Wohnungsnot in Großstädten: Ramsauer will Kasernen zu Studentenbuden umbauen

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer: Notlösung Turnhalle

Günstige Wohnungen für Studenten sind vor allem in den Großstädten knapp. Bundesbauminister Peter Ramsauer will deshalb Kasernen und leerstehende Büros als Studentenunterkünfte umbauen lassen. Das Studentenwerk gibt sich vor dem Runden Tisch im Bauministerium skeptisch.

Berlin - Studenten in Großstädten wie München oder Hamburg finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Wegen der anhaltenden Probleme treffen sich am Freitag Vertreter von Behörden, Studenten und Wohnungsanbietern zu einem Runden Tisch im Bundesbauministerium in Berlin. Ressortchef Peter Ramsauer stellte kurz vor dem Treffen einfache Lösungen in Aussicht. Das Thema werde "endlich auf allen Ebenen angepackt", sagte der CSU-Politiker der "Saarbrücker Zeitung". Er werde ein Positionspapier vorlegen, in dem es auch um Handlungsanleitungen gehe.

"Wir wollen ungenutzten Wohnraum für Studierende aktivieren, freie Büros und militärische Liegenschaften zu Studentenunterkünften umwandeln und zusätzliche Investitionen der Wirtschaft ankurbeln", sagte Ramsauer. Dabei setze man auf Anreize, "etwa auf die Wiedereinführung der steuerlichen Abschreibung". Wichtig sei auch, dass die Kommunen Bauflächen ausweisen und Investoren mit offenen Armen empfangen würden.

Der Runde Tisch war erstmals im November 2012 zusammengekommen. Nach Einschätzung des Deutschen Studentenwerks hat sich die Wohnungsnot unter Studenten seit Anfang des Jahres nicht gebessert. "Von den Notunterkünften in Turnhallen werden wir so schnell nicht wegkommen", sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde. Den größten Bedarf an Wohnraum gebe es nach wie vor in den Großstädten München, Frankfurt, Hamburg, Köln und Berlin.

Das Studentenwerk fordere seit Jahren die Neuauflage eines Bund-Länder-Zuschussprogramms zum Bau von 25.000 preisgünstigen Wohnheimplätzen - bislang jedoch ohne Erfolg. "Wenn es nur um Erleichterungen für Investoren geht, sind wir skeptisch. Studenten brauchen preisgünstigen Wohnraum, Investoren denken eher an den Erlös", sagte Meyer auf der Heyde.

Ramsauer sagte zur Forderung nach mehr Fördermitteln, der Bund unterstütze die Länder bereits bei der Wohnraumförderung. Seit 2007 habe man insgesamt 3,6 Milliarden Euro investiert. "Mit diesen Hilfen lässt sich Beachtliches schaffen - auch für die Studenten."

nck/dpa

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1. Skepsis?
Solid 07.06.2013
Soso, die Studenten sind skeptisch? Na dann sollen sie doch weiterhin 300 € im Monat für ein einzelnes Zimmer in einer WG bezahlen und sich mit dem Dreck ihrer Mitbewohner rumärgern. Dann können sie auch weiterhin in ihren Szenewohnlagen bleiben. Für billigen aber komfortablen Wohnraum muss man eben auch Kröten schlucken.
2.
mustafa20 07.06.2013
Zitat von sysopDPAGünstige Wohnungen für Studenten sind vor allem in den Großstädten knapp. Bundesbauminister Peter Ramsauer will deshalb Kasernen und leerstehende Büros als Studentenunterkünfte umbauen lassen. Das Studentenwerk gibt sich vor dem Runden Tisch im Bauministerium skeptisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ramsauer-will-kasernen-in-studentenwohnungen-umwandeln-a-904288.html
Das gibt es in Berlin ja schon - ohne den Staat. In der Frankfurter Allee wurde das ja gemacht - weil es sich jetzt bei steigenden Mieten lohnt. Also Politik: Finger weg. Die Jahrzehnte vorher haben es gezeigt, es wird nur schlimmer, wenn man da staatlich eingreift.
3.
tpro 07.06.2013
Zitat von sysopDPAGünstige Wohnungen für Studenten sind vor allem in den Großstädten knapp. Bundesbauminister Peter Ramsauer will deshalb Kasernen und leerstehende Büros als Studentenunterkünfte umbauen lassen. Das Studentenwerk gibt sich vor dem Runden Tisch im Bauministerium skeptisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ramsauer-will-kasernen-in-studentenwohnungen-umwandeln-a-904288.html
So so, das Studentenwerk gibt sich "skeptisch". Wohl deshalb, weil es ehemalige Kasernen sind (Kaserne=bäh) und diese eben weiter von der studentischen Lieblingskneipe entfernt sind, als ein Wohnheim in der Stadtmitte.
4.
biobanane 07.06.2013
Zitat von sysopDPAGünstige Wohnungen für Studenten sind vor allem in den Großstädten knapp. Bundesbauminister Peter Ramsauer will deshalb Kasernen und leerstehende Büros als Studentenunterkünfte umbauen lassen. Das Studentenwerk gibt sich vor dem Runden Tisch im Bauministerium skeptisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ramsauer-will-kasernen-in-studentenwohnungen-umwandeln-a-904288.html
Mal wieder ein Ankündigungsminister. Auf die Idee kommen die Städte schon selbst, aber sogar bei einer Zwischennutzung als Wohnheime der der leerstehnden Kasernen gibt es Probleme mit dem Bund als Besitzer. Der Finanzminister will grundsätzlich möglichst viel Geld mit dem Immobilien machen, egal was da ein Ramsauer sagt.
5. haha....
fatherted98 07.06.2013
....in Frankfurt / M. hätte man die Chance dazu schon vor Jahren gehabt. Neben dem neuen Uni Campus ist eine riesige Housing Area der US Streitkräfte die seit gut 10 Jahren leerstand. Entweder hätte man den Bestand sanieren können und für die Studenten, die dann Quasi neben dem Campus wohnen würden, reserviert...oder man hätte abgerissen und neue Studentenwohnheime gebaut...in dieser Lage (neben der Autobahnzufahrt) hätte man auch hochstockig bauen können...aber nein...das Gelände wurde an "Investoren" verschachert die nun den Reibach machen...und die Studenten können sich auf dem freien Markt was suchen...was die Wohnsituation für viele andere Wohnungssuche in Rhein Main noch verschlimmert....
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Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.