Negativer Rating-Ausblick Moody's senkt Daumen über Euro-Rettungsschirm

Die Rating-Agentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsschirms auf negativ gesenkt. Die schlechten Erwartungen für die Geldgeber Deutschland, die Niederlande und Luxemburg gelten jetzt auch für den EFSF - und außerdem für sechs deutsche Bundesländer.

Proteste in Spanien: Auch die Banken des Landes brauchen Geld aus dem Rettungsschirm
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Proteste in Spanien: Auch die Banken des Landes brauchen Geld aus dem Rettungsschirm


Frankfurt am Main - In Europa sind alle voneinander abhängig: Weil die Erwartungen für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg negativ seien, hat die US-Rating-Agentur Moody's jetzt auch den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsschirms EFSF auf negativ gesenkt. Alle drei Länder tragen erheblich zum Rettungsschirm bei, allein Deutschland bürgt für 29,1 Prozent der Summe. Der EFSF wird von den Rating-Agenturen Moody's und Fitch allerdings weiter mit der Bestnote AAA bewertet, von Standard & Poor's mit AA+. Bisher hatte Moody's den Ausblick für den EFSF mit stabil bewertet.

Den negativen Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg hatte die Rating-Agentur am Dienstag mit dem "Ausmaß der Ungewissheit über den Ausblick für den Euro-Raum" begründet. Moody's fürchtet, dass die wirtschaftlich starken Staaten weitere Lasten für die in Not geratenen Euro-Länder schultern müssen. Im Falle Deutschland hatte Moody's überdies auf das starke Engagement der hiesigen Banken in den Problemstaaten verwiesen.

Moody's nimmt auch Bundesländer aufs Korn

Weil die Erwartungen für Deutschland sinken, kündigte Moody's zudem an, auch die deutschen Bundesländer zu untersuchen: Am späten Dienstagabend senkte Moody's den Ausblick von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt von stabil auf negativ. Auch die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) - die Resterampe der angeschlagenen WestLB - könnte im Verbund mit Nordrhein-Westfalen abgestuft werden.

Ein schlechteres Rating kann bedeuten, dass für die Aufnahme von frischem Geld höhere Zinsen fällig werden. Denn Gläubiger müssen davon ausgehen, dass ihr Geld weniger sicher ist. Mindestens ist eine Abstufung aber ein Imageschaden.

Die von Moody's genannten Bundesländer besitzen sehr gute Ratings, Bayern und Baden-Württemberg sogar die Bestnote von AAA - wie auch die Bundesrepublik als Ganzes. Die Überprüfung der Länder-Ratings erfolgt, weil Bund und Länder eng verflochten sind, und im Notfall für einander einstehen. Aus dem gleichen Grund überprüft Moody's auch mehrere niederländische Ratings sowie das vorläufige Langzeit-Rating des EFSF, der bisher ebenfalls die Bestnote hält.

Wirtschaftsweiser Bofinger: Deutschland bleibt für Anleger attraktiv

Der negative Ausblick hat allerdings nicht zwangsläufig eine Herabstufung zur Folge: Auch die führende Rating-Agentur Standard & Poor's hatte vor einigen Monaten die Spitzenbonität Deutschlands in Frage gestellt - die Top-Note aber nicht angetastet. Entscheidet sich Moody's jedoch für eine Abstufung, würde dies eine Kettenreaktion in Gang setzen. Auch Banken müssen dann mit schlechteren Ratings rechnen.

Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger wird Deutschland auch in Zukunft ein sicherer Hafen für Kapitalanleger sein. "Die Bonität der Bundesrepublik Deutschland wird so hoch geschätzt wie noch nie seit ihrer Gründung. Mehr Vertrauen geht nicht", sagte Bofinger der "Saarbrücker Zeitung". Die von Moody's festgestellten negativen Aussichten seien für ihn Schwarzmalerei. "Wenn Investoren dem deutschen Staat kein Geld mehr geben, wem sollen sie es denn dann geben? Kapital ist ja genug vorhanden", sagte der Ökonom. Dieses Kapital könne nicht nur in ebenfalls sichere, aber kleinere Länder wie Schweden oder Norwegen wandern.

