Trotz Reformplänen: Moody's stuft Italien herab

Für Italien könnte das Schuldenmachen noch teurer werden: Die Rating-Agentur Moody's stufte das Land erneut herab und verwies dabei auf die schlechten wirtschaftlichen Aussichten. Das Land werde sich dem Abwärtstrend nur schwer entziehen können.

Italiens Premier Mario Monti: Dämpfer während des Sanierungskurses Zur Großansicht
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Italiens Premier Mario Monti: Dämpfer während des Sanierungskurses

Frankfurt am Main - Italien hat im Kampf gegen die Schuldenkrise einen Dämpfer erlitten. Die Rating-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Stufen herab - von "A3" auf "Baa2". Damit liegt das Rating nur noch zwei Stufen über dem Niveau, das Papiere als spekulative Anlagen wertet. Der Ausblick für Italien bleibe negativ, teilte Moody's in der Nacht zum Freitag mit.

Es sei zu erwarten, dass die Kosten für die Refinanzierung der Staatsschulden weiter steigen oder das Land angesichts des Vertrauensverlusts den Zugang zum Finanzmarkt verliert, begründete die Agentur ihre pessimistische Vorhersage. Nach Ansicht von Moody's könnte Italien angesichts einer Verschlechterung der Wirtschaftslage tiefer in die Schuldenspirale rutschen.

Die Agentur prognostizierte für das laufende Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung des Landes um zwei Prozent. Durch sinkendes Wachstum und steigende Arbeitslosenzahlen steige auch das Risiko, die Einsparungsziele zu verfehlen, hieß es. Dies würde sich dann wiederum negativ auf das Vertrauen am Markt und die Möglichkeiten zur Beschaffung frischen Geldes auswirken.

Monti hält sich Hilfen offen

Dabei muss das Land nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr mehr Schulden machen als erwartet. Die Neuverschuldung könnte demnach 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen und nicht wie bislang erwartet 2,4 Prozent. Dadurch würde Italiens Gesamtschuldenstand bis 2013 auf 126,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen. Bislang werden 123,8 Prozent erwartet.

Zu Wochenbeginn waren die Risikoprämien für italienische Staatsanleihen erneut gestiegen. Die Renditen für zehnjährige Papiere lagen bei mehr als sechs Prozent. Mit Anleihen mit kürzeren Laufzeiten konnte sich Italien am Donnerstag zu vergleichsweise günstigen Bedingungen frisches Geld in Höhe von 7,5 Milliarden Euro beschaffen. Bei den Papieren mit einer Laufzeit von einem Jahr muss das Land den Investoren eine Rendite von 2,7 Prozent bieten. Im Juni lag der Zins noch bei fast vier Prozent.

Der italienische Ministerpräsident Mario Monti hält sich Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm bewusst offen. "Es wäre gewagt zu behaupten, Italien werde diese Unterstützung niemals brauchen", sagte er laut italienischen Medien Mitte der Woche.

Die Herabstufung von Moody's ist bereits die zweite innerhalb von fünf Monaten. Im Februar hatte die Agentur die Kreditwürdigkeit Italiens gemeinsam mit der Bonität von Portugal und Spanien gesenkt.

Griechenland hat offenbar den Großteil der Sparziele nicht erreicht

Auch aus Griechenland kommen schlechte Nachrichten. Die Regierung dort verlangt von den internationalen Geldgeber zwei Jahre mehr Zeit, um die Sparziele zu erreichen. Zugleich kann Griechenland aber offenbar kaum Erfolge im Kampf gegen die Krise vorweisen. Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" hat die griechische Regierung 210 von rund 300 Sparvorgaben nicht erfüllt. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben aus Regierungskreisen zum vorläufigen Bericht der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank.

Die Forderungen Griechenlands nach einem Aufschub der Sparziele um zwei Jahre lehne die Bundesregierung als "völlig inakzeptabel" ab, berichtete die Zeitung weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe gegenüber führenden Koalitionären versichert, dass Griechenland maximal einige Wochen Aufschub bei der Umsetzung der Defizitziele gewährt werden könnten.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sprach sich für einen raschen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aus. "Von Tag zu Tag wird deutlicher, dass Griechenland nur dann eine Chance hat, wenn es den Euro verlässt", sagte Dobrindt der "Rheinischen Post". Die politischen Partner müssten Athen ein klares Angebot aus drei Elementen machen, sagte Dobrindt. "Erstens: Griechenland verlässt den Euro, bleibt aber in der EU. Zweitens: ein EU-Marschallplan als Wiederaufbauprogramm für die griechische Wirtschaft. Drittens: Rückkehroption in den Euro, wenn Griechenland saniert ist."

