Russische Wirtschaft Putin will Abhängigkeit vom Dollar verringern

Der Westen schränkt den Handel mit Russland ein, doch das hält Präsident Putin für "ausgesprochen dumm". Heimische Unternehmen könnten auch mit Geschäften in anderen Regionen wachsen. Dort sollen sie nicht länger mit Dollar zahlen.

Präsident Wladimir Putin: "Ich muss nur lächeln"
DPA/ RIA Novosti/ Kreml

Präsident Wladimir Putin: "Ich muss nur lächeln"


Moskau - Die russische Wirtschaft soll ihre Abhängigkeit vom Westen und dem Dollar verringern. Mit dieser Botschaft ist Präsident Wladimir Putin auf einer Investorenkonferenz aufgetreten. Die Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts seien "ausgesprochen dumm" und hielten Russland nicht davon ab, wirtschaftlich stark zu werden, sagte er.

Auf Befürchtungen von einigen Unternehmern, die Sanktionen trieben Russland in die Isolation, erwiderte er vor einer Frage-und-Antwort-Runde: "Ich muss nur lächeln, um zu zeigen, dass der Teufel nicht so beängstigend ist, wie er scheint." Russland sei Teil der Weltwirtschaft und halte sich im Gegensatz zu anderen an die Regeln. Er hoffe, dass die Zeit der Missverstände bald zu Ende sei.

Putin ermutigte die Firmen, ihre Fühler weiter in den Osten auszustrecken. Vor allem China hob er hervor. Im Handel mit China und anderen Ländern solle künftig mit den jeweiligen nationalen Währungen bezahlt werden. Das sei ein ernsthaftes Instrument, um Risiken zu drosseln. Im weltweiten Handel dominiert bislang der Dollar.

Kapitalverkehr soll nicht eingeschränkt werden

Verstaatlichungen von Firmen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion privatisiert worden waren, stünden nicht auf der Agenda, bekräftigte Putin. Er versicherte zudem, trotz des Kursverfalls des Rubels keine Schranken gegen Kapitalflucht zu setzen. "Wir planen nicht, irgendwelche Beschränkungen für Devisen oder für Kapitalbewegungen einzuführen", sagte er. Der Rubel war diese Woche auf ein Rekordtief zum Dollar gefallen.

Auch die russische Zentralbank bekräftigte, sie wolle Devisenflüsse nicht begrenzen. Selbst wenn der Ölpreis im Extremfall auf 60 Dollar je Barrel sinken sollte, sei dies keine Option, sagte Notenbank-Chefin Elwira Nabiullina am Rande der Konferenz. Laut Experten droht Russland bei einem solchen Preissturz eine tiefe Rezession. Das Öl- und Gasgeschäft macht rund die Hälfte der Staatseinnahmen in dem rohstoffreichen Schwellenland aus.

Die Regierung geht bei ihren Haushaltsplanungen von einem Ölpreis von 100 Dollar aus. Die in Russland hauptsächlich geförderte Sorte hat sich jedoch bereits auf rund 90 Dollar verbilligt. Der Preisverfall sorgte am dortigen Aktienmarkt für Verkäufe und drückte den Leitindex der Moskauer Börse am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten.

dab/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leser1000 02.10.2014
1. Gezwungenes Lächeln?
Beweisen kann man´s nicht oder vielleicht irre ich mich. Aber ich habe seit geraumer Zeit den Eindruck die westliche Geschlossenheit (vielleicht weniger die Sanktionen) wirken. Moskau ist in einer Entscheidungsphase. Ich hoffe, dass die Entscheidung konstrukitv ausfallen wird. Dann erledigt sich alles andere.
cirkular 02.10.2014
2. Moskau wird sich vom Westen abwenden
Zitat von Leser1000Beweisen kann man´s nicht oder vielleicht irre ich mich. Aber ich habe seit geraumer Zeit den Eindruck die westliche Geschlossenheit (vielleicht weniger die Sanktionen) wirken. Moskau ist in einer Entscheidungsphase. Ich hoffe, dass die Entscheidung konstrukitv ausfallen wird. Dann erledigt sich alles andere.
und sich im Rahmen der BRICS-Staaten weiterentwickeln. Deutschland wird sich mit der EU den Vorstellungen der USA unterordnen, bis das Land geplündert ist.
minipli 02.10.2014
3. Moskau
kann versuchen die Abhängikeit vom Dollar zu verringern, aber technologische Produkte wird es immer benötigen, egal welche Währung gerade aktuell ist. Vermutlich wird der Preis in Knöpfen höher als der in Gold sein.
Leser1000 02.10.2014
4. Auch eine denkbare Option
Zitat von cirkularund sich im Rahmen der BRICS-Staaten weiterentwickeln. Deutschland wird sich mit der EU den Vorstellungen der USA unterordnen, bis das Land geplündert ist.
..dann werden sich die westlichen Unternehmen halt umorientieren. Die systentragenden Firmen sind auch im kalten Krieg nicht Pleite gegangen. Ich bin schon etwas älter. Mir fehlt allerdings eine Erinnerung daran, dass es uns in den letzten 50 Jahren schlecht gegangen ist. Wer hatte doch aus der DDR die Industrieanlgen abtransportiert? Ist mir gerade entfallen. Plünderung? Mir fällt allerdings gerade der Marshall-Plan ein, der sich gegen den abstrusen Morgentau-Plan durchgesetzt hat, letztlich zum Wohle Westdeutschlands- und West-Berlins. Andere haben nach 50 Jahren Konkurs angemelden müssen.
cirkular 03.10.2014
5. Ohne die Billigproduktion im Osten
Zitat von Leser1000..dann werden sich die westlichen Unternehmen halt umorientieren. Die systentragenden Firmen sind auch im kalten Krieg nicht Pleite gegangen. Ich bin schon etwas älter. Mir fehlt allerdings eine Erinnerung daran, dass es uns in den letzten 50 Jahren schlecht gegangen ist. Wer hatte doch aus der DDR die Industrieanlgen abtransportiert? Ist mir gerade entfallen. Plünderung? Mir fällt allerdings gerade der Marshall-Plan ein, der sich gegen den abstrusen Morgentau-Plan durchgesetzt hat, letztlich zum Wohle Westdeutschlands- und West-Berlins. Andere haben nach 50 Jahren Konkurs angemelden müssen.
wäre der Wohlstand im Westen auch geringer ausgefallen. Was heute aus China kommt, kam damals aus der DDR. In der französischen Zone gab es im übrigen auch zahlreiche Demontagen von Industrieanlagen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.