Stromkrise nach Hurrikan Puerto Rico kündigt Vertrag mit seltsamer Zwei-Mann-Firma

Ein Zwei-Mann-Unternehmen bekommt einen 300-Millionen-Dollar-Vertrag, um das vom Hurrikan zerstörte Stromnetze in Puerto Rico aufzubauen. Dass die Firma Beziehungen zum US-Innenminister hat, soll reiner Zufall sein.

Aufräumarbeiten in Puerto Rico
AFP

Aufräumarbeiten in Puerto Rico


Mehr als einen Monat nach dem Hurrikan "Maria" ist die Karibikinsel Puerto Rico noch immer weitgehend ohne Strom. Jetzt hat die staatliche Elektrizitätsgesellschaft den Vertrag mit der Firma gekündigt, die die Versorgung wiederherstellen sollte.

Gouverneur Ricardo Rosselló Nevares hatte bereits am Sonntag die Kündigung des teuren Vertrags mit dem US-Unternehmen WhitefishEnergy im US-Bundesstaat Montana verlangt. Das Volumen betrug 300 Million Dollar - die Firma WhitefishEnergy hatte aber bis zum Vertragsschluss nur zwei Angestellte.

Der Vertrag erregte zudem Aufsehen, weil WhitefishEnergy ihren Firmensitz in der Heimat von US-Innenminister Ryan Zinke hat. Zinke und der Manager der Energiefirma kennen sich zudem, der Sohn des Ministers hatte dort mal einen Job in den Sommerferien, berichtet die "New York Times". Zinke teilte mit, er habe nichts mit der Vertragsvergabe zu tun gehabt.

Puerto Rico ist ein hoch verschuldetes US-Außengebiet. Am 20. September hatte Hurrikan "Maria" die Insel schwer verwüstet. Die Stromversorgung für die 3,4 Millionen Einwohner ist seitdem weitgehend zusammengebrochen. Einwohner versuchen, mit Generatoren für ein paar Stunden am Tag Strom zu erzeugen. Fast alle Hotels sind geschlossen, da es keine Möglichkeit gibt, die Klimaanlagen bei der tropischen Hitze zu betreiben. Auch Internet und Telefon funktionieren nur notdürftig.

Rosselló hat versprochen, dass bis Weihnachten 95 Prozent der Insel wieder Strom haben sollen - die Kündigung des Vertrags könnte diese Pläne nun durchkreuzen. WhitefishEnergy hatte Anfang Oktober mit den Arbeiten begonnen und 300 Arbeiter angeheuert.

Die Einwohner der östlich der Dominikanischen Republik liegenden Karibikinsel sind US-Bürger. Es hatte zuletzt massive Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump gegeben, er organisiere nicht genug Hilfe. Zudem sorgte eine Aktion während eines Besuchs in Puerto Rico für Stirnrunzeln: Im Stile eines Basketballspielers warf Trump Küchenpapierrollen in die Menge und feierte sich als Krisenmanager.

ssu/dpa/Reuters



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