Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Rating-Herabstufung: Euro-Retter müssen um Slowenien bangen

Marode Banken und kaum Wirtschaftswachstum: Slowenien gerät immer mehr unter Druck. Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes herabgestuft, es ist nur noch knapp über Ramsch-Niveau angesiedelt. Experten prophezeien: Slowenien muss Finanzhilfen beantragen.

Slowenischer Regierungschef Jansa: Sorge um das klamme Land Zur Großansicht
AP

Slowenischer Regierungschef Jansa: Sorge um das klamme Land

New York - Die Euro-Retter müssen um die finanzielle Stabilität Sloweniens bangen. Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des angeschlagenen Euro-Landes um drei Stufen gesenkt. Die Bewertung sei von "A2" auf "Baa2" verringert worden, teilte die US-Agentur am späten Donnerstagabend mit. Zugleich drohte sie mit einer weiteren Herabstufung. Moody's verpasste Slowenien den Ausblick "negativ".

Das Land ist nur noch zwei Stufen oberhalb des Ratings angesiedelt, das im Börsenjargon auch als "Ramsch-Status" bezeichnet wird. Ab der Einstufung "Ba1" werden Anleihen nicht mehr als Investment empfohlen, sondern gelten als spekulative Anlage.

Als Hauptgrund für die schlechtere Bewertung nennt Moody's die faulen Kredite slowenischer Banken in Milliardenhöhe. Für diese wird der Steuerzahler geradestehen müssen. Als zweiten Grund für die Herabstufung führt die Agentur die massiv gestiegenen Renditen slowenischer Staatsanleihen an.

Bereits Anfang Juli wurde das kleine Land im Südosten Europas als sechster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelt. Damals hatte die Regierung dementiert, dass sie Hilfe in Brüssel oder beim Internationalen Währungsfonds beantragen müsse. Durch ein Sparpaket sei die Gefahr "vorübergehend" abgewendet worden, erklärte Regierungschef Janez Jansa Anfang Juli.

Die slowenische Regierung habe mit höheren Refinanzierungskosten und einem beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten zu kämpfen, erklärte Moody's. Zugleich seien die Banken des Landes immer stärker auf Liquidität von der Europäischen Zentralbank angewiesen. Konkret bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die drei größten Banken des Landes, Nova Ljubljanska banka (NLB), Nova Kreditna banka Maribor (NKBM) und Abanka Vipa, eine staatliche Kapitalspritze im Umfang von zwei bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) benötigen werden, erklärte die Rating-Agentur.

Slowenischer Ökonom sieht kaum mehr Alternativen zu Hilfen

Die schlechte Finanzlage Sloweniens werde durch das schwache Wirtschaftswachstum verschärft, urteilte die Rating-Agentur. Die Regierung bekomme das Budgetdefizit nicht in den Griff, es dürfte im gegenwärtigen Jahr trotz strikter Sparmaßnahmen mit 3,5 Prozent des BIP wieder über der Maastricht-Grenze liegen.

Auch einheimische Wirtschaftsexperten rechnen nicht mehr damit, dass Slowenien seine Finanzprobleme aus eigener Kraft in den Griff bekommt. So sagte der angesehene slowenische Ökonom Joze P. Damijan kürzlich, dass Slowenien nur noch die Wahl habe, ob es als Ganzes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfe oder nach dem Vorbild Spaniens zunächst nur um EU-Bankenhilfe ersuche.

Damijan schätzt das Volumen der faulen Kredite bei den slowenischen Banken auf sechs bis acht Milliarden Euro. Die Bereinigung dieser Altlasten würde das slowenische Budgetdefizit auf 20 bis 28 Prozent des BIP explodieren lassen, rechnete er vor. Dadurch würden die Renditen slowenischer Staatsanleihen auf über zwölf Prozent steigen. "Das sind Zinsen, die kein Staat mittelfristig finanzieren kann, erst recht nicht langfristig", sagte Damijan. Sein Fazit: "Slowenien müsste in diesem Fall nach dem Beispiel Griechenlands, Irlands, Spaniens und Portugals um EU-Hilfe bitten."

Unterm Rettungsschirm wird es eng

Ähnlich wie Zypern, das im Juli Hilfe beantragte, dürfte Slowenien zu klein sein, um die Euro-Krise nennenswert zu verschärfen. Doch eine Diskussion über Unterstützung für ein sechstes Land käme für die Euro-Retter zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Angesichts der begrenzten Mittel des Rettungsfonds ESM wird derzeit darüber diskutiert, ob die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkaufen soll. Ein umfangreiches Programm stellte die Notenbank zunächst aber nicht in Aussicht.

Seit September haben alle großen Rating-Agenturen die Bonität Sloweniens mehrfach herabgestuft und dabei auch auf schleppende Reformen verwiesen. Im Ranking des World Economic Forum (WEF) rutschte das Land vom 45. auf den 57. Rang ab. Als problematisch bezeichnet das WEF vor allem die restriktiven Arbeitsgesetze, den schwierigen Zugang zu Krediten und die ineffiziente Bürokratie.

Slowenien ist enorm abhängig von Ausfuhren. Rund 72 Prozent der Exporte gehen in die EU, wichtigster Abnehmer ist Deutschland, gefolgt von Italien, Österreich und Frankreich. Wichtigste Ausfuhrgüter sind Autos und Autoteile, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Elektrotechnik, Holz und Möbel.

