Wirtschaft


Neues Sparpaket und Proteste: Stresstest für Spanien

Spanien steht vor wichtigen Entscheidungen: Ministerpräsident Rajoy legt dem Parlament ein weiteres Sparpaket vor, die Bürger machen dagegen Front. Noch dazu wird ein Stresstest für Banken veröffentlicht. Laut einem Bericht haben immerhin die drei größten Institute bestanden.

Spaniens Premier Rajoy: Die Märkte warten auf tiefgreifende ReformenZur Großansicht
dapd

Spaniens Premier Rajoy: Die Märkte warten auf tiefgreifende Reformen

Madrid - Das neue Sparpaket in Spanien ist noch nicht einmal verkündet, doch der Protest läuft bereits. In der Nacht zu Donnerstag haben erneut Tausende Menschen in Madrid vor dem spanischen Parlament demonstriert. Im Gegensatz zu den gewaltsamen Protesten vom Vortag verlief die Kundgebung mit rund 2500 Teilnehmern ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Allerdings dürften auch in den kommenden Tagen wieder Demonstrationen anstehen. Denn Regierungschef Mariano Rajoy will an diesem Donnerstag ein weiteres Sparpaket vorlegen. Es wird erwartet, dass der konservative Politiker harte Einschnitte verkündet und - anders als im Wahlkampf versprochen - auch die Renten antasten wird.

Die Maßnahmen sollen die Finanzmärkte beruhigen. Bei einem Auftritt in New York hatte sich Rajoy am Mittwoch nur schwammig zu weiteren Reformmaßnahmen geäußert. "Wir wissen, was wir tun müssen, und da wir es wissen, tun wir es", sagte er.

Neue Steuern und weniger Geld für Staatsbedienstete

Die Regierung will die Reformen zusammen mit dem Haushaltsentwurf für 2013 verkünden. Es wird mit der Einführung einer Steueraufsichtsbehörde gerechnet, mit Einschränkungen bei der Frühverrentung sowie neuen Steuern auf die Emission von Treibhausgasen und auf Aktientransaktionen. Auch Steuervergünstigungen dürften gestrichen werden. Die Bezüge für Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst sollen zudem bis ins Jahr 2013 eingefroren bleiben, wie aus Gewerkschaftskreisen verlautete.

Bei Kritikern stoßen die erwarteten Maßnahmen bereits jetzt auf Kritik. Es werde nicht deutlich, wie die Regierung die nötigen Einnahmen erzielen will. Selbst ein Parlamentarier aus dem Regierungslager meldete Zweifel an. "Papier ist geduldig. Es wird hart werden, das Budget glaubwürdig zu machen angesichts all der berechtigten Zweifel am Defizitziel", wurde der Abgeordnete zitiert. Die spanische Wirtschaft steckt in der Rezession, das für 2012 gesteckte Defizitziel von 6,3 Prozent der Wirtschaftsleistung wird das Land nicht erreichen.

Größte Banken haben Stresstest offenbar bestanden

Neben den weiteren Sparplänen der Regierung warten Investoren und EU-Partner auch gespannt auf das Ergebnis eines Banken-Stresstest, der am Freitag veröffentlicht werden soll. Die Zeitung "El País" berichtete, die drei größten spanischen Banken Santander, BBVA und La Caixa hätten den Stresstest bestanden. Sie benötigten auch unter den ungünstigsten Bedingungen keine staatlichen Hilfen. Die Regierung hatte den Test in Auftrag gegeben, um zu erfahren, wie viel Finanzhilfe Spanien für seine maroden Banken benötigt. Es wird mit einem Bedarf von etwa 60 Milliarden Euro gerechnet. Die Euro-Partner hatten dem Land bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt.

Schlechte Nachrichten gab es erneut aus den verschuldeten spanischen Regionen. Mit Kastilien-La Mancha wird voraussichtlich die fünfte Region die Zentralregierung um finanzielle Hilfe bitten. Der Antrag werde sich auf 800 Millionen Euro belaufen, hieß es aus Kreisen der Regionalregierung. Zuvor hatten bereits Katalonien, Valencia, Murcia und Andalusien Hilfen beantragt.

