Berlin hatte sich im vergangenen Jahr kritisch über Türken und Araber geäußert und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Am Montag gab die SPD bekannt, dass er trotz seiner "problematischen" Äußerungen über die "Produktion von Kopftuchmädchen" in der Partei bleiben dürfe, einen Ausschluss lehnte das Schiedsgericht ab.

Nun erteilt Sarrazin den europäischen Regierungschefs, die sich in der kommenden Woche in Brüssel treffen, Ratschläge zum Thema Griechenland. Eine Insolvenz wäre ein "abschreckendes Beispiel für alle übrigen unsoliden Staaten", sagte er den "Salzburger Nachrichten". Länder wie Deutschland oder die Niederlande würden solche Probleme dagegen nicht bekommen, "weil sie eine andere Mentalität haben", behauptet Sarrazin. "Wir werden es am Ende immer irgendwie schaffen, unsere Haushalte solide zu gestalten."

Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands würde indes keinen negativen Einfluss auf den Euro haben, sagte Sarrazin. "Dass General Motors in die Insolvenz gegangen ist, hat den Dollar nicht beeinträchtigt. Wieso soll es den Euro beeinträchtigen, wenn Griechenland mit 300 Milliarden Euro insolvent geht?"

Das Land müsse dann mit seinen Gläubigern über Schuldverzicht oder Zinsaussetzungen verhandeln. Zudem habe Griechenland noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um seinen Haushalt im Laufe der kommenden Jahre zu sanieren. "Das heißt, es besteht gar keine Notwendigkeit über Hilfen nachzudenken", sagte Sarrazin der Zeitung.

EU-Kommission erhöht den Druck auf Merkel

Die EU-Kommission erwartet dagegen von dem Gipfeltreffen eine politische Aussage zu europäischen Hilfen für Griechenland. Die EU müsse in der kommenden Woche "einen europäischen Rahmen für koordiniertes und konditioniertes Handeln" schaffen, falls Griechenland Hilfe brauche, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Die Kommission werde technische Vorarbeiten dazu leisten.

Laut dem griechischen Ministerpräsident Georgios Papandreou steht das Land lediglich "einen Schritt" davor, keine Kredite mehr aufnehmen zu können. Es gebe jedoch große Bemühungen, diese Entwicklung umzukehren, sagte Papandreou am Freitag. Griechenland dürfe nicht für Jahrzehnte Wucherzinsen zahlen und auf diese Weise in eine tiefe Rezession getrieben werden.

Kanzlerin Angela Merkel setzt weiterhin darauf, dass die Griechen es alleine schaffen. Im Notfall sei eine Mithilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) aber nicht ausgeschlossen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin. Jeder Staat könne selbst entscheiden, ob er die Hilfe des IWF in Anspruch nehme.

Wilhelm sagte, die Bundesregierung vertraue darauf, dass Griechenland seine Probleme selbst lösen könne. Entscheidungen über Hilfen für Athen stünden daher nicht an. Es gelte nach wie vor das Ergebnis des EU-Finanzministertreffens, dass es "keine Notwendigkeit zum Handeln" gebe.

cte/Reuters/ddp/AFP



Forum - Sollen die Euro-Länder Griechenland helfen?
insgesamt 2086 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tom_hwi, 13.03.2010
1.
Zitat von sysopDie offiziellen Stellen geben sich bedeckt - doch zahlreiche Zeitungen und Nachrichtenagenturen berichten mit Blick auf die Griechenland-Krise von einer wichtigen Entscheidung, die schon bald fallen soll: Demnach basteln die Euro-Länder an einem milliardenschweren Notfallpaket für Athen, obwohl dies der EU-Vertrag nicht vorsieht. Wäre die Hilfsaktion der richtige Weg?
Nein, es wäre der falsche Weg. Das das nicht im EU-Vertag vorgesehen ist, hat seinen Grund. Dann könnte dieses milliardenschwere Notfallpaket so verstanden werden, dass weitere potentielle Pleite-Kanditaten die Sache nicht so ernst nehmen, da ja im Notfall die anderen EU-Staaten einspringen werden.
Wolfghar 13.03.2010
2.
Zitat von tom_hwiNein, es wäre der falsche Weg. Das das nicht im EU-Vertag vorgesehen ist, hat seinen Grund. Dann könnte dieses milliardenschwere Notfallpaket so verstanden werden, dass weitere potentielle Pleite-Kanditaten die Sache nicht so ernst nehmen, da ja im Notfall die anderen EU-Staaten einspringen werden.
Es kommt wie es kommen muss. Im EU Vertrag ist vieles nicht vorgesehen was dieses künstliche Frankensteingeschöpf EU mit sich bringt. Wir werden ganz konkret leiden für dieses Machwerk. Mit Geldentwertung und hoher Arbeitslosigkeit.
harrold, 13.03.2010
3.
Zitat von sysopDie offiziellen Stellen geben sich bedeckt - doch zahlreiche Zeitungen und Nachrichtenagenturen berichten mit Blick auf die Griechenland-Krise von einer wichtigen Entscheidung, die schon bald fallen soll: Demnach basteln die Euro-Länder an einem milliardenschweren Notfallpaket für Athen, obwohl dies der EU-Vertrag nicht vorsieht. Wäre die Hilfsaktion der richtige Weg?
Mitten im Sturm soll man nicht umdrehen. Wenn die Ampel grün ist und man überquert sie und dann wird sie rot, soll man weitergehen.
GerwinZwo 13.03.2010
4. Klare
klare Antwort: nein, nein und nochmals nein. Sollte es dazu kommen hoffe ich nur inständig, dass sich jemand findet, der diese Tollheit vor den Gerichten zu Fall bringt. Hoffe, die "4 Musketiere" stehen bereit....
woscho 13.03.2010
5. EU-Hilfspaket für Griechenland ist fast fertig
Zitat von sysopDie offiziellen Stellen geben sich bedeckt - doch zahlreiche Zeitungen und Nachrichtenagenturen berichten mit Blick auf die Griechenland-Krise von einer wichtigen Entscheidung, die schon bald fallen soll: Demnach basteln die Euro-Länder an einem milliardenschweren Notfallpaket für Athen, obwohl dies der EU-Vertrag nicht vorsieht. Wäre die Hilfsaktion der richtige Weg?
*Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln.* Jetzt ist der überdehnte, aufgeblähte bunte Bürokratenhaufen in Brüssel ganz meschugge geworden. Und unsere Noch-Regierung mit dazu. Einmal muss sich Griechenland selbst retten durch drastische Sparmaßnahmen, dann wird diesem bedenklichen Staatswesen Geld nachgeworfen in Form von Rettungspaketen. Mit der Wurst nach dem Einwickelpapier werfen, nennt man diese Gedankenlosigkeit. Allen Warnungen von Experten zum Trotz, weiteres Geld in den Rachen der korrupten Regierungen Griechenlands zu werfen, wäre ein Anreiz anderer Länder sorgenfrei unnötig Geld auf den Kopf zu hauen - über die Verhältnisse zu leben. Die Pfeifen der Regierenden überholen sich ständig mit immer größeren Blödheiten. Man kommt sich langsam vor, wie in einem riesigen, landesumfassenden Bezirkskrankenhaus - sprich Heilanstalt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.