nck/dpa/dapd



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insgesamt 138 Beiträge
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Seite 1
adam68161 25.07.2012
1. Warum nur immer Bofinger?
Der Mann ist nun wirklich kein "Weiser"! Er ist Mitglied des Sachverständigenrats und äusser - aus welchen Motiven auch immer - regelmässig eine zur Mehrheit abweichende Meinung. Das qualifiziert ihn aber längst nicht zu einem "Wirtschaftsweisen".
rieberger 25.07.2012
2.
Zitat von sysopAFPDie Rating-Agentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsschirms auf negativ gesenkt. Die schlechten Erwartungen für die Geldgeber Deutschland, die Niederlande und Luxemburg gelten jetzt auch für den EFSF - und außerdem für sechs deutsche Bundesländer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,846216,00.html
US-amerikanische Ratingfirmen werden nicht-amerikanische Staaten immer mit anderem Maß messen. Nationale amerikanische Interessen werden ein Urteil immer beeinflussen - oder warum kommen die angelsächsischen Länder so gnädig davon? Das Urteil ist nicht aussagekräftig und tendenziell. Die Macht dieser sogenannten Ratingagenturen sollte/muß gebrochen werden. Warum nicht endlich europäische Agentur(en)?
smartguy 25.07.2012
3. So langsam...
...kann ich es echt nicht mehr hören! Rating, Herabstufung, Eurokrise, Rettungsschirm etc. Der politische Kosmos scheint in den letzten Monaten sehr klein geworden zu sein. Wäre vielleicht mal wieder an der Zeit, auch wieder andere Dinge in den Fokus des politischen Interesses zu rücken. Oder sind Sozialpolitik und ökologische Belange mittlerweile out?
Feindbild_Mensch 25.07.2012
4. wie ...
ÜBERRASCHEND. Es wird weiter auf den EURO von Seiten der USA systembedingt eingeschossen, damit man von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken kann. Obgleich es gut ist, da unsere Politiker allmählich gehörig unter der Druck geraten, da selbst der dümmste Deutsche kapiert hat, dass die Transferunion Nord-Süd in Europa auf Dauer nicht funktioniert und der Ausverkauf Deutschlands voll im Gange ist. Dolce Vita im Süden, während bei uns ebenfalls vielen Gemeinen das Wasser selbst bis zum Hals steht, Zustände im Gesundheits- und Pflegesystem sowie im Bildungsbereich ebenfalls alarmierend sind und der Deutsche schon seit Jahren der europäischen Lohnentwicklung im Süden hinterherläuft. Es rächt sich eben, wenn sich jeder in diesem Maße gegen seinen Staat zu profitieren versucht - ganz kapitalistisch: jedem das Seine, mir das meiste! Tja, mal sehen wie die Griechen ihren Nationalstolz mal in positive Bahnen lenken werden, wenn sie bald wirtschaftlich in der Antike ankommen.
whitewolfe 25.07.2012
5. Blödsinn,Abstufung der Bundesländer....
soll doch Moodys endlich ehrlich sagen was die wollen:den Euro kaputtmachen,Ist ja auch ok denn sie aebeiten schliesslich im Auftrag der amerikanischen Regierung.Aber die Abstufung der Bundesländer ist lächerlich damit kann man auch die Ernsthaftugkeit der Einschätzung dieser Argentur in Zweifel ziehen.Den EFSF zurückstufen?warum nicht?Vielleicht trägt das dazu bei das es den ESM gar nicht erst gibt,dann hat das Ganze wenigstens einen guten Effekt.Ansonsten kann man diese staatlich geleiteten Ratingargenturen vergessen.Die arbeiten alle für die amerikanische Regierung.Denn die müsste schon längst wegen ihrem eigenen Haushaltsdefizit Bankrott sein und jedesmal wenn die Neuverschuldungsgrenze ein Paar Millardchen höher gesetzt wird müsste das Rating der USA um einen Punkt tiefer gesetzt werden.Dann hätte die USA heute längst Ramschstatus erreicht.Amerikanische Banken müssten auch genau dort sein....Ramschstatus.
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