Italien sammelt Geld zu geringeren Zinsen ein

Während Spanien noch ringt, kann Italien im Kampf gegen die Schuldenkrise immerhin einen kleinen Erfolg vermelden. Das Land begab am Donnerstag Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit und zahlte mit 5,24 Prozent die niedrigsten Zinsen seit März. Die Rendite für fünfjährige Papiere fiel von zuvor 4,7 Prozent auf 4,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2011. Italien sammelte insgesamt rund 6,65 Milliarden Euro ein.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
FreeEurope 27.09.2012
Wer sein Geld in riskante, größenwahnsinnige Projekte wie das Glückspielimpeirum "Euro Vegas" stecktt braucht sich nicht wundern, wenn Geldgeber höhere Zinsen verlangen. Vielleicht wäre es für Spanien besser gewesen, [...]
Wer sein Geld in riskante, größenwahnsinnige Projekte wie das Glückspielimpeirum "Euro Vegas" stecktt braucht sich nicht wundern, wenn Geldgeber höhere Zinsen verlangen. Vielleicht wäre es für Spanien besser gewesen, Euro Vegas über spezielle Anleihen zu finanzieren - mit Risikoaufschlag.
losmanus 27.09.2012
"Spanien steht vor wichtigen Entscheidungen: Ministerpräsident Rajoy legt dem Parlament ein weiteres Sparpaket vor, die Bürger machen dagegen Front." In der deutschen Presse wird ein sehr einseitiges Bild gezeichnet. [...]
"Spanien steht vor wichtigen Entscheidungen: Ministerpräsident Rajoy legt dem Parlament ein weiteres Sparpaket vor, die Bürger machen dagegen Front." In der deutschen Presse wird ein sehr einseitiges Bild gezeichnet. Die Spanier gehen jetzt natürlich auch aufgrund der neuen Ankündigungen auf die Strasse; dabei wird aber übersehen, dass schon monatelang/jahrelang demonstriert wird - nicht nur aufgrund der Sparpakete. Die Spanier leben seit einer Dekade mit hoher Arbeitslosigkeit und unwürdigen Arbeitsverträgen (im besonderen die Generation unter 35). Bisher hat Ihnen noch niemand glaubhaft vermittelt, wie sie aus diesem Schlamassel herauskommen können. Sparen, um die Schulden abzubauen, ist eine Sache. Aber Rajoy hat keinen Plan (oder zumindest spricht er nicht darüber), wie er die Arbeitslosigkeit reduzieren will. Das ist das eigentliche Problem Spaniens; das Schuldenproblem resultiert daraus. Die Poltiker haben jedoch keine Vision für ihr Land. Wie möchten sie Industrie aufbauen? Wie kann die einheimisch Produktion oder der Tourismus angekurbelt werden? Wo soll es mittelfristig hingehen? Anstatt den Leuten dies zu vermitteln und Ihnen zu erklären, warum der Gürtel auch enger geschnallt werden muss und wann mit Besserung zu rechnen ist, geht der Staat sehr rigide mit seinen frustrierten Bürgern um. Die Bilder/Filme der letzten Demonstration, die von Handys aus gemacht wurden, zeigen das brutale Gesicht des Staates, der seine Bürger wie Schafe behandelt und sie mit dem Stock haut, wenn sie zu laut blöken. Warum lese ich hierzu keine Berichterstattung im SpiegelOnline??? Die Berichterstattung bestärkt das Bild der vermeintlich faulen Südeuropäer, die plötzlich demonstrieren, weil man ihnen die "unverdiente" Butter vom Brot nimmt - ohne weitere Informationen schürt dies nur Ressentiments zwischen den Europäern.
Liberalitärer 27.09.2012
Nicht Spanien sollte das über Bonds finanzieren, solche Projekte muss der Investor wie auch immer finanzieren. Nichts hindernd ihn daran, einen Junk Bond auszugeben oder an der Börse Geld einzusammeln. Zeigt nur, dass die [...]
Zitat von FreeEuropeWer sein Geld in riskante, größenwahnsinnige Projekte wie das Glückspielimpeirum "Euro Vegas" stecktt braucht sich nicht wundern, wenn Geldgeber höhere Zinsen verlangen. Vielleicht wäre es für Spanien besser gewesen, Euro Vegas über spezielle Anleihen zu finanzieren - mit Risikoaufschlag.
Nicht Spanien sollte das über Bonds finanzieren, solche Projekte muss der Investor wie auch immer finanzieren. Nichts hindernd ihn daran, einen Junk Bond auszugeben oder an der Börse Geld einzusammeln. Zeigt nur, dass die Dinger niemand haben will, Kurts Ringparadies lässt grüßen.
sibra 27.09.2012
Diesem exzellenten Kommentar ist nichts mehr hinzuzufügen. Danke hierfür.
Diesem exzellenten Kommentar ist nichts mehr hinzuzufügen. Danke hierfür.
Mahlzahn 27.09.2012
Diesen Aussagen ist fast nicht hinzuzufügen, außer: - ein völlig ineffizientes System kleiner und kleinster Banken; - eine absurde Bürokratie, die jede unternehmerische Initiative im Keime erstickt; - eine technologische [...]
Zitat von losmanus"Spanien steht vor wichtigen Entscheidungen: Ministerpräsident Rajoy legt dem Parlament ein weiteres Sparpaket vor, die Bürger machen dagegen Front." In der deutschen Presse wird ein sehr einseitiges Bild gezeichnet. Die Spanier gehen jetzt natürlich auch aufgrund der neuen Ankündigungen auf die Strasse; dabei wird aber übersehen, dass schon .....
Diesen Aussagen ist fast nicht hinzuzufügen, außer: - ein völlig ineffizientes System kleiner und kleinster Banken; - eine absurde Bürokratie, die jede unternehmerische Initiative im Keime erstickt; - eine technologische Infrastruktur, die veraltete ist; - ein Bildungssystem, dass seinen Namen nicht verdient; - mangelnder Wettbewerb im Energiesektor und der Logistik ... Und, auch wenn ich das Bild des faulen Südländers nicht teile, eine sehr gering ausgeprägte Bereitschaft, sich auf neue Möglichkeiten einzulassen - Schuld haben auch beim "einfachen Bürger" immer nur die anderen - wahlweise "Madrid", die PP, die Sozialisten, die Eu, die Welt, die anderen - an die eigene Nase fasst sich hier keiner.
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  • Donnerstag, 27.09.2012 – 13:23 Uhr
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