Frankfurt am Main - Jetzt könne Griechenland nichts mehr helfen, Hauptsache, der Staatsbankrott geschehe in einem geordneten Prozess - so äußerte sich Edward Parker, der für Europa zuständige Abteilungsleiter der Rating-Agentur Fitch. Auch wenn sich Politik und der Internationale Bankenverband IIF noch auf einen Forderungsverzicht einigen sollten, sei Griechenland insolvent und werde die im März fälligen Staatsanleihen über rund 14,5 Milliarden Euro nicht bedienen können.
Alle derzeit unternommenen Anstrengungen, private Gläubiger in die Rettung Athens einzubeziehen, laufen laut Parker auf eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hinaus. "Die sogenannte Beteiligung des Privatsektors würde für uns als Zahlungsausfall zählen." Daher wäre es letztlich keine Überraschung, sollte dieser Fall dann auch eintreten. "Wir erwarten das auf die eine oder andere Weise relativ bald." Das Schlimmste wäre ein ungeordneter Staatsbankrott - Parker geht jedoch davon aus, dass europäische Politiker dies verhindern werden.
Die führenden Rating-Agenturen, neben Fitch auch Standard & Poor's und Moody's, hatten bereits vor längerer Zeit klargestellt, dass sie es als Zahlungsausfall werten würden, wenn private Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen verzichten müssen. Zwar verhandelt Athen mit den privaten Gläubigern, die Gespräche sind aber ins Stocken geraten.
Schuldenschnitt-Verhandlungen stecken fest
Nach Informationen aus Verhandlungskreisen gibt es weiterhin keine Einigung. Umstritten sei vor allem der Zinssatz der neuen Anleihen, die im Falle einer Einigung die alten ersetzen sollen, hieß es am Dienstag in Athen. Die Banken wollen demnach etwa fünf Prozent, Athen schlägt vier Prozent vor. Wichtige Geldgeber Griechenlands aus Mitteleuropa sollen sogar einen Zinssatz von weniger als drei Prozent vorgeschlagen haben, hieß es aus Bankkreisen in Athen. Dies jedoch will der Internationale Bankverband (IIF) nicht akzeptieren.
Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen privater Gläubiger wie Banken, Versicherungen und Hedgefonds freiwillig schultern. Ihr Engagement ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. Doch vor allem Hedgefonds sollen sich Berichten zufolge weigern, bei dem Schuldenschnitt mitzumachen. Geplant ist ein Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent.
Wie die konservative Athener Zeitung "Kathimerini" berichtete, müsste dem Fahrplan zufolge bis zum 23. Januar das Rahmenabkommen mit den Banken stehen, damit die Euro-Gruppe und danach der EU-Gipfel am 29. Januar grünes Licht geben. Dann müsse bis zum 10. Februar die offizielle Einladung zur Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt aus Athen kommen. Bis Ende Februar sollte dann eigentlich die Liste der Willigen stehen, die sich an diesem Schuldenschnitt beteiligen wollen. Danach soll bis zum 14. März das neue Hilfsprogramm in Höhe von 130 Milliarden Euro von den Gläubigern freigegeben werden. Sollte es auf dem Weg dahin unvorhergesehene Probleme auftreten, könnte Griechenland am 20. März die nächste Rate seiner Schuldentilgung nicht zahlen und wie von Fitch vorhergesagt pleite gehen.
nck/Reuters/dpa
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