mmq/dapd/dpa/Reuters

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insgesamt 125 Beiträge
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1. Das ist auch richtig so.
gustavsche 13.07.2012
Denn bislang es nur Reformpläne und keine Reformen. Ohne den Druck der Finanzmärkte kämen die Politiker einfach nicht aus den Knick und deshalb ist es zu begrüßen, wenn er weiterhin zunimmt.
2. Dumm gelaufen.....
Jonny_C 13.07.2012
Zitat von sysopFür Italien könnte das Schuldenmachen noch teurer werden: Die Rating-Agentur Moody's stufte das Land erneut herab und verwies dabei auf die schlechten wirtschaftlichen Aussichten. Auch aus Griechenland kommen schlechte Nachrichten. Rating-Agentur Moody's stuft Kreditwürdigkeit von Italien herab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844163,00.html)
....für Italien, ich bin gespannt wann es Deutschland trifft ? Naja das BVG hat Deutschland eine kleine Atempause verschafft. Von mir aus können die den ESM ewig prüfen, Hauptsache er wird nicht eingeführt.
3. Wann endlich
M.Grüner 13.07.2012
Zitat von sysopFür Italien könnte das Schuldenmachen noch teurer werden: Die Rating-Agentur Moody's stufte das Land erneut herab und verwies dabei auf die schlechten wirtschaftlichen Aussichten. Auch aus Griechenland kommen schlechte Nachrichten. Rating-Agentur Moody's stuft Kreditwürdigkeit von Italien herab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844163,00.html)
handelt die Politik? Das ständige nachschießen von Milliardenbeträgen in den Finanzmarkt, all die aufgeblasenen Rettungsschirme verzögern das Unvermeidliche doch nur hinaus. Diese Krise ist keine Konjunktur- oder Wachstumskrise sondern eine Systemkrise! Man muss sich das doch mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Banken leihen sich Geld von der EZB zu 0,75%. Dieses verwenden Sie u.a. dazu Staatsanleihen zu zeichnen mit Renditen um die 6-7%. Diese wiederum hinterlegen sie als Sicherheit für neues Geld von der EZB. Und wer haftet schließlich und endlich für die EZB? Die Staaten! Was für ein Hütchenspiel ist das denn? Unterm Strich wird also zwischen 5 und 6% des Kreditbetrages den Banken OHNE jede Gegeleistung geschenkt. Tolles System! P.S.: Hat mir jemeand einen Tipp, wie ich an eine Bankenlizenz komme?
4. Ich war mal Gegner der Eurobonds
PH-sauer 13.07.2012
Zitat von sysopFür Italien könnte das Schuldenmachen noch teurer werden: Die Rating-Agentur Moody's stufte das Land erneut herab und verwies dabei auf die schlechten wirtschaftlichen Aussichten. Auch aus Griechenland kommen schlechte Nachrichten. Rating-Agentur Moody's stuft Kreditwürdigkeit von Italien herab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844163,00.html)
Jetzt bin ich Befürworter. Es heißt aber nicht, daß ich diese als absolute Wahrheit betrachte, man sollte aber ein paar Dinge nicht außer acht lassen, vor allem, wenn man diese Eurobonds wirtschaftspolitisch richtig flankiert. Warum ? Die Weltwirtschaft kühlt sich gerade aus. Ein Zusammenbruch der internationalen Märkte wäre ein Alptraum für die Deutsche Wirtschaft. Die Sparmaßnahmen der EU sind per se richtig, aber ohne Investitionen der Staaten und den sich daraus resultierenden Impulsen werden die Einsparungen durch die dann aufkommende Rezession aufgefressen. Es entsteht eine Abwärtsspirale, die alles schlimmer macht. Unsere EU-Partner sind unsere Märkte, die dann zu Asche würden. Schlecht für den Export-Vizemeister Deutschland. Man müßte einen Eurobond-Topf eben limitieren und als Bedingung für die Inanspruchnahme Sparmaßnahmen etc. entgegensetzen. Wenigstens in Höhe der Differenz des Zinsessatzes, der zwischen dem Nehmer und dem am nierigsten bewerteten Mitgliedsstaat liegt. Man könnte die Landeshaushaltsneuverschuldungen an die Bonds koppeln. Dies macht die Neuverschuldungen planbarer. Die Bundesrepublik Deutschland entwertet ihre Schulden durch die Kombination Niederstzinsen, die unter der Inflation liegen. Natürlich ist es richtig die Scheitelpunkte der konjunkturellen Scheitelpunkte dazu zu nutzen. Aber das kann man eben nur kurzfristig tun. Ein Grund, weshalb die Regierung sich keine Euro-Bonds wünscht. In dieser Folge: Haben Sie Riesterrenten ? Haben Sie mal darüber nachgedacht welche sichere Anlageformen noch Zinsen erbringen sollen ? Mit aktuellen Schuldverschreibungen der BRD jedenfalls könnten Sie sinnvollere Dinge tun, wie griechisch essen gehen. Ein Eurobond wäre eine legitime Anleihe. Deutschland könnte mehr sparen, wenn weniger Beamtenpensionsrückstellungen durch Neuverbeamtung entstünden. Eine Schule bspw. braucht nur einen verbeamteten Schuldirektor, vielleicht einen verbeamteten Assistenten, um die Prüfungen (Verwaltungsakte) wirksam zu machen. Den Rest kann man über den Öffentlichen Dienst regeln.
5.
orchardton 13.07.2012
Na, das klappt doch super mit dem Sparen. Wir brauchen eindeutig mehr Finanzexperten in führender Stellung, um das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen. Nur durch einen deutlich geringeren Ressourcenverbrauch läßt sich "unser" Wohlstand langfristig sichern. Danach lassen sich die neuen Industriebrachen auch wieder ruckzuck in blühende Landschaften verwandeln. Eine begleitende PR-Kampagne wäre vielleicht nicht schlecht, damit den Betroffenen keine Zweifel kommen.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.