Reaktionen auf Einfuhrzölle "Wir werden dieses aggressive Verhalten nicht akzeptieren"

Trumps Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium stoßen in der deutschen Wirtschaft auf scharfe Kritik - sie werden als Auftakt zu einem ernsten Handelsstreit gewertet.

Manfred Weber
DPA

Manfred Weber


Die deutsche Wirtschaft fürchtet nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump für Importzölle bei Stahl und Aluminium eine Eskalation des Handelsstreits mit unabsehbaren Folgen. Der deutsche Außenhandelspräsident Holger Bingmann äußerte sich "bitter enttäuscht" von Trump. "Jetzt kann man nur hoffen, dass niemand überreagiert", sagte er. Es sei aber zu befürchten, dass nun "Dinge ins Rollen kommen, die wir uns nicht wünschen". Nach Bingmanns Worten dürfte die EU nun zu Gegenmaßnahmen greifen, die der deutsche Außenhandel nicht gewollt habe. "Trumps Handeln untergräbt das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner", sagte er. Damit füge er seinem eigenen Land massiven Schaden zu. "Wir raten dringend zur Besonnenheit."

Der EU-Außenpolitiker David McAllister äußerte sich über Trumps Entscheidung in den Zeitungen der Funke Mediengruppe und sprach von einer "Belastungsprobe" für die transatlantischen Beziehungen. Er mahnte: "Wir sollten jetzt umsichtig vorgehen und alles tun, um eine Eskalation des Handelsstreits und schon gar einen Handelskrieg zu vermeiden."

Auch aus der Europäischen Volkspartei gab es eine Reaktion auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump: Manfred Weber zeigte sich enttäuscht: "Die Europäische Union möchte nicht, dass der Handelskonflikt eskaliert. Aber wir werden dieses aggressive Verhalten der USA nicht akzeptieren, ohne darauf zu reagieren", schrieb der CSU-Politiker auf Twitter. Europas Antwort müsse klar und bestimmt ausfallen, aber auch verhältnismäßig. "Wir sollten einen kühlen Kopf bewahren und rational handeln."

Die Europäische Union sollte nach Ansicht von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström von den von US-Präsident Donald Trump verhängten Zöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen werden. Das teilte sie am Donnerstagabend bei Twitter mit. "Die EU ist ein enger Verbündeter der USA", schrieb sie weiter. Sie wolle nun in den kommenden Tagen mehr Klarheit in der Sache erhalten. Am Samstag wolle sie mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer in Brüssel sprechen.

SPD-Europapolitiker Bernd Lange wirft Trump Rechtsbruch vor. "Trump führt keinen Strafzoll ein, sondern einen Abschottungszoll, um den US-Markt zu schützen. Damit verstößt Trump klar gegen die Regeln der Welthandelsorganisation", sagte Lange dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" einem Vorabbericht zufolge.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung": "In Zeiten des globalisierten und digitalisierten Wettbewerbs ist Abschottung ein absoluter Irrweg." US-Strafzölle würden der deutschen Wirtschaft erhebliche Absatzeinbußen bescheren.

Die USA stellen sich nach Auffassung des Deutschen Industrie- und Handelskammertag mit ihrer Entscheidung für Importzölle beim Stahl und Aluminium "außerhalb der Regeln der Welthandelsorganisation". DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben wirft US-Präsident Trump vor, nicht nur dem Welthandel zu schaden, sondern auch den USA selbst.

cop/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.