Düsseldorf - Sechs Ermittler standen am Montagmorgen vor der Tür der Millionenvilla im Düsseldorfer Vorort Meerbusch. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung hatten sie es auf Albert Eickhoff abgesehen. Der 76 Jahre alte Modeunternehmer soll demnach über eine Stiftung in der Schweiz jahrelang Steuern hinterzogen haben.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am Montag in ganz Deutschland Firmen und Privaträume durchsuchen lassen. 50 Steuerfahnder waren nach Angaben der Behörde bei Kunden der Schweizer Großbank UBS
unterwegs. Die Aktion geht zurück auf eine in den vergangenen Monaten angekaufte Steuer-CD. Das Düsseldorfer Finanzministerium hatte zuletzt erklärt, seit 2010 seien insgesamt sechs Datenträger aus der Schweiz mit Informationen zu mutmaßlichen deutschen Steuerhinterziehern gekauft worden.
Der Modemillionär Eickhoff bestätigte laut "Bild" die Razzia. Über seine Stiftung in der Schweiz sagte er: "Damals gehörte es zum guten Ton, Geld ins Ausland zu schaffen. Man konnte ja nicht wissen, ob das Geld in Zukunft in Deutschland sicher ist."
Im Mai 2012 habe er die Bank in der Schweiz gebeten, "das Konto zu legalisieren". Die unterschlagenen Zinserträge aus den letzten Jahrzehnten habe er in seiner Steuererklärung gegenüber dem Finanzamt zum Jahresende deklarieren wollen. Eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung hat der Unternehmer nicht erstattet. "Da war ich zu doof", zitiert ihn die Zeitung.
Die Linkspartei fordert einen Internetpranger für Steuersünder
Eickhoff hatte sein Modeunternehmen Anfang der sechziger Jahre gegründet und wurde damit zu einem der Aushängeschilder der Düsseldorfer Nobeleinkaufsstraße Königsallee. 2006 hatte er die Leitung an seine Tochter Susanne Asbrand-Eickhoff und deren Mann Stefan Asbrand-Eickhoff abgegeben. Das Unternehmen beschäftigt rund 80 Mitarbeiter und kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 27 Millionen Euro.
Die Steuerrazzien der Bochumer Staatsanwaltschaft sind umstritten, weil sie auf den Daten angekaufter CDs basieren. Das Finanzministerium in Düsseldorf ist jedoch vom Erfolg überzeugt. Durch Steuer-Verfahren und Selbstanzeigen seien dem Fiskus seit 2010 mehr als drei Milliarden Euro in die Kassen gespült worden. Die Datenträger listen knapp 7000 Anleger auf. Nordrhein-Westfalen hatte auch CDs mit Daten von Kunden der Banken Julius Bär
und Credit Suisse
gekauft.
Die rot-grüne Landesregierung stellt sich gegen das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz, das zum Januar 2013 in Kraft treten soll. Es sieht eine pauschale Nachversteuerung deutscher Schwarzgelder vor, die in der Schweiz geparkt sind.
SPD und Grüne kritisieren das Abkommen und wollen im Bundesrat dagegen stimmen. Ihnen kommen deutsche Steuersünder damit zu gut weg, unter anderem weil das Schwarzgeld nur anonym nachversteuert werden soll.
Auch die Linkspartei fordert einen härteren Umgang mit Steuersündern. Parteichefchef Bernd Riexinger will einen Internetpranger einrichten. "Ich bin dafür, dass die Namen der dicken Fische zur Abschreckung veröffentlicht werden", sagte Riexinger der "Passauer Neuen Presse". "Wer mehr als eine Million Euro verschiebt, landet im Internet auf den Seiten des Finanzministeriums."
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