Drohende Herabstufungen: Rating-Agentur warnt vor Euro-Aus in Griechenland

Seit dem Linksruck in Griechenland häufen sich Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone. Darunter könnten laut der Rating-Agentur Fitch auch die anderen Mitglieder des Währungsraumes leiden - sämtliche Bonitätsnoten wären in Gefahr.

Flaggen von EU und Griechenland vor der Akropolis: Acht Ländern droht eine Herabstufung Zur Großansicht
REUTERS

Flaggen von EU und Griechenland vor der Akropolis: Acht Ländern droht eine Herabstufung

Hamburg - Die Lage in Griechenland ist angespannt, eine große Koalition droht an der Blockade der Linken zu scheitern. Zugleich wachsen die Sorgen, Griechenland könnte die Euro-Zone verlassen - schließlich wurden bei der Parlamentswahl Gegner des Sparkurses und der EU-Mitgliedschaft gestärkt.

Die Rating-Agentur Fitch hat nun vor einem möglichen Austritt Griechenlands gewarnt. In diesem Fall würden vermutlich alle Bonitätsnoten im Euro-Raum - also auch die erstklassige Note Deutschlands - unter verschärfte Beobachtung ("Rating Watch Negative") gestellt, teilte Fitch am Freitag mit. Die Folgen eines Austritts seien sehr ungewiss, begründet die Agentur ihre Warnung.

Die größte Gefahr einer Herabstufung sieht die Rating-Agentur für Euro-Länder, die ohnehin einen negativen Ausblick aufweisen. Dies sind derzeit Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Irland, Belgien, Slowenien und Zypern. Ob und wie stark die Ratings tatsächlich sinken würden, hänge wesentlich von der Reaktion der europäischen Politik auf einen Austritt Griechenlands ab, hieß es in der Erklärung.

Die Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende haben ein stark zersplittertes Parlament mit höchst unterschiedlichen Positionen hervorgebracht. Angesichts der bisher gescheiterten Regierungsbildung seien Neuwahlen im Juni wahrscheinlich, urteilt Fitch. "Die Wahl oder Bildung einer griechischen Regierung, die nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, die Konditionen des aktuellen EU-/IWF-Programms einzuhalten, würde das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone erhöhen."

dab/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Business as usual, in der Finanzindustrie
funxxsta 11.05.2012
Nachdem die Boersen nun 4 Tage Achterbahn gefahren sind, bzgl der wechselnden Nachrichten aus Hellas, sorgt nun der erste Ihrer Erfuellungsgehilfen dafuer die politische Klasse weiter in der Spur zu halten. Interessant waere herrauszufinden, wer an all den - von Hellas ausgeloesten - Achterbahnfahrten an den Boersen von 2009 -> Heute verdient hat. Wetten auf/ gegen Waehrungen, Bonds, etc. Es deutet sich jedenfalls an, das Hellas in Kuerze den Euro, ggf die EU, zu verlassen hat. Eine Aenderung der Statuten des Club EU waere eher Formsache. Koennte man unseren Politikern nur verstaendlich machen, das ein Ausschluss Griechenlands ein deutliches Zeichen an die Maerkte waere, das einseitige Solidaritaet innerhalb der EU ein Einzelfall war und die manigfachen Manipulationen der Finanzindustrie nun, nach Ausschluss des Reformunwilligen ins Leere laufen.
2. Sippenhaft?
pirx64 11.05.2012
Zitat von sysopREUTERSSeit dem Linksruck in Griechenland häufen sich Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone. Darunter könnten laut der Rating-Agentur Fitch auch die anderen Mitglieder des Währungsraumes leiden - sämtliche Bonitätsnoten wären in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832727,00.html
Warum werden andere Staaten gestraft wenn ein Staat mit Lug und Betrug sich eine Mitgliedschaft erschlichen hat und nun nicht mehr weiter betrügen kann und der nackten Wahrheit ins Gesicht schauen muss????
3. Business as usual
w.blankschein 11.05.2012
Jawoll! Nichts wäre schlimmer als ein systemkritischer Präzidenzfall in Europa. Man stelle sich vor, auch nach der wahrscheinlich nächstfolgenden Wahl in Griechenland stimmte eine Mehrheit der von Jahrzehnten korrupter Oligarchien regierten Griechen erneut gegen die Spardiktate und Geldverschiebe-Clans der €uro-affinen (früheren) Regierungsparteien. Am Ende könnte sich diese neue Mehrheit sogar ins Zentrum Europas hineinfressen; die Ratingagenturen wären weggeratet und Währungszocker in Pension geschickt. "Unser" Deutschland wird nicht herumkommen, sich weiterhin konsequent zu amerikanisieren, d.h. gleichfalls in mehrere Kriege gleichzeitig - in "strategischen Regionen" - verwickelt zu sein, damit Rohstoff- und Finanzmärkte fürderhin wachsen und gedeihen. In Griechenland hat ein Militärputsch gegen drohende linke Mehrheiten ja schon Tradition. Die €urozone würde sich bedanken, die Ratings wären wieder flott gemacht ... Dumm nur, dass die Geschäfte immer noch mit Menschen gemacht werden müssen, die sich auf Dauer immer weniger gegen ihre Interessen gefallen lassen.
4. Vor dem Euro ging es vielen besseer
ein_deutscher 11.05.2012
Was ist eigentlich so schlimm wenn man nicht mehr im Euro ist. Viele Deutsche würden sich das auch wünschen. Da würde endlich wieder der Mittemeerurlaub billiger. Griechischer Wein wäre wieder konkurenzfähiger.
5. Drohgebärden
qoderrat 11.05.2012
Zitat von pirx64Warum werden andere Staaten gestraft wenn ein Staat mit Lug und Betrug sich eine Mitgliedschaft erschlichen hat und nun nicht mehr weiter betrügen kann und der nackten Wahrheit ins Gesicht schauen muss????
Ist das so schwer zu erraten? Wer sind die Hauptkunden der Rating-Agentueren und wer hält die meisten CDS, die zur Auszahlung kommen wenn GR in den ungeordneten Bankrott fällt? Und wen kann man bedrohen, um den Zahlungsausfall von GR zu vermeiden?
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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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