Bankenkrise: Moody's kürzt Sloweniens Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus

Slowenische Bankzentrale: Faule Kredite lasten auf den Bilanzen Zur Großansicht
REUTERS

Slowenische Bankzentrale: Faule Kredite lasten auf den Bilanzen

Die Krise in Slowenien verschärft sich: Weil die Banken zusehends Probleme bekommen und die Wirtschaft abrutscht, senkt die Rating-Agentur Moody's ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschniveau. Slowenien gilt als weiterer Staat, den die Euro-Partner womöglich retten müssen.

London - Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Sloweniens auf Ramschniveau abgestuft. Die Bonitätsnote sinkt von "Baa2" auf "Ba1", wie die Agentur am Dienstag mitteilte. Damit ist die erste Stufe des sogenannten Junk-Bereichs erreicht, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Der Ausblick für das Länder-Rating wurde auf negativ gesetzt, so dass die Gefahr weiterer Abstufungen besteht.

Slowenien wird als nächster Kandidat für die Flucht unter den Euro-Rettungsschirm gehandelt. "Ich habe Angst vor einem organisierten Druck der Finanzmärkte, dem wir nicht standhalten können", sagte Igor Luksic, Präsident der zweitgrößten Partei in der drei Wochen alten Regierungskoalition, Mitte April. Auf die Frage, ob das Land Finanzhilfen benötigen könnte, antwortete er: "Es ist immer möglich, aber nicht unsere erste Option."

Die größten Probleme des Landes sind eine schwere Rezession und ein angeschlagener Bankensektor, der durch faule Kredite in Schwierigkeiten geraten ist. Der Rating-Agentur Fitch zufolge benötigen allein die drei größten Finanzhäuser in diesem Jahr rund zwei Milliarden Euro frisches Kapital.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht Slowenien auch dieses Jahr in der Rezession: Die Wirtschaftsleistung soll um 2,1 Prozent schrumpfen. Zugleich sagt sie dem Land eine rasant steigende Staatsverschuldung voraus. Die Schuldenquote dürfte von zuletzt 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2025 auf 100 Prozent klettern, sollte sich die Regierung nicht zu neuen Reformen durchringen.

Schnelle Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds ist laut OECD nicht nötig. "Die Regierung dieses Landes hat es bislang geschafft, ihren Finanzbedarf ohne Schwierigkeiten zu decken", betonte OECD-Vizechef Yves Leterme. Das sei zwar nur zu relativ hohen Kosten gelungen. Ein "unmittelbarer Bedarf" für Hilfen sei aber nicht abzusehen.

ssu/dpa-AFX

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das Problem ist nicht die Rezession!
hansulrich47 30.04.2013
Das Problem ist, dass in einem kleinen Land, wo jeder jeden kennt, sich die alten Seilschaften kräftig aus der öffentlichen Kasse bereichert haben und sinnvolle Investitionen unterblieben! Dafür ist das Geld bei 'Freunden' 'gut' angelegt worden.
2.
Gebr.Engels 30.04.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Krise in Slowenien verschärft sich: Weil die Banken Probleme zusehends bekommen und die Wirtschaft abrutscht, senkt die Rating-Agentur Moody's ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschniveau. Slowenien gilt als weiterer Staat, den die Euro-Partner womöglich retten müssen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rating-agentur-moody-s-senkt-slowenien-auf-ramschniveau-a-897517.html
Sloweinien ? Wer hat die den jetzt schon wieder in die Euro-Zone aufgenommen, waren das wieder die Sozen wie imFalle GR ? -Naja egal sind auf jeden Fall die nächsten Kandidaten die ein alternativloses Bankenrettungsprogramm über sich ergehen lassen müssen.
3.
humbahumba 30.04.2013
Zitat von hansulrich47Das Problem ist, dass in einem kleinen Land, wo jeder jeden kennt, sich die alten Seilschaften kräftig aus der öffentlichen Kasse bereichert haben und sinnvolle Investitionen unterblieben! Dafür ist das Geld bei 'Freunden' 'gut' angelegt worden.
Absolut richtig. Das gleiche gilt für Kroatien.
4. Wie die Zeiten sich ändern...
Dr. Kilad 30.04.2013
2004 galt Slowenien noch als "Klassenprimus" in der EU. Und Sozialabbau, Flexiblisierung der Arbeitsgesetze im Sinne der Unternehmen bis hin zur Privatisierung der Sozialversicherungen - alles das hat Slowenien ja gemacht. Und nun trotzdem die Pleite?
5.
Stäffelesrutscher 30.04.2013
Zitat von Dr. Kilad2004 galt Slowenien noch als "Klassenprimus" in der EU. Und Sozialabbau, Flexiblisierung der Arbeitsgesetze im Sinne der Unternehmen bis hin zur Privatisierung der Sozialversicherungen - alles das hat Slowenien ja gemacht. Und nun trotzdem die Pleite?
Tja - wohl eher deswegen die Pleite. Böse Zungen behaupten übrigens, die Slowenen hätten jetzt nicht mehr alle Privatisierungsarien mitmachen wollen, und seitdem hätten sich die Kartelle auf das Land eingeschossen. Aufmüpfige müssten eben bestraft werden. Als vor vielen Jahren mal die üblichen Verdächtigen Costa Rica - die »Schweiz Mittelamerikas« mit ihren Rezepten beglücken und dem Land seine hohe Staatsquote madig machen wollten, sagten die Ticos ganz cool: »Wir wissen, wie es in Ländern aussieht, die eure Rezepte umsetzen - zum Beispiel Guatemala und Honduras. Deren Probleme möchten wir nicht haben.«
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Eurokrise
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 24 Kommentare

Fläche: 20.273 km²

Bevölkerung: 2,055 Mio.

Hauptstadt: Ljubljana

Staatsoberhaupt: Borut Pahor

Regierungschef: Miro Cerar

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Slowenien-Reiseseite


So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.