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Kreditwürdigkeit: Rating-Agentur Moody's stuft Griechenland besser ein

Bauarbeiter im Hafen von Thessaloniki: Vorsichtiger Aufwärtstrend Zur Großansicht
AP/dpa

Bauarbeiter im Hafen von Thessaloniki: Vorsichtiger Aufwärtstrend

Die Richtung stimmt: Die Rating-Agentur Moody's hat Griechenlands Kreditwürdigkeit heraufgestuft - so wie die anderen großen Wettbewerber zuvor auch schon. Dennoch verharrt der kriselnde Euro-Staat immer noch auf Ramsch-Niveau.

Athen - Es geht anscheinend aufwärts mit Griechenland. Als letzte der drei großen Rating-Agenturen hat auch Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes heraufgestuft. Das Mittelmeerland werde nun mit Caa3 nach bislang C bewertet, teilten die Bonitätswächter am Freitagabend mit.

In den vergangenen zwölf Monaten hatten auch Standard & Poor's und Fitch Griechenland bessere Noten gegeben. Allerdings liegt die Bewertung bei allen drei Agenturen weiterhin im Ramsch-Bereich.

Moody's begründete die Hochstufung mit der Erwartung, dass Griechenland seine Haushaltsziele für 2014 erreichen und bis Ende nächsten Jahres die Rezession überwinden werde. Es werde damit gerechnet, das Griechenland im kommenden Jahr einen Primärüberschuss von knapp 1,5 Prozent erzielen werde, teilte die Agentur mit. Beim Primärüberschuss handelt es sich um einen Haushaltsüberschuss ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen. Diese Wende hatte die Industrieländerorganisation OECD noch vor wenigen Tagen als "spektakulär" bezeichnet.

Den Ausblick für Griechenland bewertete Moody's als stabil. Die Verschuldung des Euro-Landes liegt derzeit bei rund 175 Prozent seiner Wirtschaftsleistung.

Verzögerung bei neuer Hilfstranche?

Die Troika-Finanzinspektoren von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) sagten unterdessen offenbar einen für kommende Woche geplanten Besuch in Griechenland ab. Das Land habe seine Verpflichtungen nicht erfüllt, hieß es am Freitag von Insidern.

Damit könnte sich auch die Auszahlung einer weiteren Hilfstranche für das hoch verschuldete Land verzögern. Die Finanzminister der Euro-Staaten kommen am 9. Dezember zusammen, um über die Freigabe der Mittel zu entscheiden. Das griechische Finanzministerium teilte indes mit, dass es immer noch mit seinen internationalen Kapitalgebern über das Datum des Besuchs verhandele.

Die Gläubiger besuchen Griechenland regelmäßig, um die unter dem milliardenschweren Rettungspaket vereinbarten Reformen zu kontrollieren. Ein positiver Troika-Bericht ist Voraussetzung für die Auszahlung neuer Milliarden-Hilfen. Athen sollte nach ursprünglicher Planung von der Troika bis Jahresende 5,9 Milliarden Euro erhalten.

Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem hatte Griechenland erst kürzlich gewarnt, dass viele Finanzminister der Euro-Zone allmählich die Geduld verlören. Die Troika ringt schon seit Wochen mit der Regierung in Athen um die Sparziele für das kommende Jahr und weitere Strukturreformen. Griechenland wird bereits seit 2010 mit zwei Hilfspaketen von insgesamt 240 Milliarden Euro an Krediten gestützt.

