Prozess gegen Trader Adoboli: UBS-Zocker plädiert auf "nicht schuldig"

Wer hat die Milliarden verzockt? Im Prozess um den Handelsskandal bei der UBS plädiert der angeklagte Ex-Spekulant Kweku Adoboli auf "nicht schuldig". Die Anklage wirft ihm Betrug und Bilanzfälschung vor.

Kweku Adoboli 2011 vor Gericht in London: Mangelnde interne Kontrollen? Zur Großansicht
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Kweku Adoboli 2011 vor Gericht in London: Mangelnde interne Kontrollen?

London - Mit riskanten Geschäften soll der ehemalige UBS-Investmentbanker Kweku Adoboli Milliarden versenkt haben. Jetzt behauptet er, es gar nicht gewesen zu sein: Vor einem Gericht in London plädierte er am Montag auf "nicht schuldig". Damit wies der 31-Jährige die Vorwürfe des Betrugs und der Bilanzfälschung zurück.

Laut Anklage soll der aus Ghana stammende Adoboli die größte Schweizer Bank zwischen 2008 und 2011 mit nicht genehmigten Transaktionen um 2,3 Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) gebracht haben. Der Skandal führte Ende September 2011 zum Rücktritt des damaligen Bank-Chefs Oswald Grübel.

Seit Mitte September sitzt Adoboli bereits in Untersuchungshaft. Er äußerte sich bisher bei mehreren Gerichtsterminen nicht konkret zu den Vorwürfen. Beobachter gehen davon aus, dass in dem Prozess auch das Handels-Überwachungssystem der UBS zur Sprache kommen wird. Der Angeklagte hatte bei UBS im Rang eines Direktors im Handel mit sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) gearbeitet. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Gefängnis.

Die Bank erklärte, der Verlust resultiere aus unerlaubten Spekulationen in den vorangegangenen drei Monaten. Man sei dem Händler aber bereits auf der Spur gewesen, als sich dieser am 14. September offenbart habe, erklärte die UBS weiter. Kundengeld sei bei der Fehlspekulation nicht verloren gegangen. Die Schweizer Regulierungsbehörde FINMA und ihr britisches Pendant wollen trotzdem prüfen, ob die Bank wegen mangelnder interner Kontrollen belangt werden kann.

Die UBS Chart zeigen hat wegen der Finanzkrise in den vergangenen Jahren schwere Zeiten erlebt. Von 2007 bis 2008 hatte die Bank Verluste von knapp 28 Milliarden Franken angehäuft und musste sogar vom Schweizer Staat gerettet werden. Im ersten Halbjahr 2011 sank der Gewinn vor Steuern aus dem operativen Geschäft knapp um ein Drittel auf 3,9 Milliarden Franken. Zuletzt vermeldete die Schweizer Großbank wieder einen Überschuss in Milliardenhöhe - der kam allerdings durch einen Bilanzierungskniff zustande.

Zur Zeit steht Sergio Ermotti an der Konzernspitze. In diesem Jahr soll der ehemalige Bundesbank-Chef Axel Weber an die Spitze des Verwaltungsrats der UBS wechseln

vks/dpa/Reuters/AP

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