Das Land ist seit 2007 Teil der Euro-Zone. Mit zwei Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von gut 35 Milliarden Euro gehört es zu den kleinsten Mitgliedern der Währungsunion. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat das Land hart getroffen. 2009 brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 8,1 Prozent ein. Nach einer leichten Erholung rutschte Slowenien im vergangenen Jahr erneut in die Rezession.

mmq/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 211 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wie haben wir nur früher ohne den Euro gelebt?
towi2012 03.08.2012
Es gab ein Leben vor dem Euro. Jedes Land musste selbst Haushalten. Deutschland sah zu, wie jedes Jahr die Lire günstiger wurde. Der Franc hatte einen Wertverlust gegenüber der DM. Trotzdem ging die Wirtschaft weiter, niemand sprach von alternativlos und Rettung um jeden Preis. Nicht der Euro ist das Problem, sondern jeder Doofe kann ohne die Wechselkurse erkennen wohin die Reise geht. Ein Volk darf und kann nicht auf Pump leben, wenn man seine Währung nicht einfach abwerten kann. Hier liegt das Problem, der Euro ist ein Gleichmacher. Aber da ganz Europa über seine Verhältnisse lebt, wird den Politiker schon was einfallen. Letzte Lösung Inflation, bitte einsteigen.
2. Rettungsbuchstabenspiel
Worldwatch 03.08.2012
Zitat: "... Damijan's Fazit: "Slowenien müsste in diesem Fall nach dem Beispiel Griechenlands, Irlands, Spaniens und Portugals um EU-Hilfe bitten. ..." Ich finde unsere Mega-Rettungs-Euro-Union prima. Da hat sich der richtige Club zusammengefunden um der Welt zu zeigen, was die sog. "EU" und sog. "Euro-Union" alles gar nicht kann. Und, welch schoene Woerter kann man nun, mit den neuen anzulegenden Buchstaben, aus den Buchstaben formen? Hauptsache "die Maerkte", die Zockerfinanzgenies sowie unsere Freunde jenseis des kanals wie auch weit westlich der Kuesten Europas haben ihre Freude am Zuschauen auf dem Kindergartenspielplatz Europa. Es ist immer eine Freude zu sehen, wie die Kleinen mit ihren Sandkastenfoermchen grosse Pyramiden bauen, die dann spaeter wieder in sich zusammenfallen. Hoppela! Das bisweilen auch viele Kinder unter den selbst gebastelten Konstrukten begraben werden, ersticken und/oder Verletzungen erleiden, nun ja, das ist halt Europaspielplatzschicksal. War, bis auf 50 Jahre, so, und bleibt scheinbar so.
3. Noch n Gedicht!
Litajao 03.08.2012
Zitat von sysopAPMarode Banken und kaum Wirtschaftswachstum: Slowenien gerät immer mehr unter Druck. Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes herabgestuft, es ist nur noch knapp über Ramsch-Niveau angesiedelt. Experten prophezeien: Slowenien muss Finanzhilfen beantragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,847979,00.html
Na ja, jetzt kommen eben mehr und mehr Euro-Länder unter die Fittiche der Euro-Retter. Und von wegen zu klein: War nicht Griechenland viiiieeeel zu klein, um den Euro zu gefähren??
4. und auch das....
zephyrchen 03.08.2012
wird nicht das letzte Land sein. Wir bekommen nun scheibchenweise schonend beigebracht, was unsere Politiker bei der Grundsteinlegung für Europa verbockt haben. Und was Italien, Portugal, Spanien, ja sogar Frankreich u.v.m. betrifft werden wir im Unklaren gehalten und bekommen nur die Spitze des Eisberges zu sehen. Der Euro hätte vielleicht eine Chance gehabt wenn die Politiker ihre Hausaufgaben gemacht hätten. Vorher. Nicht aber mit lückenhaften Verträgen, an die sich ohnehin kein Land hält. Jetzt ist es zu spät. Dumm nur, dass wir schon bis zum Hals drinstecken und nicht mehr zurück können. Das Schiff sinkt unaufhaltsam.
5.
Ghanima22 03.08.2012
Zitat von sysopAPMarode Banken und kaum Wirtschaftswachstum: Slowenien gerät immer mehr unter Druck. Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes herabgestuft, es ist nur noch knapp über Ramsch-Niveau angesiedelt. Experten prophezeien: Slowenien muss Finanzhilfen beantragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,847979,00.html
Lasst den Schrott endlich pleite gehen und akzeptiert, das Europa nicht um eine Depression herumkommen wird! Danach kann man neu anfangen. Das ist besser als jahrzehntelanges Sichtum auf Raten. Und was den Unmut der Bevölkerung anbelangt, sie hat keine Wahl als es zu ertragen. Die gegenwärtigen Politiker werden die eine so wie die andere Variante politisch nicht überleben, egal wie sehr sie sich mit allen möglichen nutzlosen Winkelzügen auch darum bemühen. Erlaubt endlich die Katastrophe und den Neuanfang in Europa!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 20.273 km²

Bevölkerung: 2,063 Mio.

Hauptstadt: Ljubljana

Staatsoberhaupt: Borut Pahor

Regierungschef: Miro Cerar

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Slowenien-Reiseseite


So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: