Rating-Rundumschlag Fitch stuft fünf Euro-Länder herab

Der nächste Rating-Riese macht seine Drohung wahr: Nun senkt auch Fitch die Bonitätsnote von fünf Euro-Staaten. Besonders hart trifft es die Krisenländer Italien und Spanien, ihre Bewertung wurde gleich um zwei Stufen herabgestuft.

Fitch-Zentrale in New York: Drohung wird wahrgemacht
DPA

Fitch-Zentrale in New York: Drohung wird wahrgemacht


Hamburg - Standard & Poor's hat vorgelegt, Fitch zieht nach: Die Rating-Agentur hat am Freitag die Kreditwürdigkeit von fünf Staaten der Euro-Zone herabgestuft.

Die Bonitätsnote Italiens, Spaniens und Sloweniens sei gleich um zwei Noten gesenkt worden, teilte Fitch am Freitag in London mit. Bei Belgien und Zypern wurde die Kreditwürdigkeit um eine Note gesenkt.

Das Rating von Irland wurde bestätigt. Mitte Januar hatte Fitch noch erwogen, auch die Bonität dieses Landes schlechter zu bewerten.

Die Kreditwürdigkeit aller betroffenen sechs Länder wurde mit einem negativen Ausblick versehen. Das bedeutet: Die Bewertung könnte in absehbarer Zeit gesenkt werden.

Eine niedrigere Bonitätsnote bedeutet für ein Land zumeist, dass es teurer wird, neue Schulden aufzunehmen. Im Regelfall muss es bei den Zinsen für das frische Geld spürbar höhere Risikoaufschläge bezahlen.

Ob dieser Effekt auch bei den jüngsten Abstufungen durch Standard & Poor's und nun Fitch eintreten wird, ist offen. In der vergangenen Woche hatten Italien und Spanien sich mehrfach Geld geliehen und dafür niedrigere Zinsen als in den vergangenen Monaten gezahlt.

Am Freitag waren die Zinsen für italienische Anleihen weiter gefallen. Bei zwei Auktionen konnte das Land elf Milliarden Euro einnehmen. Für Anlagen mit sechsmonatiger Laufzeit wurden am Freitag Zinsen von 1,96 Prozent fällig, noch im Dezember lag der Zinssatz bei 3,25 Prozent.

Im Gegensatz dazu hat sich die Lage am Anleihemarkt Portugals seit Jahresbeginn eingetrübt. Zwar ist der kleine Nachbarstaat Spaniens derzeit nicht auf den Kapitalmarkt angewiesen, da es vom europäischen Rettungsfonds EFSF refinanziert wird. Dennoch senden Renditen und Risikoaufschläge für Staatsanleihen ein wichtiges Signal für das Vertrauen der Investoren. Derzeit rentiert die richtungsweisende zehnjährige Anleihe Portugals mit rund 14,3 Prozent. Vor zwei Wochen lag die Rendite noch unter zwölf Prozent.

Experten nennen gleich mehrere Gründe dafür: Portugal wird seit der Bonitätsherabstufung durch Standard & Poor's nun von allen drei großen Ratingagenturen als unzuverlässiger Schuldner bewertet. Deswegen sind viele institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen dazu gezwungen, die Papiere abzustoßen. Das lastet auf den Kursen der Staatstitel und treibt deren Rendite nach oben.

ssu/aar/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
Progressor 27.01.2012
1. Richtig so
Wenn ich eine Rating Agentur wäre, würde ich alle Euro-Länder auf D wie Depp stufen. Mal im Ernst: Im Falle von Griechenland erwägt man alle Gläubiger die nicht freiwillig verzichten wollen mit nachträglich geänderter Vertragsklausel zum Verzicht zu zwingen. Ich finde die amerikanischen Rating-Agenturen verhalten sich noch sehr rücksichtsvoll gegenüber dem europäischen Wahnsinn.
MartinHa 27.01.2012
2.
Zitat von ProgressorWenn ich eine Rating Agentur wäre, würde ich alle Euro-Länder auf D wie Depp stufen. Mal im Ernst: Im Falle von Griechenland erwägt man alle Gläubiger die nicht freiwillig verzichten wollen mit nachträglich geänderter Vertragsklausel zum Verzicht zu zwingen. Ich finde die amerikanischen Rating-Agenturen verhalten sich noch sehr rücksichtsvoll gegenüber dem europäischen Wahnsinn.
Fitch ist französisch.
mukkesucker 27.01.2012
3. Surprise Surprise
Zitat von sysopDer nächste Rating-Riese macht seine Drohung wahr: Nun*senkt auch Fitch die Bonitätsnote von sechs Euro-Staaten. Besonders hart trifft es die Krisenländer Italien und Spanien, ihre Bewertung wurde gleich um zwei Stufen herabgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,811906,00.html
Und ganz zufällig spült die Herabsetzung der EURO Ratings den Amis Geld in die Kassen... Schnell - doppelt oder Nichts! Rettungsschirm * 2!!!
systemmirror 27.01.2012
4. Die Franzosen
Zitat von sysopDer nächste Rating-Riese macht seine Drohung wahr: Nun*senkt auch Fitch die Bonitätsnote von sechs Euro-Staaten. Besonders hart trifft es die Krisenländer Italien und Spanien, ihre Bewertung wurde gleich um zwei Stufen herabgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,811906,00.html
sind von der französisch gesponserten Agentur natürlich nicht betroffen. Das neue Rating kommt natürlich umgehend auf die Äußerungen der FED die Geldmenge weiterhin ungehindert zu vermehren. Da muß man im Vorfeld natürlich schon dafür Sorge tragen diese Geldmengen dem Markt irgendwie unterzujubeln. Selbstverständlich ohne einen Gedanken an die Vergrößerung der Finanzblase zu verschwenden.
benn01 27.01.2012
5.
Zitat von ProgressorWenn ich eine Rating Agentur wäre, würde ich alle Euro-Länder auf D wie Depp stufen. Mal im Ernst: Im Falle von Griechenland erwägt man alle Gläubiger die nicht freiwillig verzichten wollen mit nachträglich geänderter Vertragsklausel zum Verzicht zu zwingen. Ich finde die amerikanischen Rating-Agenturen verhalten sich noch sehr rücksichtsvoll gegenüber dem europäischen Wahnsinn.
Spanien ist immer noch A , Belgien sogar AA Diese Ratings haben mit der Realität dieser bankrotten Staaten nichts mehr zu tun. Frankreich wird weiter mit AAA bewertet, obwohl das Land in Schulden ersäuft. Wenn die Ratingagenturen die gleichen Kriterien anlegen würden wie bei privaten Schuldnern wäre kein Land das Eurozone noch Investment grade. Wissen die Bürger eigentlich, daß Deutschland nur deshalb so eine tolle Bonität hat, weil der Staat mit ihren privaten Vermögen bürgt ? Noch begnügt er sich damit Privateigentum nur zu besteuern, aber er kann es auch jederzeit einziehen.
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