RAG-Berechnung: Blitz-Ausstieg aus der Kohle würde Milliarden kosten

Der Steinkohleförderer RAG hat ausgerechnet, welche Mehrkosten bei einem vorgezogenen Ausstieg aus der Kohleförderung anfallen: Unterm Strich müsste die Bundesregierung mit einer zusätzlichen Belastung von 1,34 Milliarden Euro rechnen.

Steinkohlehalde in Bottrop: Früherer Wegfall der Subventionen könnte teuer werden Zur Großansicht
dapd

Steinkohlehalde in Bottrop: Früherer Wegfall der Subventionen könnte teuer werden

Essen - Auf Deutschland könnten Mehrkosten für über einer Milliarde Euro zukommen, wenn der Ausstieg aus der Steinkohleförderung vorgezogen wird. Das hat der Kohleförderer RAG berechnet und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) mitgeteilt, berichten die Zeitungen der "WAZ"-Gruppe.

Demnach beziffere RAG unter Berufung auf Prognoseberechnungen die Mehrbelastung für Deutschland auf 1,34 Milliarden Euro, sollte das Auslaufdatum wie von der EU-Kommission vorgeschlagen bei 2014 statt bei 2018 liegen. Dabei gehe die RAG von 6800 betriebsbedingten Kündigungen sowie einem Verlust von 8800 Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie aus. Dies führe zu "fiskalischen Kosten der Arbeitslosigkeit" von rund 3,4 Milliarden Euro. Demgegenüber stünden Subventionseinsparungen von 2,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich müsse die öffentliche Hand also mit 1,3 Milliarden Euro Mehrbelastung rechnen.

Einschließlich der wegfallenden Kohleförderung ab 2014 fehlten - auf Basis derzeitiger Kohlepreise gerechnet - weitere 700 Millionen Euro, hieß es. Damit beliefe sich die Haushaltsbelastung auf 2,1 Milliarden Euro. In einem früheren Schreiben an Brüderle hatte bereits die RAG-Stiftung vor höheren Belastungen bei einem Bergbau-Ende 2014 gewarnt.

