Quartalswachstum: Deutsche Wirtschaft ist so stark wie vor der Krise

Der Aufschwung in Deutschland zeigt sich wieder mit voller Wucht: Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit sind die Unternehmen so stark wie in der Vorkrisenzeit Anfang 2008.

Arbeiter im Stahlwerk: Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten Zur Großansicht
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Arbeiter im Stahlwerk: Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten

Wiesbaden - Diese Zahlen sind überraschend und erfreulich zugleich: Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlich stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorquartal um 1,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Damit wurde das Vorkrisenniveau von Anfang 2008 bereits jetzt wieder überschritten.

Im Vorjahresvergleich legte die Wirtschaftsleistung sogar so stark zu wie noch nie seit der Wiedervereinigung: Gegenüber dem ersten Quartal 2010 berechneten die Statistiker ein Plus von preisbereinigt 5,2 Prozent. Im Krisenjahr 2009 war die Konjunktur um 4,7 Prozent abgestürzt, 2010 um 3,6 Prozent gewachsen.

Wachstumstreiber sei zum Jahresauftakt vor allem die Binnenwirtschaft gewesen: Besonders dynamisch stiegen die Investitionen von Industrie und Baubranche, aber auch der Konsum. Die Exporte kletterten ebenfalls weiter. Insgesamt sei der Außenbeitrag aber geringer gewesen als der inländische Anteil am Wachstum.

Volkswirte hatten nur ein Plus der Wirtschaftsleistung von bis zu einem Prozent im Vergleich zum Vorquartal erwartet. Die Bundesregierung ging sogar nur von einem Wachstum von 0,8 Prozent aus. Die Wirtschaft zog auch wegen starker Nachholeffekte etwa am Bau an, nach dem witterungsbedingt etwas schwächeren Quartalsplus von 0,4 Prozent Ende 2010.

Wirtschaftsweiser: Jahresplus vielleicht über drei Prozent

Fachleute rechnen damit, dass sich das deutsche Wachstum im zweiten Quartal verlangsamen wird. Die Gründe sind vielfältig: Die Weltwirtschaft verliert an Schwung, zudem belasten die steigenden Preise. Um die Inflation in den Griff zu bekommen, hatte die Europäische Zentralbank bereits im April die Zinsen erstmals seit der Finanzkrise angehoben.

Die Bundesregierung rechnet im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 2,6 Prozent, die führenden Forschungsinstitute mit einem Plus von 2,8 Prozent. Der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rechnet sogar damit, dass sich das Wachstum beschleunigt. "Der Einstieg ins Jahr 2011 ist hervorragend gelungen", sagte Rösler. Die Zahlen belegten, dass die deutsche Wirtschaft weiter an Fahrt gewinnt. "Deutschland ist der Wachstumsmotor unter den Industrieländern - und das nicht nur in Europa."

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz hält jetzt sogar ein Wachstum von mehr als drei Prozent für möglich. "Wir sind sehr schnell aus der Krise des Jahres 2009 herausgekommen - unerwartet schnell, unerwartet kräftig. Und so geht es in diesem Jahr weiter", sagte Franz im ARD-Morgenmagazin. So hätten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute das deutsche Wachstum in diesem Jahr jüngst auf 2,8 Prozent geschätzt. "Vielleicht, mit ein bisschen Glück, können wir sogar eine drei vor dem Komma haben", sagte er.

Fraglich ist jedoch, wie sehr sich die Euro-Krise noch ausweitet - und womöglich das deutsche Wachstum belastet. Der Internationale Währungsfonds hatte am Donnerstag vor einer Ausweitung der Schuldenkrise gewarnt und eine gemeinsame Finanzpolitik der Partner gefordert.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 239 Beiträge
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1. Aw
nemesis001 13.05.2011
Solange ich das nicht in meinem Geldbeutel bemerke werde ich wenig tun um die Wirtschaft weiter anzukurpel. Dienst nach Vorschrift, mehr nicht!
2. Und wenn es darum geht....
Roueca 13.05.2011
...mehr Lohn zu zahlen, oder die Sklavenhaltung abzuschaffen, dann, ja dann jammern Unternehmer zusammen mit der Regierung, daß das Wachstum ja ein ach so zartes Pflänzchen sei, welches der faule Arbeiter doch ja nicht zertreten soll, sondern Verzicht ist angesagt, denn nur dann kommt Deutschland weiter, nur dann bleiben wir Exportweltmeister, nur dann, wenn endlich jeder Arbeiter umsonst arbeitet ist das Ziel erreicht!
3. Der Artikel in Kurzform
endbenutzer 13.05.2011
Und jetzt noch mal der Artikel in Kurzform : Freut euch gefälligst, dass die Wirtschaft brummt, aber kommt jetzt nur nicht auf die Idee, auch noch mehr Lohn zu fordern. Schließlich ist immer irgendwo Krise...
4. ++++
hornbeam 13.05.2011
Der Großwirtschaft und den Millionären geht es immer gut. Dafür sorgt schon die Politik.
5. ...
Mike Mail 13.05.2011
Dererlei Jubelartikeln gehe ich nicht mehr auf den Leim. Für mich zählt, wie es dem gemolkenen, geknechteten Durchschnittsmichel in Deutschland geht. Und da sieht es düster aus.
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