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Schuldenkrise: Rating-Agenturen nehmen sich Großbritannien vor

Erst ging es gegen die Euro-Zone, jetzt gegen Großbritannien: Als zweite Rating-Agentur hat Fitch den Ausblick für das Land auf negativ gesenkt - damit steht die Top-Bonität auf dem Spiel. Das Unternehmen sieht die Regierung in London nicht ausreichend für wirtschaftliche Schocks gerüstet.

Gewitter über den Houses of Parliament: Weckruf für Spargegner Zur Großansicht
REUTERS

Gewitter über den Houses of Parliament: Weckruf für Spargegner

New York/London - Es ist die zweite Warnung einer Rating-Agentur binnen weniger Wochen: Nach Moody's droht nun auch Fitch Großbritannien mit dem Entzug seiner Spitzen-Bonitätsnote. Die Agentur senkte den Ausblick am Mittwochabend auf negativ und begründete dies damit, dass das Land nicht genügend auf wirtschaftliche Schocks vorbereitet sei. Auch werde die konjunkturelle Erholung in Großbritannien bei anhaltenden Spannungen in der Euro-Zone möglicherweise schwächer ausfallen als erwartet.

Der negative Ausblick bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit binnen zwei Jahren bei knapp über 50 Prozent liegt. Derzeit werde das Triple-A-Rating des Nicht-Euro-Landes aber noch bestätigt, teilte Fitch mit. Im Februar hatte bereits Moody's den Ausblick auf negativ gesenkt.

Die Regierung in London ist alarmiert: Finanzstaatssekretär Danny Alexander sprach von einem Weckruf an jene, die vom Konsolidierungskurs abrücken wollten.

Wegen der schwächelnden Binnenkonjunktur und einer niedrigeren Nachfrage aus der Euro-Zone musste die von den Konservativen angeführte Regierung jüngst einräumen, zwei Jahre länger als zunächst geplant für das Erreichen der Haushaltsziele zu benötigen. Bei der Übernahme der Amtsgeschäfte vor zwei Jahren erbte die Regierung ein Rekorddefizit von elf Prozent der Wirtschaftsleistung und kündigte an, die jährliche Neuverschuldung praktisch auf Null zu senken.

Fitch verwies aber auch auf die Fortschritte der britischen Regierung, das strukturelle Defizit in den Griff zu bekommen. Die Bemühungen Londons um eine finanzpolitische Konsolidierung seien glaubwürdig.

Frankreich und Österreich hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's im Zuge der Schuldenkrise bereits die Top-Bonität entzogen. Damals hatten sich französische Spitzenbeamte massiv darüber empört und auf Großbritanniens Krise verwiesen. Dies hatte für Verstimmungen zwischen London und Paris geführt.