yes/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Zweiter Schuldenschnitt durch Öffentliche Schuldner?
spreepirat 30.11.2013
er IWF (und damit die Amis als ein Hauptzahler) sind nicht daran interessiert, weiter für Griechenland zu bezahlen. Deshalb der Druck, nach dem ersten Schuldenschnitt, wo Griechenland gut 150 Mrd. EUR. geschenkt bekommen hat von den privaten Gläubigern, jetzt einen zweiten Schnitt zu machen, wo die öffentlichen Gläubiger (EZB et. al) bluten. Offensichtlich ist das aus Sicht der Ratingagenturen bereits eingetütet, wodurch die bessere Einstufung möglich wird. In Schulnoten ausgedrueckt bedeutet das nichts anderes bedeutet als eine Verbesserung von 6 auf 6+. Getan hat sich in Griechenland tatsächlich wenig bis nichts: die Reichen bezahlen immer noch keine Steuern, die Staatsbediensteten kassieren immer noch einen überbodernden Teil der Staatseinnahmen für sich, deren Zahl ist immer noch so überhöht wie eh und je, und diejenigen Dreiviertel der Griechen, die nicht an den Staatstöpfen sitzen, werden von der Oberklasse und der Nomenklatura im Staatsdienst ausgebeutet und ausgepresst wie schon immer. Wie man da von Verbesserungen reden kann, verstehe ich nicht, da sich an den Grundbedingungen nichts geändert hat. Alles Geld, was man den Griechen schickt, sichert erstmal die Pfründen der Besitzenden. Selbst dazu reicht es nicht, so dass die Schulden heute wieder auf einer Höhe sind wie vor dem ersten Schuldenschnitt. Der Primärhaushalt soll ausgeglichen sein: Glaub ich nicht, aber selbst wenn: Auch ich komme mit meinem Geld super aus, wenn ich der Bank meine Hypothekenzinsen nicht mehr bezahle, die Lieferanten von Gas und Strom im Regen sitzen und alle sonstigen Rechnungen liegen lasse. Aber das alles holt einem irgendwann ein, normalerweise. In Griechenland ist das anders, weil es einen zweiten Schuldenschnitt geben wird und andere (vor allem Deutschland) für die Mißwirtschaft bezahlen müssen..
2. Warum
aglmpxh 30.11.2013
Kann mir mal einer erklären, warum damals jede kleine Andeutung einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit eines Euro-Landes größte Schlagzeilen und schlimmste Kommentare produziert hat, diese Meldung aber kaum beachtet wird? Erscheint mit typisch zu sein für die heutige Zeit in Deutschland.
3.
DrGrey 30.11.2013
Zitat von sysopAP/dpaDie Richtung stimmt: Die Rating-Agentur Moody's hat Griechenlands Kreditwürdigkeit heraufgestuft - so wie die anderen großen Wettbewerber zuvor auch schon. Dennoch verharrt der kriselnde Euro-Staat immer noch auf Ramsch-Niveau. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rating-agentur-moody-s-hebt-kreditwuerdigkeit-griechenlands-an-a-936508.html
So langsam glaub ich den Ratingagenturen auch nicht mehr. Was bitteschön hat sich an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Landes denn geändert? Das Land hängt auch weiterhin am Tropf der EZB und anderer EU-Staaten als Staatsfinanzierer.
4. 175 % des BIPs , 2008 waren 120 % , 2011 130%
mercadante 30.11.2013
Bitteschön , das ist die Zahlen nach der Behandlung Merkel + IWF+ OECD . Mit weniger Tam tam , hätte weniger gekostet und die Griechen wären Heute zu mindestens moralisch etwas positiver eingestellt .
5.
EraserFS 30.11.2013
Zitat von aglmpxhKann mir mal einer erklären, warum damals jede kleine Andeutung einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit eines Euro-Landes größte Schlagzeilen und schlimmste Kommentare produziert hat, diese Meldung aber kaum beachtet wird? Erscheint mit typisch zu sein für die heutige Zeit in Deutschland.
Weil damals die griech. Refinanzierung noch direkt mit den Kapitalmärkten betrieben wurde und jede weitere Absenkung des Ratings effektiv die Zinsen auf griech. Anleihen anhob - mit entsprechenden Folgen. Heute ist dieser Mechanismus ausgehebelt und die Finanzierung läuft indirekt. Womit das Rating kaum eine Rolle spielt bzw. nur in dem Sinne ob eine Tendenz existiert, dass sich Griechenland irgendwann mal wieder direkt an den Kapitalmärkten finanzieren kann. Aber wie ein anderer Kommentator meinte, die bessere Einstufung des griech. Ratings kommt einer 6+ gleich. Immernoch eine katastrophale Zensur. Vorallem wenn man bedenkt, dass direkte Finanzierung Griechenlands wahrscheinlich erst ab einer 2+ überhaupt möglich wird. Wie derselbe Kommentator meinte, hat sich an der griech. Leistung eigentlich auch nichts geändert. Die Veränderung der Zensur ist eher einer Änderung des Bewertungsmaßstabs geschuldet, statt einer Leistungssteigerung. Womit dann eigentlich auch schon alles zu dieser Meldung gesagt ist. PS: In dieser Schulnotenanalogie kommen Schuldenschnitte der Streichung von bewertbaren Aufgaben gleich. Wenn statt 100 Punkten nur noch ein einziger überhaupt bewertet wird, und Griechenland diesen Punkt hat, dann hat das Land auch wieder eine 1+.
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