swa/dapd

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1. RAG-Berechnung: Vorzeitiger Ausstieg aus der Kohle würde viel Kohle kosten
Phoenix2006 12.10.2010
Zitat von sysopDer Steinkohleförderer RAG hat ausgerechnet, welche Mehrkosten bei einem vorgezogenen Ausstieg aus der Kohleförderung anfallen: Unterm Strich müsste die Bundesregierung mit einer zusätzlichen Belastung von 1,34 Milliarden Euro rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,722766,00.html
Ich habe mal eine Frage: Kann man Steinkohleberkwerke die still gelegt wurden wieder in Betrieb nehmen? Wird Steinkohle als strategische Energiereserve betrachtet?
2. .
karsten112 12.10.2010
Zitat von Phoenix2006Ich habe mal eine Frage: Kann man Steinkohleberkwerke die still gelegt wurden wieder in Betrieb nehmen? Wird Steinkohle als strategische Energiereserve betrachtet?
War letztens bei einer Zechenführung und dort wurde gesagt das Zechen die einmal still gelegt wurden, wegen der Wasserhaltung nicht wieder in Betrieb gehen können. Wie hoch nun der Anteil der deutschen Steinkohle an der Stromerzeugung überhaupt ist weis ich nicht, aber eine strteigische Reserve solte sich ein Land wie Deutschland auf jeden Fall vorbehalten. Als Standort mit sehr hochwertiger Kohle würde sich z.b. Ibbenbüren anbieten. Eine neue Zeche abzutäufen dauert 5-7 Jahre bevor überhaupt die erste Kohle ans Licht kommt.
3. unumkehrbar
ex_t_kunde 12.10.2010
Zitat von karsten112War letztens bei einer Zechenführung und dort wurde gesagt das Zechen die einmal still gelegt wurden, wegen der Wasserhaltung nicht wieder in Betrieb gehen können. Wie hoch nun der Anteil der deutschen Steinkohle an der Stromerzeugung überhaupt ist weis ich nicht, aber eine strteigische Reserve solte sich ein Land wie Deutschland auf jeden Fall vorbehalten. Als Standort mit sehr hochwertiger Kohle würde sich z.b. Ibbenbüren anbieten. Eine neue Zeche abzutäufen dauert 5-7 Jahre bevor überhaupt die erste Kohle ans Licht kommt.
Korrekt, die stillgelegten Zechen werden "absaufen", d.h. mit Wasser voll laufen und sind dann nicht mehr zu bewirtschaften. Die Zechen fuer spaeter betriebsbereit zu halten haette laufende Kosten verursacht, die die deutsche Politik, v.a. CDU und FDP, nicht zu tragen bereit war. Der Energiemix Deutschlands bestand 2007 zu 26% aus Kohle (also 1/4), zu 34% aus Erdoel und zu 23% aus Erdgas, der kuemmerliche Rest verteilte sich auf die viel dikustierte Kernenergie und die dringend noetigen erneuerbaren Energien. Erdoel wird sich die naechsten 10 Jahre ueber aufgrund steigender Nachfrage und sinkender Foerdermengen drastisch verteuern. Erdgas und Kohle bezieht Deutschland zum groessten Teil von seinem verlaesslichen Partner Russland der dieses Monopol natuerlich niemals politisch ausnutzen wuerde. Zum Teil kommt die Kohle auch aus China wobei China bei einem Engpass natuerlich ebenfalls seine eigenen Interessen hinten anstellen wuerde damit die deutsche Versorgung weiter gesichert bleibt... Ganz davon abgesehen dass die chinesische Kohle unter menschenunwuerdigen Bedingungen gefoerdert wird und wir den Preisvorteil mit der Gesundheit der chinesischen Kumpel bezahlen. Die Verlaengerung der AKW-Laufzeiten hat am Gesamtbild nur wenig geaendert - entweder Deutschland begibt sich inmitten einer sich immer weiter verschaerfenden Rohstoffkrise noch weiter in die Abhaengigkeit anderer Staaten oder es setzt auf den massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Die Abwicklung der Kohlefoerderung in Deutschland ist schon aus rein technischen Gruenden unumkehrbar und endgueltig. Dass man ein neues Bergwerk in Deutschland innerhalb von 5 Jahren genehmigt bekommt und abtaeuft halte ich fuer voellig unrealistisch. Bei den meisten Vorkommen war man bereits in 1000m Tiefe angekommen, das ist nicht so einfach nochmal neu abgetaeuft. Und komplett neue Technologien wie Kernfusion etc. sind noch voellige Science Fiction, das wuerde selbst bei optimistischen Prognosen Jahrzehnte dauern bis da der erste Strom fliesst. Also - Licht aus und Kerze an!
4. Erdnüsse!
moonman 13.10.2010
Es ist die falsche Argumentation. So sehr ich die Kritik an der vorgezogenen Zechenstilllegung verstehe. Aber mit 2,1 Milliarden entlocken sie einem Polit-Kasper der sich schon mal auf seine Oppositionszeit vorbereitet, nur ein müdes Arschrunzeln. Ist doch schon egal, kommen zu dem bisherigem "Hartz_4-Abschaum" eben noch ein paar dazu. Die gehören sowieso nicht zum Wählerpotenzial, also durchaus verzicht-und vernachlässigbar. Eher sollte man sich fragen, wer von dieser vorgezogenen Maßnahme profitiert. Erfahrungsgemäß jemand der ohnehin schon genug hat.
5. RAG berechnet - so, so...
Azazil 13.10.2010
Zitat von sysopDer Steinkohleförderer RAG hat ausgerechnet, welche Mehrkosten bei einem vorgezogenen Ausstieg aus der Kohleförderung anfallen: Unterm Strich müsste die Bundesregierung mit einer zusätzlichen Belastung von 1,34 Milliarden Euro rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,722766,00.html
Verehrte RAG, bis 2014 sind schon noch ein Paar Tage... Da wäre es dem einen oder anderen Mitarbeiter doch sicher möglich, sich um einen anderen Job zu bemühen?! Wir anderen Arbeitnehmer haben nicht einmal die Sicherheit, dass wir (bestenfalls) in drei Monaten noch einen Job haben. Von uns wird auch immer mehr Flexibilität verlangt. Und mit wie viel Euro wird doch gleich jeder Arbeitsplatz in der Kohleförderung subventioniert? Oh RAG, diese Milchmädchenrechnungen reißen doch niemanden mehr aus dem Schlaf.
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