yes/Reuters/dpa

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1. Wieso?
kuehtaya 15.03.2012
Zitat von sysopREUTERSErst ging es gegen die Euro-Zone, jetzt gegen Großbritannien: Als zweite Rating-Agentur hat Fitch den Ausblick für das Land auf negativ gesenkt - damit steht die Top-Bonität auf dem Spiel. Das Unternehmen sieht die Regierung in London nicht ausreichend für wirtschaftliche Schocks gerüstet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821456,00.html
Sind denn in England die Druckmaschinen ausgefallen?
2.
ginlai 15.03.2012
---Zitat--- Der negative Ausblick bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit *binnen zwei Jahren* bei *knapp über 50 Prozent* liegt. ---Zitatende--- Ach was, und für so eine Aussage braucht´s eine Ratingagentur??? Wie kann man so etwas auch nur ansatzweise ernst nehmen... Solche "Prognosen" kann ich auch erstellen, z.B. liegt die Wahrscheinlickeit für Regen in den nächsten 2 Wochen sicherlich ebenfalls bei knapp über 50%.
3. Immer derselbe Kram
Gerdtrader50 15.03.2012
Zitat von sysopREUTERSErst ging es gegen die Euro-Zone, jetzt gegen Großbritannien: Als zweite Rating-Agentur hat Fitch den Ausblick für das Land auf negativ gesenkt - damit steht die Top-Bonität auf dem Spiel. Das Unternehmen sieht die Regierung in London nicht ausreichend für wirtschaftliche Schocks gerüstet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821456,00.html
Es ist immer wieder ersichtlich und offensichtlich auch seitens der Ratingagenturen weit weniger amerikanischen Wirtschafts- und Währungsinteressen geschuldet, wie manche Verschwörungstheoretiker im alten Kontinent glauben wollen: Die unsägliche Verquickung von Ratingagenturen und ihrer Macht, welche ihnen die Staaten alle selbst in die Hand gegeben haben, mit der Art und Weise der Staatsfinanzierungen mit Staatsanleihen, welche als Sicherheiten bei den Notenbanken hinterlegt werden können von den Banken und anderen institutionellen Investoren, damit diese ihnen das Geld zu momentan niedrigen Zinsen gewähren, mit dem sie diese Staatsanleihen kaufen können, funktioniert offensichtlich nicht mehr. Es bringt Nachteile mit sich, wenn zur Befriedung der Ratingurteile mit Haushaltskonsolidierungen gearbeitet werden muss, die aber gleichzeitig der Konjunkturentwicklung eines Land im Binnenmarkt entgegenstehen. Das ist kontraproduktiv. Den einzigen Ausweg böte eine Politik gegen die Bankenlobby, indem qua Gesetz die Notenbanken selbst direkt die Staatsdarlehen herauslegen an die jeweiligen Länder. Bei Staatsdarlehen müssten die Notenbanken entweder auf Sicherheiten komplett verzichten, was ja aber auch keine Rolle spielt, oder die Staaten müssten selbst die Staatsanleihen als Sicherheit bei den Notenbanken hinterlegen. Dann schrumpft der Bankenmarkt auf die Banken zusammen, welche sich dem klassischen Bankgeschäft widmen, nämlich Darlehensherauslage an Unternehmen und Privatleute und Grundschuldfinanzierungen und Hypotheken, sowie Girokontenführung und geduldete Überziehungen nebst bewilligten Dispolimits und Kreditrahmen, und schon hört die Kreditklemme an die Realwirtschaft auf, wenn die dem Finanzmarkt als sklavische Kräfte dienenden Politiker noch die Basel-III-Richtlinien entschärften. Sollte dann irgendwann in derer Gehirn nochmal Vernunft und Verstand zurückgekehrt sein, dürfen sie auch noch die Schrottwährung in Europa einstampfen und gegen ordentlich geführte, nationale neue Währungen ersetzen. Dann dauerts genau 10 Jahre, wenn eine zusätzliche vernünftige Wirtschafts-,Finanz-, Fiskal-, Geld und Arbeitsmarktpolitik gemacht wird einschliesslich keynesianischer Programme, bis der alte Kontinent nochmal auf normalem Level läuft. Gott gebe, dass der Grundsatz nochmal einkehren mag: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand. Mit Verlaub: Daran durfte man in den letzten 10 Jahren mit Fug und Recht durchaus Zweifel haben.
4. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 15.03.2012
Zitat von sysopREUTERSErst ging es gegen die Euro-Zone, jetzt gegen Großbritannien: Als zweite Rating-Agentur hat Fitch den Ausblick für das Land auf negativ gesenkt - damit steht die Top-Bonität auf dem Spiel. Das Unternehmen sieht die Regierung in London nicht ausreichend für wirtschaftliche Schocks gerüstet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821456,00.html
Da hat die Überlegung 100jährige Anleihen herauszugeben wohl das Fass zum überlaufen gebracht.
5. Man muss sich fragen,...
blauer_engel 15.03.2012
Zitat von sysopREUTERSErst ging es gegen die Euro-Zone, jetzt gegen Großbritannien: Als zweite Rating-Agentur hat Fitch den Ausblick für das Land auf negativ gesenkt - damit steht die Top-Bonität auf dem Spiel. Das Unternehmen sieht die Regierung in London nicht ausreichend für wirtschaftliche Schocks gerüstet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821456,00.html
...wo das alles weiter hinführt. Es ist ein Drama, dass die Stabilität Europas anscheinend vor allem von Rating-Agenturen abhängt. Wenn die politische Union Europas nicht zumindest mittelfristig gelingt, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Solange das Schicksal Europas von der Finanzwelt bestimmt wird, habe ich allerdings wenig Hoffnung für die EU.
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Die drei Rating-Riesen
Standard & Poor's
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service , die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch Ratings
1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings . Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
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